Deutschland, Konjunktur

CDU-GeneralsekretĂ€r will eine Agenda 2030 fĂŒr Deutschland

18.08.2023 - 05:00:05

Schlechte Konjunktur, hohe Inflation: CDU-GeneralssekretĂ€r Linnemann fĂŒhlt sich an die spĂ€ten 90er Jahre erinnert. Seine Antwort auf die Probleme von heute erinnert an die Lösung von damals.

CDU-GeneralsekretÀr Carsten Linnemann hat ein umfassendes Programm angemahnt, um Deutschland und seine schwÀchelnde Wirtschaft wieder international wettbewerbsfÀhig zu machen. «Es bringt jetzt nichts, hier und da mal Abschreibungsregeln zu verbessern. Unser Land braucht jetzt ein Gesamtkonzept, eine Agenda 2030», sagte Linnemann der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Es gehe darum, dass Leistung sich wieder lohne, dass Fördern und Fordern wieder stattfÀnden, dass der Staat, insbesondere die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, funktionierten.

«Wir sind nicht nur der kranke Mann Europas, sondern laut Internationalem WĂ€hrungsfonds der kranke Mann der Welt», sagte Linnemann. Der IWF habe prognostiziert, dass die Bundesrepublik unter den großen Industriestaaten weltweit das einzige Land sei, dessen Wirtschaft in diesem Jahr schrumpfen werde. «Alle anderen LĂ€nder wachsen.» Die Union habe bereits ein Sofortprogramm in Gestalt eines FĂŒnf-Punkte-Planes vorgelegt. «Das reicht aber noch nicht aus. Es braucht ein Gesamtkonzept und das werden wir in den nĂ€chsten Wochen vorlegen.»

Maßnahmen zur StĂ€rkung des Wirtschaftsstandorts

«Wir brauchen jetzt erstens LiquiditĂ€t. Das Wachstumschancengesetz, das der Finanzminister auf den Weg bringen will, ist in der Sache in großen Teilen richtig», sagte Linnemann. Auch mĂŒssten die Energiepreise so schnell wie möglich gesenkt werden. Um das FachkrĂ€fteproblem anzugehen, sollten Hunderttausende Menschen, die demnĂ€chst in Rente gingen, anschließend steuerfrei hinzuverdienen können - beispielsweise 2000 Euro monatlich. Linnemann schlug auch vor, ein Experiment zu wagen und den Landkreisen in Deutschland fĂŒr zwei Jahre zu erlauben, BĂŒrokratie und Überregulierung abzubauen.

«Wir brauchen hier in Deutschland dringend einen MentalitÀtswandel», erlÀuterte Linnemann. «Es geht uns heute leider wieder so wie in den spÀten neunziger Jahren, als Roman Herzog dann die 'Ruck-Rede' hier unweit des Adenauer-Hauses gehalten hat. Diesen Ruck, diesen Ruck 2.0, den braucht Deutschland jetzt.»

Erinnerung an die Krise Ende der neunziger Jahre

Der CDU-Politiker knĂŒpfte damit an die im MĂ€rz 2003 vom damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) angekĂŒndigte Agenda 2010 an, mit der die rot-grĂŒne Bundesregierung dann den Arbeitsmarkt und das Sozialsystem in Deutschland reformierte. Schon im April 1997 hatte der damalige BundesprĂ€sident Roman Herzog in einer Rede den Verlust wirtschaftlicher Dynamik, die Erstarrung der Gesellschaft sowie eine «unglaubliche mentale Depression» hierzulande beklagt und gefordert: «Durch Deutschland muss ein Ruck gehen.»

Linnemann warf der Bundesregierung und Kanzler Olaf Scholz (SPD) vor, keinen Plan fĂŒr die BewĂ€ltigung der aktuellen Probleme zu haben. «Ich erwarte von ihm ja keine große Vision mehr, aber zumindest mal eine Idee, wie Deutschland in den nĂ€chsten drei bis fĂŒnf Jahren besser aufgestellt werden kann.»

Warnung vor leisem Sterben des Mittelstandes

Linnemann wies darauf hin, dass die deutschen Direktinvestitionen im Ausland im vergangenen Jahr rund 135 Milliarden Euro betragen hĂ€tten - die auslĂ€ndische Investitionen in Deutschland aber nur etwa 10 Milliarden Euro. «Das ist ein MissverhĂ€ltnis, das dramatisch ist.» Deutsche Unternehmen investierten im Ausland, um Kosten zu sparen, und nicht primĂ€r, um MĂ€rkte zu erobern. «Das heißt: Diese Firmen sind irgendwann ganz weg.»

Es bestehe die Gefahr, dass der Mittelstand, RĂŒckgrat der Wirtschaft und Garant fĂŒr den Wohlstand in Deutschland, «leise kaputt geht», warnte Linnemann. «Das dĂŒrfen wir nicht zulassen. Deshalb braucht es jetzt Rahmenbedingungen, die dem Mittelstand Planungssicherheit geben, damit die Betriebe mal Luft zum Atmen bekommen.»

Heben des inlĂ€ndischen Potenzials fĂŒr den Arbeitsmarkt

Diese Bundesregierung unterschĂ€tze das inlĂ€ndische Potenzial fĂŒr den Arbeitsmarkt und das Thema Zuwanderung, sagte Linnemann. «Wir mĂŒssen viel mehr das inlĂ€ndische Potenzial fördern und auch fordern. Es muss uns Sorgen machen, dass 600.000 Menschen zwischen 18 und 24 weder eine Berufsausbildung haben noch arbeiten gehen.»

Auch beim BĂŒrgergeld mĂŒssten stĂ€rker jene Menschen gefördert werden, die - aus welchen GrĂŒnden auch immer - nicht mehr arbeiten könnten. «Aber wer soziale Leistungen erhĂ€lt und arbeiten kann, der sollte auch einer Arbeit nachgehen mĂŒssen.» Dies erwarteten die Menschen, die mit ihrer Arbeit und ihren Steuern den Sozialstaat finanzierten.

@ dpa.de