Lauterbach wirbt fĂŒr VerstĂ€ndigung zur Krankenhausreform
10.07.2023 - 12:40:23Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach hat fĂŒr eine VerstĂ€ndigung auf GrundzĂŒge einer Krankenhausreform geworben. «Die Reform wird die kleinen Kliniken, die wir benötigen auf dem Land fĂŒr die bedarfsgerechte Versorgung, erhalten», sagte der SPD-Politiker im Deutschlandfunk.
Er wolle nur nicht, dass dort «groĂe Krebschirurgie» gemacht werde, was aus finanziellen GrĂŒnden jetzt zum Teil der Fall sei. Lauterbach Ă€uĂerte sich zuversichtlich, bei einer erneuten Bund-LĂ€nder-Runde eine Einigung auf Eckpunkte fĂŒr einen dann vorgesehenen Gesetzentwurf zu erreichen. Die Kliniken mahnten «eine geordnete Neugestaltung der Krankenhauslandschaft» an.
Lauterbach sagte mit Blick auf die Beratungen in Berlin: «Ich glaube, dass es diesmal klappt.» Man sei immer ein bisschen aufeinander zugegangen, zugleich seien die verteilten ZustÀndigkeiten des Bundes und der LÀnder miteinander geregelt worden.
Unverhandelbar sei, dass die LĂ€nder fĂŒr die Sicherstellung der Versorgung zustĂ€ndig seien - also, wo sich welche Klinik befinde und ob es in einer Stadt eine oder drei Kliniken gebe. Auf der anderen Seite sei der Bund fĂŒr eine gleichmĂ€Ăige und gute QualitĂ€t der Versorgung zustĂ€ndig, so dass etwa Krebsbehandlung dort stattfinde, wo dies besonders gut gemacht werde.
Die PlÀne
Die PlĂ€ne sehen im Kern vor, das VergĂŒtungssystem mit Pauschalen fĂŒr BehandlungsfĂ€lle zu Ă€ndern, um KrankenhĂ€user von finanziellem Druck zu immer mehr FĂ€llen zu lösen. Daher sollen sie einen groĂen Anteil der VergĂŒtung allein schon fĂŒr das Vorhalten von Leistungsangeboten bekommen.
Grundlage der Finanzierung durch die Krankenkassen sollen genauer definierte Leistungsgruppen der Kliniken sein - also etwa «Kardiologie» statt grober Bezeichnungen wie «innere Medizin». Die Leistungsgruppen sollen einheitliche QualitÀtsvorgaben etwa bei der Ausstattung, bei Personal und Behandlungserfahrungen absichern.
Der Bund pochte zudem darauf, Daten zur BehandlungsqualitĂ€t aller Kliniken zu veröffentlichen. Transparent machen will Lauterbach die Verteilung der Leistungsgruppen auf die HĂ€user und eine Einteilung in Versorgungsstufen («Level»). Ăber eine stĂ€rker steuernde Funktion der Level gab es keine Einigkeit.
Hintergrund sind auch Sorgen der LĂ€nder, dass dies fĂŒr manche Kliniken «rufschĂ€digend wirken» könne. Gemeint sind mit Leveln Einordnungen des Netzes in Stufen - von der wohnortnahen Grundversorgung ĂŒber eine zweite Stufe mit weiteren Angeboten bis zu Maximalversorgern wie UniversitĂ€tskliniken.
Mahnende Worte
Der Chef der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Gerald GaĂ, sagte der Deutschen Presse-Agentur: «Es darf in den kommenden Monaten und Jahren kein unkontrolliertes Kliniksterben geben, das zu Wartelisten und VersorgungsengpĂ€ssen fĂŒhrt.» Dort, wo Standorte wegfallen oder umgestaltet werden sollten, mĂŒsse die Politik die Bevölkerung von Anfang an mitnehmen und erlĂ€utern, wie die Versorgung in Zukunft sichergestellt werde. Nötig sei Klarheit beim Investitionsvolumen, das Bund und LĂ€nder fĂŒr den Umbau der Krankenhauslandschaft planten.
GaĂ mahnte zudem erneut einen «Inflationsausgleich» an. «Zurzeit mĂŒssen die KrankenhĂ€user jeden Monat 500 Millionen Euro neue Schulden machen, um Löhne und Rechnungen zu bezahlen.» Auch die LĂ€nder fordern eine frĂŒhe Finanzspritze des Bundes.
Lauterbach lehnte das erneut ab. Es mache keinen Sinn, Kliniken zu unterstĂŒtzen, von denen die LĂ€nder selbst wĂŒssten, dass sie demnĂ€chst nicht mehr im Krankenhausplan seien. «Es werden mit und ohne Reform Kliniken sterben, weil wir zu viele haben.» Die geplanten Pauschalen fĂŒr das Vorhalten von Leistungen seien die einzige Möglichkeit, kleine Kliniken auf dem Land am Netz zu halten. Eine Ăberversorgung gebe es eher in StĂ€dten.
Ănderung bis 2026 oder 2027
Lauterbach strebt an, ĂŒber den Sommer mit Beteiligung der LĂ€nder einen Gesetzentwurf zu erarbeiten. Ziel ist, dass die Reform zum 1. Januar 2024 in Kraft tritt. FĂŒr die Umsetzung mĂŒssten die LĂ€nder noch Gesetze Ă€ndern, so dass voraussichtlich 2026 oder 2027 Geld nach den neuen Regeln flieĂen könne, sagte Lauterbach im Deutschlandfunk.
An den Beratungen sollten auch Vertreter der Koalitionsfraktionen teilnehmen. Die FDP-Fachpolitikerin Christine Aschenberg-Dugnus sagte: «Derzeit laufen wir mit Ansage in ein unkontrolliertes Krankenhaussterben.» Daran seien nicht zuletzt die LÀnder durch eine Missachtung ihrer Investitionsverpflichtungen mitverantwortlich.
Sie appelliere an die Vernunft, «dass regionale WahlkĂ€mpfe nicht auf dem RĂŒcken der Patienten ausgetragen werden». Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) hatte gefordert, die LĂ€nder mĂŒssen weiter gestalten können, welche Versorgung regional am sinnvollsten sei. Er forderte Lauterbach auĂerdem auf, eine Blockadehaltung aufzugeben.


