BKA, Politisch

BKA: Politisch motivierte KriminalitÀt steigt um 40 Prozent

20.05.2025 - 12:45:37

Schon die erste KriminalitĂ€tsstatistik, die Dobrindt vorstellt, zeigt, dass er ein schwieriges Amt ĂŒbernommen hat. Bei Straftaten mit politischem Hintergrund gibt es eine alarmierende Entwicklung.

  • Demonstrationen von Rechtsextremisten waren zuletzt hĂ€ufiger von Gegendemonstrationen begleitet. (Archivfoto) - Foto: -/dpa

    -/dpa

  • Das Jahr 2024 war geprĂ€gt von einer weiteren Eskalation des Krieges in Nahost mit massiven israelischen MilitĂ€roperationen im Gazastreifen und einer regionalen Ausweitung des Konflikts. (Archivfoto)    - Foto: Mahmoud Zaki/Xinhua/dpa

    Mahmoud Zaki/Xinhua/dpa

  • BKA-PrĂ€sident Holger MĂŒnch sagt, die Polizei alleine könne den Anstieg politisch motivierter Gewalt nicht bremsen und verweist auf die starke Polarisierung in der Gesellschaft. - Foto: Michael Kappeler/dpa

    Michael Kappeler/dpa

Demonstrationen von Rechtsextremisten waren zuletzt hĂ€ufiger von Gegendemonstrationen begleitet. (Archivfoto) - Foto: -/dpaDas Jahr 2024 war geprĂ€gt von einer weiteren Eskalation des Krieges in Nahost mit massiven israelischen MilitĂ€roperationen im Gazastreifen und einer regionalen Ausweitung des Konflikts. (Archivfoto)    - Foto: Mahmoud Zaki/Xinhua/dpaBKA-PrĂ€sident Holger MĂŒnch sagt, die Polizei alleine könne den Anstieg politisch motivierter Gewalt nicht bremsen und verweist auf die starke Polarisierung in der Gesellschaft. - Foto: Michael Kappeler/dpa

Die Zahl der politisch motivierten Straftaten ist im vergangenen Jahr so stark angestiegen wie nie zuvor seit EinfĂŒhrung der bundesweiten Statistik 2001. Wie der PrĂ€sident des Bundeskriminalamts (BKA), Holger MĂŒnch, bei der Veröffentlichung der Fallzahlen fĂŒr 2024 berichtete, wurden in Deutschland im vergangenen Jahr mehr als 84.000 politisch motivierte Straftaten verĂŒbt - ein negativer Rekord. Rund jede zweite dieser Taten ordnete die Polizei zuletzt dem rechten Spektrum zu. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) sagte, notwendig zur EindĂ€mmung politisch motivierter KriminalitĂ€t sei eine gemeinsame «Sicherheitsoffensive von Bund und LĂ€ndern».

Im Vergleich zu 2023 stieg die Zahl der polizeibekannten Delikte mit politischem Motiv um rund 40 Prozent. Das Bundeskriminalamt sieht unter anderem Wahlen und den Nahost-Konflikt als Ursachen fĂŒr die Zunahme politisch motivierter Straftaten. 

Neben der Europawahl im Juni gab es 2024 Landtagswahlen in Sachsen, ThĂŒringen und Brandenburg sowie die Teilwiederholung der Bundestagswahl in Berlin. Zudem warf die vorgezogene Bundestagswahl ihre Schatten voraus. 

Rechts motivierte Straftaten 

Am stĂ€rksten war der Anstieg 2024 bei den Straftaten, die mutmaßlich rechts motiviert waren. Ihre Zahl stieg im Vergleich zum Vorjahr laut Polizeistatistik von 28.945 Straftaten auf 42.788 Delikte. «Die grĂ¶ĂŸte Gefahr fĂŒr die Demokratie geht vom Rechtsextremismus aus», sagte der Bundesinnenminister auf Nachfrage und wiederholte damit eine EinschĂ€tzung seiner VorgĂ€ngerin Nancy Faeser (SPD). 

Der beste Weg, um die Parteien an den politischen RĂ€ndern zu schwĂ€chen, sei die Lösung der Probleme, die BĂŒrgerinnen und BĂŒrger bewegten, antwortete er auf eine Frage nach einem möglichen Verbotsverfahren gegen die AfD. Die Debatte ĂŒber ein solches Verbot sei «kontraproduktiv». 

Auch unter den 4.107 Gewalttaten mit politischem Motiv im vergangenen Jahr ist der Anteil jener, die laut Polizei einen rechten Hintergrund haben, mit rund 36 Prozent besonders hoch. 975 Gewalttaten - knapp 24 Prozent - entfielen auf den Bereich «auslÀndische Ideologie». 762 Gewalttaten - knapp 19 Prozent - rechnete die Polizei dem linken Spektrum zu.

Zunahme auch bei «HasskriminalitÀt»

Wenn die UmstÀnde der Tat oder die Einstellung des TÀters Anhaltspunkte liefern, dass er aufgrund von Vorurteilen - etwa bezogen auf ethnische Herkunft, Religionszugehörigkeit oder Geschlecht - gehandelt hat, spricht die Polizei von sogenannter HasskriminalitÀt. In 19.481 FÀllen sahen die Polizeibeamten «Fremdenfeindlichkeit» als Motiv.

Straftaten im Kontext des Krieges in Nahost

In 6.236 FĂ€llen wurde in der Eingangsstatistik der Polizei ein mutmaßlich antisemitisches Motiv aktenkundig. Von den insgesamt 7.328 politisch motivierten Straftaten, die die Polizei den Unterthemenfeldern «Israel» und «PalĂ€stina» zugeordnet hat, sah sie in 2.832 FĂ€llen eine antisemitische Tatmotivation. Ein großer Teil der 793 politisch motivierten Gewaltstraftaten, die im Kontext des Nahost-Konflikts polizeibekannt wurden, stand in Zusammenhang mit Demonstrationen und Protestaktionen. Das lĂ€sst sich an der Art der Delikte erkennen - darunter 111 FĂ€lle von Landfriedensbruch und 385 Widerstandsdelikte. 

Antisemitische Delikte

«Der steigende Antisemitismus macht uns grĂ¶ĂŸte Sorgen», sagte Dobrindt. Seine Antwort darauf sei: «Mehr Kompetenzen fĂŒr die Polizei und mehr Konsequenzen fĂŒr die StraftĂ€ter». Er sprach sich unter anderem fĂŒr mehr VideoĂŒberwachung an KriminalitĂ€tsschwerpunkten, StrafverschĂ€rfungen und erleichterte Ausweisungen bei einer Verurteilung wegen einer antisemitischen Straftat aus. 

Von den 6.236 antisemitischen Straftaten im vergangenen Jahr gingen laut Statistik 3.016 Taten auf das Konto mutmaßlich rechter TĂ€ter. Dass die Zahl der rechts motivierten antisemitischen Delikte gegenĂŒber dem Vorjahr praktisch unverĂ€ndert blieb, hat damit zu tun, dass seit Anfang 2024 antisemitische Taten mit unklarem Motiv nicht mehr automatisch dem rechten Spektrum zugeschlagen werden, sondern unter «sonstige Zuordnung» gezĂ€hlt werden.

Links motivierte Straftaten

Die Zahl der links motivierten Straftaten nahm im vergangenen Jahr um rund 28 Prozent auf 9.971 Delikte zu. Die Gewalttaten mit linkem Hintergrund nahm dagegen ab, um knapp 17 Prozent auf 762 Taten. MĂŒnch sieht hier auch ein Ergebnis von Ermittlungs- und Fahndungserfolgen in den vergangenen Jahren.

Entsetzen und Ruf nach Konsequenzen

Der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Jochen Kopelke, sagte: «Wir mĂŒssen Extremismus in Deutschland besser bekĂ€mpfen. Die Polizei allein schafft das nicht.» Erforderlich seien insbesondere Maßnahmen, um den Anstieg der politisch motivierten Gewalt zu stoppen und die «Radikalisierung ĂŒber das Smartphone».

Verantwortlich fĂŒr den Anstieg rechter Gewalt sei einerseits die AfD, die Hass gegen Migranten, Juden und Andersdenkende schĂŒre, sagte der Vorsitzende der Partei Die Linke, Jan van Aken. Andererseits leisteten hier auch die Parteien der Mitte einen Beitrag, weil diese «aus Angst vor der AfD Teile ihrer Positionen ĂŒbernehmen».

Der Deutsche Richterbund (DRB) warnte davor, bei der BekĂ€mpfung von Gewalt, Hetze und HasskriminalitĂ€t allein auf GesetzesĂ€nderungen zu setzen. «SchĂ€rfere Strafgesetze allein werden wenig bewirken, solange eklatanten PersonallĂŒcken eine effektive Strafverfolgung ausbremsen», sagte DRB-BundesgeschĂ€ftsfĂŒhrer, Sven Rebehn. Die Ermittlungsbehörden schöben aktuell fast eine Million unerledigte FĂ€lle vor sich her, bundesweit fehlten mehr als 2.000 StaatsanwĂ€lte und Strafrichter.

@ dpa.de