ROUNDUP, Schienennetz

Sanierungen könnten lÀnger dauern

Veröffentlicht am: 18.06.2025 um 14:42 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

(Stellungnahme der GrĂŒnen-Abgordneten Paula Piechotta ergĂ€nzt)BERLIN - Die Belastungen fĂŒr FahrgĂ€ste infolge der Sanierungen von mehr als 40 hochbelasteten Bahnstrecken könnten sich lĂ€nger hinziehen als bisher vorgesehen.

(Stellungnahme der GrĂŒnen-Abgordneten Paula Piechotta ergĂ€nzt)

BERLIN (dpa-AFX) - Die Belastungen fĂŒr FahrgĂ€ste infolge der Sanierungen von mehr als 40 hochbelasteten Bahnstrecken könnten sich lĂ€nger hinziehen als bisher vorgesehen. Nach aktuellen PlĂ€nen der Deutschen Bahn wĂŒrde der letzte Korridor erst Mitte der 30er Jahre fertig werden statt wie bisher im Jahr 2031. Die Zahl der jĂ€hrlichen Korridorsanierungen will sie dafĂŒr reduzieren. Das geht aus einem Schreiben der fĂŒr die Infrastruktur zustĂ€ndigen Tochter DB InfraGo an andere Verkehrsunternehmen hervor, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

Auf Basis von RĂŒckmeldungen aus der Bau- und Bahnbranche habe die InfraGo einen Vorschlag zur Anpassung des bisherigen Zeitplans fĂŒr die sogenannten Generalsanierungen erarbeitet, teilte die Bahn auf Anfrage mit. Dieser beinhalte "auch eine zeitliche Streckung der Projekte". Über diesen Vorschlag werde nun mit der Bahnbranche, den VerbĂ€nden und LĂ€ndern beraten. Danach sollen weitere GesprĂ€che mit dem Bund gefĂŒhrt werden, dem die finale Entscheidung obliege.

Maximal fĂŒnf Sanierungen pro Jahr

In dem Schreiben heißt es: "In Absprache mit der neuen Bundesregierung planen wir daher die Anzahl der Generalsanierungen auf 4-5 pro Jahr anzupassen." Das bedeute, dass die insgesamt 42 geplanten Projekte erst Mitte der 2030er Jahre abgeschlossen sein werden. Es sei wichtig, dass bei den sogenannten Generalsanierungen ein Gleichgewicht zwischen KapazitĂ€tsbeschrĂ€nkung, LeistungsfĂ€higkeit der Bauindustrie und dringenden Investitionsbedarfen ins FlĂ€chennetz gewahrt werde.

Ein Sprecher des Bundesverkehrsministeriums sagte: "Wie im Koalitionsvertrag vereinbart, schauen wir uns das Korridorsanierungskonzept genau an und schÀrfen wo nötig nach." Das Ministerium werde sich zu dem Vorschlag der Bahn positionieren, sobald dieser zwischen der InfraGo und der Branche abgestimmt sei.

Projekt der alten Bundesregierung

Die Generalsanierungen sind ein Projekt der alten Bundesregierung und insbesondere vom damaligen Verkehrsminister Volker Wissing (parteilos). Mit der umfassenden Modernisierung der vielbefahrenen Strecken soll ein wichtiger Teil des maroden und ĂŒberlasteten Schienennetzes nach und nach wieder fit gemacht werden. Die Bahn hofft im Anschluss an die Arbeiten auf eine jahrelange Baufreiheit auf den Abschnitten. Das soll dazu beitragen, dass sich die haarstrĂ€ubende PĂŒnktlichkeit der Bahn sukzessive verbessert und die ZuverlĂ€ssigkeit auf der Schiene wieder zunimmt.

Im vergangenen Jahr wurde die Riedbahn zwischen Frankfurt und Mannheim auf diese Weise vollumfĂ€nglich saniert. In diesem Jahr ist die Strecke zwischen Hamburg und Berlin dran. Doch was langfristig eine Verbesserung fĂŒr die FahrgĂ€ste bringen soll, bedeutet zunĂ€chst erhebliche Belastungen fĂŒr Reisende und Eisenbahn-Unternehmen. Die Strecken werden fĂŒr die Bauzeit jeweils ĂŒber Monate voll gesperrt. Fern- und GĂŒterverkehr werden mit deutlich lĂ€ngeren Fahrzeiten umgeleitet. Im Regionalverkehr fahren Ersatzbusse, die ebenfalls erheblich lĂ€nger brauchen.

Kritik am Zeitplan

Auf Kritik stieß immer wieder der Zeitplan. Zu ambitioniert sei dieser, bemĂ€ngelten etwa die Wettbewerber im GĂŒterverkehr. "Die ursprĂŒngliche Zielmarke 2030 war politisch motiviert, nicht fachlich- und ist an den RealitĂ€ten des Systems vorbeigeplant worden", sagtetwa Neele Wesseln, GeschĂ€ftsfĂŒhrerin des Verbands Die GĂŒterbahnen. Bis zu neun Korridore gleichzeitig pro Jahr sollten nach den bisherigen Planungen bis Anfang der 30er Jahre modernisiert werden. Nicht alle davon sind so komplex und lang wie die Riedbahn oder Hamburg-Berlin. Doch fĂŒr den GĂŒterverkehr bedeuten die zahlreichen parallelen Projekte eine große Belastung.

Entsprechend positiv bewerten die Wettbewerber nun die AnkĂŒndigung der Bahn: "Die Verschiebung ist keine Niederlage, sondern eine notwendige Korrektur." Schon frĂŒh habe die Branche gewarnt, die Sanierungen einfach durchzuziehen, ohne Umleiterstrecken vorzubereiten und Layoutstandards umzusetzen.

Insbesondere die Union hat die bestehenden Zweifel am bisherigen Generalsanierungskonzept schon vor lĂ€ngerer Zeit aufgegriffen. Im Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung ist vereinbart, das Konzept zu ĂŒberprĂŒfen und möglicherweise anzupassen.

Schnieder: halten am Grundkonzept fest

"Wir halten am Grundkonzept fest, denn gerade auf ĂŒberlasteten Strecken besteht einfach Handlungsbedarf", sagte der neue Bundesverkehrsminister, Patrick Schnieder (CDU), dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). "Aber wir schauen genau hin, welche Auswirkungen es hat." Die Bahnkunden dĂŒrften nicht ĂŒberfordert werden. "Auch stelle ich mir die Frage, ob bis zu neun Streckensanierungen in einem Jahr realistisch und sinnvoll sind. Wir dĂŒrfen die Bahnkunden auch nicht ĂŒberfordern", betonte Schnieder.

FahrgĂ€ste dĂŒrften gleichwohl ein Interesse daran haben, dass die Bahn bei der Sanierung des Netzes schnell vorankommt. Ein Großteil der hohen VerspĂ€tungsquote liegt an dem umfangreichen Baugeschehen auf dem maroden Netz. Mit jeder sanierten Strecke hofft die Bahn auf eine sukzessive Verbesserung. Schon bis 2027 will die Bahn im Fernverkehr wieder eine PĂŒnktlichkeit von 75 bis 80 Prozent erreichen. Der Fahrgastverband Pro Bahn hat daran indes seine Zweifel: "Auch das ist ein ambitioniertes Ziel, bei dem ich den Realismus dahinter durchaus anzweifle", sagte der Bundesvorsitzende, Detlef Neuß.

Aus der Opposition im Bundestag kam Kritik an den PlĂ€nen. "Der Bundestag gibt ein Sondervermögen Infrastruktur frei, damit in Deutschland schneller saniert werden kann und Merz und Klingbeil haben nicht dreisteres zu tun, als mit mehr Geld weniger zu sanieren? Wollen sie ganz Deutschland fĂŒr dumm verkaufen?", teilte die GrĂŒnen-Abgeordnete Paula Piechotta mit.

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