Deutschland, Polen

Deutschland und Polen: Freundschaft mit Fallstricken

01.12.2025 - 04:30:07

Schutz vor russischer Bedrohung, UnterstĂŒtzung der Ukraine - das werden wichtige Themen der deutsch-polnischen Regierungskonsultationen sein. Es dĂŒrfte aber auch um VergangenheitsbewĂ€ltigung gehen.

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und MinisterprĂ€sident Donald Tusk leiten heute die 17. deutsch-polnischen Regierungskonsultationen, die zur weiteren Vertiefung der Partnerschaft beider LĂ€nder fĂŒhren sollen. Zu den Hauptthemen werden die Sicherheits- und Verteidigungspolitik, die wirtschaftliche Zusammenarbeit und die UnterstĂŒtzung der von Russland angegriffenen Ukraine gehören. Es gibt aber auch einige Fallstricke fĂŒr die GesprĂ€che im Berliner Kanzleramt - sie sind vor allem in der deutsch-polnischen Kriegsvergangenheit zu finden.

Was sind Regierungskonsultationen?

Regierungskonsultationen sind gemeinsame Kabinettssitzungen, an denen auf beiden Seiten zwar nicht alle, aber immer mehrere Ministerinnen und Minister teilnehmen. Sie werden von der Bundesregierung unterschiedlich hĂ€ufig mit besonders engen Partnern (zum Beispiel Frankreich, Polen und Italien) oder besonders bedeutenden LĂ€ndern (zum Beispiel China) durchgefĂŒhrt. Mit Polen sind es schon die 17. Regierungskonsultationen seit 1991.

Wie steht es um die deutsch-polnischen Beziehungen?

Seine ersten beiden Auslandsreisen unternahm Merz im Mai am ersten Tag nach seiner Vereidigung nach Paris und Warschau um zu zeigen, dass ihm die Beziehungen zu diesen beiden NachbarlÀndern besonders am Herzen liegen. Bei den Regierungskonsultationen soll der Anspruch einer vertieften Partnerschaft nun in die Tat umgesetzt werden. Geplant ist eine AbschlusserklÀrung, die vor allem die Bereiche Sicherheit, Verteidigung und Wirtschaft abdecken soll.

Was sorgt weiterhin fĂŒr Probleme?

Der Umgang mit den dramatischen Folgen der deutschen Besatzung Polens im Zweiten Weltkrieg ist ein Dauerthema in den Beziehungen beider LĂ€nder. Weiterhin stehen polnischen Reparationsforderungen in Billionenhöhe fĂŒr die damals angerichteten SchĂ€den im Raum, die zuletzt im September von Polens PrĂ€sidenten Karol Nawrocki bei seinem Antrittsbesuch in Berlin erhoben und von Merz und BundesprĂ€sident Frank-Walter Steinmeier erneut zurĂŒckgewiesen wurden. 

Anders als der rechtskonservative PrĂ€sident Polens thematisiert die Mitte-Links-Regierung von MinisterprĂ€sident Donald Tusk die Reparationsfrage nicht mehr offensiv - sie erwartet von der Bundesregierung aber eine Geste der UnterstĂŒtzung fĂŒr die noch lebenden Opfer der deutschen Besatzung. Die war bei den letzten Regierungskonsultationen im Juli 2024 vom damaligen Kanzler Olaf Scholz (SPD) auch versprochen worden. Bisher ist aber noch nichts passiert. Und die noch lebenden Opfer - Mitte 2024 war noch von 40.000 die Rede - werden von Tag zu Tag weniger.

Wie lÀuft es in der Ukraine-Politik?

Die Bedrohung durch Russland hat Deutschland und Polen in den vergangenen Jahren enger zusammengeschweißt. Anfang Mai war Merz zusammen mit Tusk, dem französischen PrĂ€sidenten Emmanuel Macron und dem britischen Premierminister Keir Starmer in Kiew, um die SolidaritĂ€t mit der Ukraine zu demonstrieren. Den aktuellen Verhandlungsprozess ĂŒber einen Friedensplan fĂŒhren nun aber Deutschland, Frankreich und Großbritannien ohne Polen, das lediglich konsultiert wird - obwohl Polen als Nachbarland der Ukraine und Russlands besonders von dem Krieg betroffen ist. 

In Polen sorgt das fĂŒr EnttĂ€uschung und Entsetzen. «Derzeit sieht es so aus, als wĂ€ren wir bei den Verhandlungen ĂŒberflĂŒssig», schrieb die «Gazeta Wyborcza», eines der wichtigsten polnischen Medien, in der vergangenen Woche. «Kiew hat entschieden, dass es ohne unsere UnterstĂŒtzung zurechtkommt, die europĂ€ischen Akteure arbeiten ohne polnische Hilfe, das Weiße Haus nimmt uns ĂŒberhaupt nicht wahr. Von einem Land, das der wichtigste europĂ€ische Akteur in der Ukraine-Frage sein sollte, sind wir zu einer beratenden Stimme geworden.»

Was ist mit den Grenzkontrollen?

Die verschĂ€rften Grenzkontrollen zur EindĂ€mmung illegaler Migration hatten den Antrittsbesuch von Merz in Polen im Mai ĂŒberschattet. Tusk hatte auf offener BĂŒhne seinem Ärger darĂŒber Luft gemacht. «Wenn jemand eine Kontrolle an der polnischen Grenze einfĂŒhrt, wird Polen auch eine solche Kontrolle einfĂŒhren. Und das macht auf lange Sicht einfach keinen Sinn», sagte er damals. 

Die Grenzkontrollen auf beiden Seiten gibt es heute immer noch. Polen hat sie zuletzt bis zum 4. April 2026 verlĂ€ngert. Offenen Streit zwischen beiden Regierungen darĂŒber gibt es aber nicht mehr. Inzwischen scheint man sich mehr oder weniger daran gewöhnt zu haben.

@ dpa.de