Friedrich Merz, CDU und AfD

Schlechte Umfragen, innerer Streit: Kanzler Merz vor schwierigen Wahlen unter massivem Druck

Veröffentlicht am: 13.09.2026 um 17:44 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Schlechte Umfragewerte, offene Kritik aus der eigenen Partei und bevorstehende Wahlen setzen Kanzler Friedrich Merz und die CDU massiv unter Druck. Zugleich wĂ€chst das Risiko weiterer Zugewinne fĂŒr die AfD auf Kosten der traditionellen Parteien.

  • Kanzler Friedrich Merz (CDU) und seine Partei sind in einer heiklen Lage. (Archivbild) - Bild: Michael Kappeler/dpa
    Kanzler Friedrich Merz (CDU) und seine Partei sind in einer heiklen Lage. (Archivbild) - Bild: Michael Kappeler/dpa
  • Merz' Dauerkonkurrent Markus Söder verteidigt den Kanzler nur halbherzig. (Archivbild) - Bild: Annette Riedl/dpa
    Merz' Dauerkonkurrent Markus Söder verteidigt den Kanzler nur halbherzig. (Archivbild) - Bild: Annette Riedl/dpa
  • Die CDU muss fĂŒrchten, im Duell von SPD-MinisterprĂ€sidentin Manuela Schwesig mit der AfD auf der Strecke zu bleiben. - Bild: Markus Scholz/dpa
    Die CDU muss fĂŒrchten, im Duell von SPD-MinisterprĂ€sidentin Manuela Schwesig mit der AfD auf der Strecke zu bleiben. - Bild: Markus Scholz/dpa
Kanzler Friedrich Merz (CDU) und seine Partei sind in einer heiklen Lage. (Archivbild) - Bild: Michael Kappeler/dpa Merz' Dauerkonkurrent Markus Söder verteidigt den Kanzler nur halbherzig. (Archivbild) - Bild: Annette Riedl/dpa Die CDU muss fĂŒrchten, im Duell von SPD-MinisterprĂ€sidentin Manuela Schwesig mit der AfD auf der Strecke zu bleiben. - Bild: Markus Scholz/dpa

Schlechte Umfragewerte, parteiinterne Kritik und eine starke AfD setzen Kanzler Friedrich Merz und die schwarz-rote Koalition vor einer Serie wichtiger Wahlen erheblich unter Druck.

Insa-Umfragen stellen Kanzler und Koalition schlecht dar

Nach einer Online-Umfrage des Instituts Insa im Auftrag von „Bild“ halten nur noch 14 Prozent der Befragten Friedrich Merz fĂŒr den richtigen Regierungschef, 78 Prozent sehen ihn nicht in dieser Rolle. Selbst unter UnionsanhĂ€ngern ĂŒberwiegt demnach die Ablehnung des Kanzlers. Eine weitere Insa-Erhebung fĂŒr „Bild“ sieht die AfD bei 29 Prozent, einen Punkt höher als in der Vorwoche. Die Union kommt auf 20 Prozent und liegt damit neun Punkte zurĂŒck, die SPD erreicht 13 Prozent.

Debatte um mögliche Minderheitsregierung

Ein Sprecher der Bundesregierung bezeichnete Spekulationen ĂŒber eine mögliche Minderheitsregierung der Union unter Merz als „völlig aus der Luft gegriffen“. Zuvor hatte ein Bericht der „Zeit“ unter Berufung auf Quellen aus dem Umfeld des Kanzlers dargestellt, eine Minderheitsregierung werde zumindest als Szenario erwogen. Die Regierung stellt dies klar in Abrede.

Reaktion auf Niederlage in Sachsen-Anhalt

Nach der deutlichen Wahlniederlage in Sachsen-Anhalt, wo die AfD mehr als doppelt so viele Stimmen wie die CDU erzielte, rĂ€umte Merz Fehler ein und kĂŒndigte an, die Politik der Bundesregierung kĂŒnftig besser erklĂ€ren zu wollen. Man mĂŒsse die Menschen stĂ€rker erreichen, auch mit Blick auf ihre EmotionalitĂ€t. In einer Bundestagsrede am Mittwoch konzentrierte sich Merz jedoch vor allem auf Angriffe gegen die AfD. Mit Blick auf den von dieser verwendeten Begriff „Remigration“ warf er der Partei vor, „ethnische SĂ€uberung“ nach Herkunft und Hautfarbe zu betreiben.

Söder stĂŒtzt Merz, aber ohne großen Enthusiasmus

Eine Woche vor den Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin stellen fĂŒhrende Köpfe von CDU und CSU Merz öffentlich nicht zur Disposition. AuffĂ€llig zurĂŒckhaltend fĂ€llt jedoch die UnterstĂŒtzung durch CSU-Chef Markus Söder aus. In einem Interview antwortete er auf die Frage, ob Merz noch der richtige Mann sei, knapp: „Ja, er steht zu den Reformen.“ Als mögliche Alternativen bezeichnete Söder Politiker, die vor denselben Problemen stĂŒnden, und betonte, die CSU werde den Kanzler nicht stĂŒrzen. FĂŒr die CDU sei er nicht zustĂ€ndig.

Unmut und Reformforderungen aus Sachsen

In der sĂ€chsischen CDU wĂ€chst der Unmut. Der Bundestagsabgeordnete Florian Oest verlangte im „Handelsblatt“ eine „Agenda 2030“, bei der gelten solle: „Sozial ist, was Wirtschaft stĂ€rkt.“ Ob Merz die Kraft fĂŒr einen solchen Aufbruch habe, mĂŒsse der Kanzler selbst entscheiden, erklĂ€rte Oest. Ein CDU-Kanzler mĂŒsse dem Land Orientierung geben und Probleme konkret lösen. Nach den schlechten Ergebnissen in Sachsen-Anhalt hatten sĂ€chsische CDU-Kreisvorsitzende, darunter Oest, in einem Schreiben an Merz rasche Beratungen ĂŒber einen Neustart der Partei gefordert.

KoalitionslÀrm durch Attacke auf die SPD

In Teilen der CDU liegen die Nerven sichtbar blank. Christian von Stetten, Vorsitzender des Parlamentskreises Mittelstand in der Unionsfraktion, griff die SPD-Spitze scharf an. Bundesarbeitsministerin BĂ€rbel Bas bezeichnete er als „nicht mehr tragbar“ und warf ihr vor, seit Monaten nötige Reformen zu blockieren. Der SPD-Co-Vorsitzenden hielt er Verzögerungen bei sozialpolitischen GesetzesvorschlĂ€gen vor und erklĂ€rte, zukunftsfĂ€hige Reformen passten nicht zur Ideologie der SPD-Parteipolitik.

SPD kontert und warnt vor zweiter Mehrheit mit AfD

Auch SPD-Co-Chef Lars Klingbeil geriet in der Kritik von Stettens ins Visier. Den von ihm vorgelegten Haushalt fĂŒr das kommende Jahr nannte der CDU-Abgeordnete „nicht zustimmungsfĂ€hig“; Klingbeil habe notwendige Sparmaßnahmen unterlassen, neue Steuern vorgeschlagen und fĂŒr eine Rekordverschuldung gesorgt. Klingbeil wies die Angriffe zurĂŒck und mahnte in Celle, in schwierigen Zeiten sei Zusammenhalt in der Regierung nötig. Teilen der Union warf er vor, am Ast der Koalition zu sĂ€gen, und verwies auf eine parlamentarische „zweite Mehrheit“ aus Union und AfD, die er ablehne.

Kritik auch aus der eigenen Fraktion

Die Attacke von Stettens stieß selbst in der Unionsfraktion auf Widerstand. Der Parlamentarische GeschĂ€ftsfĂŒhrer Hendrik Hoppenstedt erklĂ€rte, öffentlich ausgetragener Koalitionsstreit nĂŒtze niemandem außer der eigenen Profilierung und den Populisten im Land. Das stĂ€ndige öffentliche Anprangern von Personen und Vorhaben mĂŒsse enden.

Anstehende Wahlen erhöhen den Druck

WĂ€hrend Merz auf einer Arktis-Reise unterwegs ist, stehen entscheidende UrnengĂ€nge bevor. In Niedersachsen finden an diesem Sonntag Kommunalwahlen statt. In Berlin hofft die CDU auf die Abgeordnetenhauswahl, bei der sie die Linke ĂŒberholen und den Regierenden BĂŒrgermeister stellen könnte.

Mecklenburg-Vorpommern als Problemfall fĂŒr die CDU

Besonders kritisch ist die Lage in Mecklenburg-Vorpommern. Dort droht der CDU nach Umfragen ihr bislang schlechtestes Landtagswahlergebnis; zuletzt fiel sie auf 7 Prozent zurĂŒck. Die AfD liegt vorn, die SPD von MinisterprĂ€sidentin Manuela Schwesig hat in den vergangenen Wochen aufgeholt. SchwĂ€chere Parteien wie die GrĂŒnen und neuerdings auch die CDU fĂŒrchten, im Duell zwischen SPD und AfD zerrieben zu werden und womöglich am Einzug in den Landtag zu scheitern.

CDU wirft Schwesig verantwortungslosen Wahlkampf vor

CDU-GeneralsekretĂ€rin Franziska Hoppermann kritisierte Schwesig mit dem Vorwurf, sie schwĂ€che mit einem stark auf ihre Person zugeschnittenen Wahlkampf die politische Mitte. Schwesig stelle ihre parteipolitischen Interessen ĂŒber die Interessen des Landes, sagte Hoppermann. Ihr Versuch, die CDU durch einen personalisierten Wahlkampf kleinzuhalten, schwĂ€che die Mitte und helfe am Ende der AfD; das sei verantwortungslos. Bemerkenswert ist, dass die Kanzlerpartei inzwischen an die MinisterprĂ€sidentin appelliert, der CDU gewissermaßen noch Stimmen zu ĂŒberlassen.

Schwache Werte fĂŒr Merz und verschĂ€rfter Wettbewerb mit der AfD

Die aktuellen Insa-Zahlen markieren einen weiteren Tiefpunkt fĂŒr Kanzler Friedrich Merz und die schwarz-rote Koalition. WĂ€hrend die AfD in Umfragen auf knapp dreißig Prozent steigt, stagniert die Union deutlich dahinter. FĂŒr eine Regierungspartei ist eine derart schlechte persönliche Bewertung des Amtsinhabers ein strukturelles Problem: Sie erschwert jede Mobilisierung fĂŒr anstehende Wahlen und schwĂ€cht die AutoritĂ€t des Kanzlers in der eigenen Partei.

Gleichzeitig verschĂ€rft sich der parteiinterne Druck. Kritische Stimmen aus Sachsen fordern programmatische Neuaufstellung, wĂ€hrend der CSU-Vorsitzende Markus Söder Merz nur verhalten stĂŒtzt. Der Konflikt mit der SPD-FĂŒhrung ĂŒber Sozialreformen und Haushaltspolitik zeigt, wie angespannt die Lage innerhalb der Koalition ist. Solche öffentlichen Auseinandersetzungen erhöhen das Risiko, dass unzufriedene WĂ€hlerinnen und WĂ€hler sich der AfD zuwenden, die sich als Alternative zum etablierten Parteiensystem prĂ€sentiert.

Wahlserie als Stresstest fĂŒr die Kanzlerpartei

Die bevorstehenden Abstimmungen in Niedersachsen, Berlin und vor allem Mecklenburg-Vorpommern werden zum Test, ob die CDU unter Merz verlorenes Vertrauen zurĂŒckgewinnen kann. In Mecklenburg-Vorpommern droht der Partei ein historisch schlechtes Ergebnis, wĂ€hrend SPD und AfD um die Spitzenposition konkurrieren. In solchen Konstellationen geraten kleinere und schwĂ€chere KrĂ€fte leicht zwischen die Fronten, was den Druck auf die Kanzlerpartei weiter erhöht.

FĂŒr Leserinnen und Leser bedeutet dies eine politisch volatile Phase: Die StabilitĂ€t der Bundesregierung hĂ€ngt nicht nur von Mehrheiten im Bundestag ab, sondern zunehmend von der Frage, ob Merz seine Partei bei den kommenden Wahlen zusammenhalten und profilieren kann. Misslingt dies, könnten innerparteiliche Debatten ĂŒber Kurs und Person zunehmen – mit Auswirkungen auf die HandlungsfĂ€higkeit der Regierung insgesamt.

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