LĂ€nder, Modelle

LÀnder fordern «konkrete Modelle» zu Asylverfahren

20.06.2024 - 17:18:59

Sollen Asylverfahren in Staaten außerhalb der EuropĂ€ischen Union ausgelagert werden? Die Union dringt darauf. In den SPD-gefĂŒhrten LĂ€ndern gibt es Skepsis. Trotzdem geben sie ein StĂŒck weit nach.

  • Bundesinnenministerin Nancy Faeser setzt nach eigenen Worten auf die bereits beschlossene Reform des Gemeinsamen EuropĂ€ischen Asylsystems. - Foto: Kay Nietfeld/dpa

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  • Die MinisterprĂ€sidenten der LĂ€nder kommen heute mit Kanzler Scholz (M) zu turnusmĂ€ĂŸigen Beratungen zusammen, bei denen die Migrationspolitik im Mittelpunkt stehen wird. - Foto: Michael Kappeler/dpa

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  • Asylverfahren in Drittstaaten? «Ich lasse mich gerne ĂŒberzeugen davon, dass das versucht werden sollte», sagt Brandenburger Innenminister Michael StĂŒbgen. - Foto: Soeren Stache/dpa

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Bundesinnenministerin Nancy Faeser setzt nach eigenen Worten auf die bereits beschlossene Reform des Gemeinsamen EuropĂ€ischen Asylsystems. - Foto: Kay Nietfeld/dpaDie MinisterprĂ€sidenten der LĂ€nder kommen heute mit Kanzler Scholz (M) zu turnusmĂ€ĂŸigen Beratungen zusammen, bei denen die Migrationspolitik im Mittelpunkt stehen wird. - Foto: Michael Kappeler/dpaAsylverfahren in Drittstaaten? «Ich lasse mich gerne ĂŒberzeugen davon, dass das versucht werden sollte», sagt Brandenburger Innenminister Michael StĂŒbgen. - Foto: Soeren Stache/dpa

Die LĂ€nder drĂ€ngen die Bundesregierung parteiĂŒbergreifend, konkrete Modelle zur Auslagerung von Asylverfahren in Transit- und Drittstaaten außerhalb der EuropĂ€ischen Union zu erarbeiten. Auf Initiative der Union verstĂ€ndigten sich die MinisterprĂ€sidenten vor ihrem Treffen mit Kanzler Olaf Scholz (SPD) auf einen entsprechenden Beschluss.

Die SPD-Seite zeigte sich trotzdem skeptisch, dass man mit einer solchen Regelung die irregulÀre Einwanderung deutlich bremsen kann. «Dass das eine Lösung unserer strukturellen Probleme sein wird, das glaube ich nicht», sagte Niedersachsens MinisterprÀsident Stephan Weil.

Ähnlich hatte sich zuvor Bundesinnenministerin Nancy Faeser geĂ€ußert. Das könne ein «Bausteinchen» sein, wĂŒrde aber nicht die Migrationslage in Deutschland grundlegend Ă€ndern, sagte die SPD-Politikerin. Die rot-rot-grĂŒnen Regierungen ThĂŒringens und Bremens zeigten sich in einer ProtokollerklĂ€rung unzufrieden mit dem LĂ€nder-Beschluss. Die gemeinsame europĂ€ische Asylpolitik mĂŒsse die Rechtsstaatlichkeit der Verfahren und HumanitĂ€t sicherstellen, heißt es darin. «Die Verlagerung von Asylverfahren in Transit- und Drittstaaten entspricht diesen Anforderungen nicht.» ThĂŒringens MinisterprĂ€sident Bodo Ramelow (Linke) sprach von einer «Scheinlösung».

Die Union zeigte sich dagegen zufrieden. Nordrhein-Westfalens MinisterprĂ€sident Hendrik WĂŒst (CDU) forderte von Scholz, die Einigung der LĂ€nder als Auftrag zu sehen, «mit Sorgfalt, Ernsthaftigkeit und Entschlossenheit eine Drittstaaten-Lösung anzugehen».

Abkommen zwischen Italien und Albanien als Orientierung

Die Union dringt seit langem auf eine Regelung, nach der Migranten entweder schon auf ihrem Weg nach Europa in Transitstaaten Asylverfahren durchlaufen oder nach Ankunft in Deutschland in Drittstaaten außerhalb der EU geschickt werden. Italien hat ein solches Modell mit Albanien fĂŒr BootsflĂŒchtlinge vereinbart, die im Mittelmeer aufgegriffen werden.

Das ist zwar nicht eins zu eins auf Deutschland ĂŒbertragbar, könnte aber aus Sicht der Union als ein Vorbild dienen, an dem man sich orientieren kann. Man mĂŒsste aber ein Land finden, das zur Kooperation bereit ist. Das britische Modell, nach dem Asylverfahren in Ruanda durchgefĂŒhrt werden sollen und die Bewerber bei der GewĂ€hrung von Asyl auch dort bleiben sollen, wird dagegen derzeit kein ernsthaftes Thema. 

Die Einigung sei «ein sehr wichtiger Schritt nach vorne», sagte WĂŒst. Damit zeigten die LĂ€nder, dass sie sich «ihrer Verantwortung in dieser herausfordernden Lage stellen». In dem Beschluss wird die Bundesregierung aufgefordert, «konkrete Modelle zur DurchfĂŒhrung von Asylverfahren in Transit- und Drittstaaten zu entwickeln und dabei insbesondere auch dafĂŒr erforderliche Änderungen in der EU-Regulierung sowie im nationalen Asylrecht anzugehen». Am Abend wollten die MinisterprĂ€sidenten mit Scholz und Faeser ĂŒber den Vorstoß beraten. 

Faeser sagte am Rande der Innenministerkonferenz (IMK) in Potsdam, eine wirkliche Reduzierung der Zahl der Asylsuchenden werde ĂŒber eine Drittstaaten-Regelung nicht gelingen. Es sei nicht der «Gamechanger», betonte sie. Auch der IMK-Vorsitzende, Brandenburgs Innenminister Michael StĂŒbgen (CDU), ist skeptisch. «Das ist ein mögliches Projekt, was sehr kompliziert sein wird, was auch rechtlich nicht einfach einzuordnen sein wird», sagte er. «Aber ich lasse mich gerne ĂŒberzeugen davon, dass das versucht werden sollte.» Ob sich die Bundesregierung auf den LĂ€nder-Vorstoß einlĂ€sst, war zunĂ€chst unklar. Es wurde mit einer Sitzung im Kanzleramt bis in den spĂ€ten Abend im gerechnet. 

Bezahlkarte: Nicht mehr als 50 Euro Bargeld im Monat

Bei der geplanten Bezahlkarte fĂŒr Asylbewerber einigten sich die LĂ€nder darauf, die Auszahlung von Bargeld auf 50 Euro pro Monat zu begrenzen. Der Vorsitzende der MinisterprĂ€sidentenkonferenz, Hessens Regierungschef Boris Rhein (CDU), sprach von einem wichtigen Zeichen. Die Bezahlkarte solle ab dem Sommer an den Start gehen, wenn die Ausschreibung fĂŒr den Dienstleister beendet sein wird. 

Niedersachsens MinisterprĂ€sident Stephan Weil begrĂŒĂŸte den Schritt. Das schließe die Diskussion zu dem Thema vielleicht ab, sagte der SPD-Politiker. 14 von 16 BundeslĂ€ndern hatten sich Ende Januar auf ein gemeinsames Vergabeverfahren fĂŒr die Bezahlkarte geeinigt. Bayern und Mecklenburg-Vorpommern gehen eigene Wege.

Bremen und ThĂŒringen schlugen allerdings in einer ProtokollerklĂ€rung statt monatlich 50 Euro bar einen «Bargeldkorridor von 50 bis 120 Euro» wegen unterschiedlicher regionaler Voraussetzungen vor. Rheinland-Pfalz wandte sich vor diesem Hintergrund gegen «eine starre Festlegung auf einen Barbetrag von 50,00 Euro».

Die Bezahlkarte soll unter anderem Geldzahlungen an Schleuser oder Familien in den HeimatlĂ€ndern verhindern, Kommunen bei der Verwaltung entlasten und den Anreiz fĂŒr illegale Migration senken. Nach dem Treffen der Regierungschefinnen und -chefs der LĂ€nder in der hessischen Landesvertretung in Berlin sind am Nachmittag weitere GesprĂ€che im Bundeskanzleramt mit Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) geplant.

Forderung nach Pflichtversicherung fĂŒr ElementarschĂ€den

Das zweite wichtige Thema bei dem Bund-LĂ€nder-Gipfel war die Forderung nach einer verpflichtenden Elementarschadensversicherung fĂŒr KatastrophenfĂ€lle wie Hochwasser. «Es ist Sache der Bundesregierung, des Bundestages, in dieser Hinsicht auch die richtigen Regelungen zu treffen. Darauf hinzuweisen, werden wir nicht mĂŒde werden», sagte Niedersachsens MinisterprĂ€sident Weil.

Die BundeslĂ€nder fordern seit einem Jahr die EinfĂŒhrung einer Pflichtversicherung fĂŒr Hausbesitzer, doch sowohl die deutschen Versicherer als auch Bundesjustizminister Marco Buschmann (FDP) lehnen das ab. Nur etwa die HĂ€lfte der in Deutschland stehenden privaten GebĂ€ude ist elementarversichert.

Eine solche Versicherung deckt oftmals Wetterextreme wie Starkregen oder Überschwemmung ab. Auch Bayerns MinisterprĂ€sident Markus Söder (CSU) setzte sich angesichts der jĂŒngsten Hochwasserereignisse in Bayern vehement fĂŒr eine Pflichtversicherung gegen ElementarschĂ€den fĂŒr Hausbesitzer ein. 

@ dpa.de