Deutschland, Gesundheit

Sparpaket gestoppt - Kommen höhere KrankenkassenbeitrÀge?

21.11.2025 - 16:53:18

Die BeitrĂ€ge zur Krankenversicherung sollen zum 1. Januar 2026 nicht steigen, so hat es der Kanzler in Aussicht gestellt. Doch der Bundesrat bremste ein Spargesetz der Koalition dafĂŒr aus - und nun?

  • Gesundheits-StaatssekretĂ€r Kippels appellierte vergeblich an die LĂ€nder. - Foto: Kay Nietfeld/dpa

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  • Der Bundesrat bremst das Sparpaket fĂŒr stabile KrankenkassenbeitrĂ€ge vorerst aus. (Archivbild)  - Foto: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa

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  • Legt Ministerin Warken jetzt noch schnell neue VorschlĂ€ge vor? (Archivbild) - Foto: Annette Riedl/dpa

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Gesundheits-StaatssekretĂ€r Kippels appellierte vergeblich an die LĂ€nder. - Foto: Kay Nietfeld/dpaDer Bundesrat bremst das Sparpaket fĂŒr stabile KrankenkassenbeitrĂ€ge vorerst aus. (Archivbild)  - Foto: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpaLegt Ministerin Warken jetzt noch schnell neue VorschlĂ€ge vor? (Archivbild) - Foto: Annette Riedl/dpa

Millionen Versicherte bekommen vorerst keine Klarheit, ob ihre KrankenkassenbeitrÀge Anfang 2026 stabil bleiben können oder noch weiter steigen. Der Bundesrat stoppte ein vom Bundestag beschlossenes Sparpaket von Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) und schickte das Gesetz in den Vermittlungsausschuss. Die LÀnder wollen Ausgabenbremsen bei den Kliniken verhindern. Die gesetzlichen Kassen beklagten ein «politisches Trauerspiel» und stehen vor akuten Problemen beim Festlegen ihrer ZusatzbeitrÀge.

Der Chef des Spitzenverbands, Oliver Blatt, sprach von schlechten Nachrichten fĂŒr rund 75 Millionen Versicherte und die Arbeitgeber. Ohne die vorgesehenen Einsparungen mĂŒssten die BeitrĂ€ge zum Jahreswechsel noch stĂ€rker steigen als absehbar. Das Vermittlungsverfahren zum jetzigen Zeitpunkt sei ein riesiges Problem fĂŒr alle Kassen. «Denn sie stellen in diesen Tagen ihre Haushalte fĂŒr 2026 auf und wissen nun nicht, ob es ĂŒberhaupt noch ein Sparpaket gibt.» 

LĂ€nder wollen Kliniken schĂŒtzen 

Der Widerstand der LĂ€nder richtet sich gegen Einsparungen von 1,8 Milliarden Euro bei den KrankenhĂ€usern, die den Großteil des Sparpakets von insgesamt zwei Milliarden Euro ausmachen sollen. Dazu soll der Anstieg der Klinik-VergĂŒtungen 2026 auf die tatsĂ€chlichen Kostensteigerungen begrenzt werden. Warken will so den Druck fĂŒr Anhebungen der ZusatzbeitrĂ€ge mindern. Kanzler Friedrich Merz (CDU) hatte bereits ausdrĂŒcklich in Aussicht gestellt, dass die BeitrĂ€ge zum 1. Januar 2026 nicht steigen. Ob es so kommt, ist ungewiss.  

Im Bundesrat wurde eine parteiĂŒbergreifende Ablehnung der PlĂ€ne deutlich. Baden-WĂŒrttembergs Gesundheitsminister Manfred Lucha (GrĂŒne) monierte, dass Einsparungen einseitig zulasten der Kliniken gingen. Hessens Ministerin Diana Stolz (CDU) warnte, die Absenkung 2026 werde zur neuen Basis auch fĂŒr die Folgejahre. Dies fĂŒhre zu einer dauerhaften finanziellen SchwĂ€chung. Der niedersĂ€chsische Ressortchef Andreas Philippi (SPD) kritisierte, den Kliniken werde ein kĂŒrzlich beschlossener Inflationsausgleich teils wieder genommen.

Zitterpartie bei Abstimmung 

Die sonst gleich nach der Aussprache ĂŒbliche Abstimmung wurde auf das Ende der Sitzung verschoben - mit der BegrĂŒndung, dass die Bundesregierung mit Blick auf die LĂ€nder-EinwĂ€nde noch eine ErklĂ€rung erstellen wollte, die in der laufenden Sitzung zu Protokoll gegeben werden sollte. Der Parlamentarische StaatssekretĂ€r im Bundesgesundheitsministerium, Georg Kippels (CDU), rief die LĂ€nder auf, auf den Vermittlungsausschuss zu verzichten. Vorerst gestoppt sind nun auch in dem Gesetz vorgesehene erweiterte Kompetenzen fĂŒr PflegekrĂ€fte.

Warken, die nicht an der Sitzung teilnahm, nannte den Beschluss zum Anrufen des Kompromissgremiums von Bundestag und Bundesrat ein «schlechtes Signal fĂŒr den Wirtschaftsstandort Deutschland». Dies werfe einen Schatten auf das gemeinsame Ziel, die Kranken- und Pflegeversicherung auf ein stabiles Fundament zu setzen «Immer höhere BeitrĂ€ge oder SteuerzuschĂŒsse können dafĂŒr keine Lösung sein.» Trotz der Sparmaßnahme dĂŒrften die Ausgaben fĂŒr die Kliniken 2026 um acht Milliarden Euro auf 120 Milliarden Euro steigen. 

Das weitere Vorgehen ist offen und die Zeit bis zum Jahreswechsel knapp. Wann der Vermittlungsausschuss zusammenkommt, steht noch nicht fest. Die mitregierende SPD sieht eine «Chance», eine Lösung fĂŒr die FinanzlĂŒcke auf mehrere Schultern zu verteilen. Jetzt sei Ministerin Warken gefordert, sehr zeitnah klare und tragfĂ€hige VorschlĂ€ge vorzulegen, erklĂ€rten Fraktionsvize Dagmar Schmidt und der gesundheitspolitische Sprecher, Christos Pantazis.

Kritik der Opposition

GrĂŒnen-Gesundheitsexperte Janosch Dahmen sagte der Deutschen Presse-Agentur, Warkens Beitragssicherungsversprechen sei endgĂŒltig kollabiert. Jetzt gebe es zusĂ€tzliche Unsicherheit: «Haushalte mĂŒssen doppelt geplant, VertrĂ€ge angehalten und Neuverhandlungen vorbereitet werden – weil die Ministerin ein Paket vorgelegt hat, das schon vor der Umsetzung implodiert.» 

Die Krankenkassen und die Opposition hatten schon vor der Entscheidung im Bundesrat vor absehbaren Anhebungen der ZusatzbeitrĂ€ge 2026 gewarnt, da viele Kassen Reserven auf vorgeschriebene Mindestwerte auffĂŒllen mĂŒssen.

Direkt stabile BeitrĂ€ge festlegen kann die Politik nicht. Über die ZusatzbeitrĂ€ge fĂŒr 2026 fĂŒr ihre Versicherten entscheiden die Kassen je nach ihrer Finanzlage in den nĂ€chsten Wochen selbst. Im Schnitt liegt das Niveau derzeit bei 2,9 Prozent. Der gesamte Beitrag, den sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber teilen, umfasst daneben den allgemeinen Satz von einheitlich 14,6 Prozent. Bei Anhebungen des Zusatzbeitrags haben Mitglieder ein SonderkĂŒndigungsrecht. Erst Anfang 2025 hatte es eine Welle krĂ€ftiger Erhöhungen gegeben.

@ dpa.de

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