Sachsen-Anhalt, Armin Willingmann

Sachsen-Anhalt: SPD-Kandidat Willingmann scheitert mit 33 Stimmen

Veröffentlicht am: 06.10.2026 um 18:22 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS

Armin Willingmann erhält in geheimer Abstimmung nur 33 Stimmen und verpasst damit den Einzug ins Präsidium. Zuvor war AfD-Politiker Tobias Rausch mit 48 Stimmen zum Landtagspräsidenten gewählt worden.

SPD-Kandidat scheitert bei Wahl zum Landtagsvize in Sachsen-Anhalt
Armin Willingmann (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Der SPD-Kandidat Armin Willingmann ist bei der Wahl zum Vizepräsidenten des Landtags von Sachsen-Anhalt gescheitert. In der geheimen Abstimmung am Dienstag stimmten 33 Abgeordnete für ihn, 48 gegen ihn; eine Stimme war ungültig.

AfD-Kandidat erhält 48 Stimmen

Zuvor war der AfD-Politiker Tobias Rausch zum Landtagspräsidenten gewählt worden. Er erhielt 48 Stimmen und damit mehr als AfD und BSW gemeinsam Sitze haben.

Willingmann mit Regierungserfahrung

Willingmann war Spitzenkandidat der SPD bei der Landtagswahl. Der frühere Rektor der Hochschule Harz war von 2016 bis 2021 Minister für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitalisierung und anschließend Minister für Wissenschaft, Energie, Klimaschutz und Umwelt sowie erster Stellvertreter des Ministerpräsidenten.

AfD stärkste Kraft im Parlament

Bei der Landtagswahl am 6. September kam die AfD auf 43,8 Prozent und verfehlte die absolute Mehrheit im Parlament knapp. Der Landesverband Sachsen-Anhalt wird vom Verfassungsschutz als „gesichert rechtsextremistische Bestrebung“ eingestuft.

Die Abstimmung über das Landtagspräsidium markiert den ersten Praxistest für die Mehrheitsverhältnisse im neu gewählten Parlament von Sachsen-Anhalt. Die AfD verfügt nach ihrem Wahlerfolg über 39 der 83 Sitze und verfehlte damit die absolute Mehrheit. Das BSW mit fünf Abgeordneten kann deshalb bei zentralen Personalentscheidungen den Ausschlag geben.

Mehrheiten im neuen Landtag

Zuvor erhielt AfD-Politiker Tobias Rausch 48 Stimmen für das Präsidentenamt. Dieses Ergebnis lag über der gemeinsamen Zahl der AfD- und BSW-Sitze und zeigt, dass die Wahl auch über dieses Lager hinaus Unterstützung fand. Die Wahl des SPD-Kandidaten Armin Willingmann fiel dagegen deutlich aus: 33 Ja-Stimmen standen 48 Nein-Stimmen und einer ungültigen Stimme gegenüber.

Für die parlamentarische Arbeit ist das Präsidium mehr als eine protokollarische Einrichtung. Der Präsident leitet Plenarsitzungen und den Ältestenrat, während Vizepräsidenten an der Sitzungsführung beteiligt sind. Die Zusammensetzung des Präsidiums beeinflusst damit Verfahren, Redeabläufe und den Umgang mit den Fraktionen.

Signal für die Regierungsbildung

Die AfD strebt nach dem Wahlsieg auch die Führung der Landesregierung an. Ihr Spitzenkandidat Ulrich Siegmund hat eine Ministerpräsidentenwahl im Dezember angekündigt; dafür wären mindestens 42 Stimmen erforderlich. Das Scheitern Willingmanns macht sichtbar, dass sich im Landtag bereits bei Personalwahlen Mehrheiten gegen SPD-Vorschläge bilden können. Zugleich entscheidet die Abstimmung noch nicht über eine künftige Regierung oder eine feste Zusammenarbeit zwischen AfD und BSW.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

tagesschau: „Sachsen-Anhalt: AfD stellt mit Tillschneider auch Landtagsvizepräsident“ (06.10.2026)

Der Beitrag ordnet die Wahl des AfD-Politikers Hans-Thomas Tillschneider zum Vizepräsidenten ein und nennt 44 Ja- sowie 38 Nein-Stimmen. Im Mittelpunkt steht damit die weitere Stärkung der AfD im Präsidium; das Scheitern Willingmanns wird im verfügbaren Beitrag nicht behandelt.

taz: „Erste Landtagssitzung in Sachsen-Anhalt: Ein Präsident, sie zu knechten“ (06.10.2026)

Der Artikel beschreibt vor Beginn der Abstimmungen die Ausgangslage für Willingmann und die angekündigte Haltung des BSW. Anders als die Meldung über das Wahlergebnis konzentriert sich der Beitrag auf die erwarteten Mehrheiten, die Rolle des BSW und die Bedeutung des Präsidiums. Die spätere Wahlentscheidung macht die zuvor offene Frage nach Willingmanns Mehrheit konkret.

Medienübergreifend steht die Verschiebung der Kräfte im Landtagspräsidium im Mittelpunkt. Während die tagesschau die Wahl eines weiteren AfD-Vertreters bestätigt, beleuchtet die taz vor allem die politischen Voraussetzungen und die Rolle des BSW; offen bleibt im Pressespiegel, wie sich die übrigen Vizepräsidentenwahlen entwickeln.

Disclaimer...

de | politik | 70244631 |