Kassen-Gutachter, TodesfÀlle

Kassen-Gutachter: 75 TodesfÀlle nach Behandlungsfehlern 2023

22.08.2024 - 11:01:36

Selten, aber folgenschwer: Unachtsamkeiten oder Fehlentscheidungen im OP-Saal oder Behandlungszimmer haben oft tragische Folgen. PatientenschĂŒtzer kritisieren die Fehlerkultur in der Medizin.

Gutachter der Krankenkassen fĂŒhren im vergangenen Jahr 75 TodesfĂ€lle auf Behandlungsfehler von medizinischem Personal zurĂŒck. Das sind neun weniger als im Vorjahr, wie der Medizinische Dienst bei der Veröffentlichung seiner Jahresstatistik 2023 in Berlin mitteilte. Er fungiert als Begutachtungsdienst fĂŒr die gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherungen.

Insgesamt erlitten Patienten wegen eines Behandlungsfehlers demnach in 2679 FĂ€llen einen Schaden. Damit stellen die nachgewiesenen Behandlungsfehler nur einen Bruchteil aller Behandlungen in Deutschland dar. FĂŒr Patienten sind die Fehltritte des medizinischen Personals dennoch oft folgenschwer - in knapp 30 Prozent der FĂ€lle erleiden die Patienten einen dauerhaften Schaden. 

Bei rund 150 Fehlern handelte es sich laut dem Dienst um «Never Events», also Versehen, die laut Gutachtern niemals passieren dĂŒrften. Dazu zĂ€hlen die Verwechslung von Patienten, Körperteilen oder Medikamenten. Auch GegenstĂ€nde, die Ärzte nach Operationen unbeabsichtigt im Körper zurĂŒckgelassen hatten, registrierten die Gutachter.

«Um solche Ereignisse zu verhindern, brauchen wir eine Meldepflicht», fordert der Vorstandschef des Medizinischen Dienstes Bund, Stefan Gronemeyer. Da es diese in den KrankenhĂ€usern aktuell nicht gibt, erfasst die Statistik nur FĂ€lle, die auf die Initiative der Patienten zurĂŒckgehen. 

Auch die Deutsche Stiftung Patientenschutz kritisierte den Umgang mit Fehlern in der Medizin scharf. «Patientinnen und Patienten werden hierzulande im Stich gelassen. Denn eine Fehlerkultur in Praxen und Pflegeheimen ist nicht existent», Ă€ußerte der Vorstand der Stiftung, Eugen Brysch.

@ dpa.de