Deutschland, KriminalitÀt

Bundesanwaltschaft klagt Ex-RAF-Terroristin Klette an

27.03.2026 - 09:57:21 | dpa.de

Sprengstoff im GefĂ€ngnis, SchĂŒsse auf die US-Botschaft und Schaden in Millionenhöhe: Was der ehemaligen RAF-Terroristin Daniela Klette vorgeworfen wird – und wie es nun weitergeht.

  • Am Landgericht Verden steht Klette bereits vor Gericht. (Archivbild) - Foto: Sina Schuldt/dpa
    Am Landgericht Verden steht Klette bereits vor Gericht. (Archivbild) - Foto: Sina Schuldt/dpa
  • Ihre AnwĂ€lte wollen Klette weiter vertreten. (Archivbild) - Foto: Focke Strangmann/dpa
    Ihre AnwÀlte wollen Klette weiter vertreten. (Archivbild) - Foto: Focke Strangmann/dpa
  • Im MĂ€rz 2024 wurde Klette dem Ermittlungsrichter am Bundesgerichtshof vorgefĂŒhrt. (Archivbild) - Foto: Uli Deck/dpa
    Im MĂ€rz 2024 wurde Klette dem Ermittlungsrichter am Bundesgerichtshof vorgefĂŒhrt. (Archivbild) - Foto: Uli Deck/dpa
  • Am Landgericht Verden steht Klette bereits vor Gericht. (Archivbild) - Foto: Sina Schuldt/dpa
    Am Landgericht Verden steht Klette bereits vor Gericht. (Archivbild) - Foto: Sina Schuldt/dpa
  • Ihre AnwĂ€lte wollen Klette weiter vertreten. (Archivbild) - Foto: Focke Strangmann/dpa
    Ihre AnwÀlte wollen Klette weiter vertreten. (Archivbild) - Foto: Focke Strangmann/dpa
  • Im MĂ€rz 2024 wurde Klette dem Ermittlungsrichter am Bundesgerichtshof vorgefĂŒhrt. (Archivbild) - Foto: Uli Deck/dpa
    Im MĂ€rz 2024 wurde Klette dem Ermittlungsrichter am Bundesgerichtshof vorgefĂŒhrt. (Archivbild) - Foto: Uli Deck/dpa
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Der ehemaligen RAF-Terroristin Daniela Klette droht ein weiteres Gerichtsverfahren. Die Bundesanwaltschaft erhob Anklage gegen die 67-JĂ€hrige, wie die oberste deutsche Anklagebehörde in Karlsruhe mitteilte. Die Ermittler werfen Klette zweifachen versuchten Mord, die Beteiligung an versuchten und vollendeten SprengstoffanschlĂ€gen, erpresserischen Menschenraub sowie besonders schweren Raub in MittĂ€terschaft vor. Zuerst hatten «SĂŒddeutsche Zeitung», NDR und WDR ĂŒber die Anklage berichtet.

Der Staatsschutzsenat des Oberlandesgerichts Frankfurt am Main muss nun entscheiden, ob und wann es zum Prozess kommt.

Die dritte Generation der RAF

In der Anklage der Bundesanwaltschaft geht es um Verbrechen, die Klette wÀhrend ihrer Zeit bei der Roten Armee Fraktion begangen haben soll. Sie gehörte der sogenannten dritten Generation der RAF an. Ihre Mitgliedschaft in der linksterroristischen Vereinigung selbst ist mittlerweile verjÀhrt. Die Karlsruher Behörde legt Klette aber unter anderem die MittÀterschaft bei drei RAF-AnschlÀgen zwischen 1990 und 1993 zur Last.

So soll sie im Februar 1990 mit anderen Mitgliedern der RAF versucht haben, in einem VerwaltungsgebÀude der Deutschen Bank in Eschborn bei Frankfurt am Main eine Sprengstoffexplosion auszulösen. Dazu wurde den Angaben nach ein VW-Golf mit 45 Kilo Sprengstoff im Kofferraum in der Toreinfahrt abgestellt. Am Einbau des Sprengstoffs habe Klette mitgewirkt, teilte die Bundesanwaltschaft mit.

Bei einer Explosion hĂ€tten nach EinschĂ€tzung der Ermittler drei SicherheitskrĂ€fte getötet werden können. Doch die ZĂŒndvorrichtung versagte, die Explosion blieb aus.

AnschlÀge auf Bank, Botschaft und GefÀngnis

Knapp ein Jahr spĂ€ter soll Klette als Teil eines RAF-Kommandos einen Anschlag auf die US-amerikanische Botschaft in Bonn verĂŒbt haben. «Die Angeschuldigte feuerte gemeinsam mit zwei weiteren SchĂŒtzen von der gegenĂŒberliegenden Rheinseite aus mit automatischen Langwaffen mindestens 250 SchĂŒsse auf das BotschaftsgebĂ€ude ab», teilten die Ermittler mit. Mindestens 57 Projektile trafen demnach die Botschaft. Durch die SchĂŒsse seien zwanzig Menschen in Gefahr gewesen.

Im MĂ€rz 1993 soll Klette zudem an einem Sprengstoffanschlag auf ein neu gebautes GefĂ€ngnis im hessischen Weiterstadt beteiligt gewesen sein. Mitglieder des RAF-Kommandos kletterten demnach ĂŒber die GefĂ€ngnismauer, ĂŒberwĂ€ltigten die WĂ€chter mit einer Maschinenpistole und brachten sie gefesselt in einem VW-Transporter vom GelĂ€nde. Im GefĂ€ngnisgebĂ€ude zĂŒndeten sie dann mehrere SprengsĂ€tze, die unter anderem Klette angebracht haben soll. Es entstand ein Schaden von rund 63 Millionen Euro. In dem GefĂ€ngnis waren noch keine Gefangenen untergebracht.

Klette lebte als «Claudia» in Berlin-Kreuzberg

Bei der Tat in Weiterstadt sollen auch Klettes mutmaßliche Komplizen Ernst-Volker Staub und Burkhard Garweg dabei gewesen sein. Die beiden MĂ€nner sind weiter auf der Flucht, auch gegen sie wird ermittelt. Gemeinsam mit Klette sollen sie laut Staatsanwaltschaft Verden von 1999 bis 2016 Geldtransporter und KassenbĂŒros in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein ĂŒberfallen haben, um ihren Lebensunterhalt zu finanzieren.

Nach Angaben des Landeskriminalamts lÀuft die Fahndung nach den beiden MÀnnern unvermindert weiter, fast wöchentlich gehen demnach neue Hinweise ein. Angaben zur Anzahl und zum Inhalt dieser Hinweise machte die Behörde nicht. Von Garweg und Staub fehlt bislang so gut wie jede Spur.

Allerdings soll sich der 57-jĂ€hrige Garweg per Brief aus dem Untergrund gemeldet haben: Vor einem Jahr hatte die linke Zeitung «nd», die frĂŒher «Neues Deutschland» hieß, nach eigener Darstellung «einen Brief von Burkhard Garweg» veröffentlicht. «FĂŒr mich ist die Geschichte der RAF auch eine Geschichte strategischer und taktischer Fehler», heißt es in dem Schreiben. Die AuthentizitĂ€t des Briefes ließ sich zunĂ€chst nicht ĂŒberprĂŒfen. Gefordert wird darin auch die Freilassung Klettes.

Wegen der ÜberfĂ€lle steht Klette schon seit Anfang MĂ€rz 2025 in Verden vor Gericht. Das Verfahren ist juristisch von dem der Bundesanwaltschaft getrennt und soll bald enden.

SpĂ€testens seit 1990 war Klette von der BildflĂ€che verschwunden. Nach außen fĂŒhrte sie offenbar ein unauffĂ€lliges Leben. Als EinsatzkrĂ€fte die ehemalige RAF-Terroristin am 26. Februar 2024 in Berlin-Kreuzberg festnahmen, war die Verwunderung groß. Nachbarn kannten sie als «Claudia» und schilderten sie als freundliche, grauhaarige Nachhilfelehrerin. In ihrer Wohnung fanden die Ermittler unter anderem Pistolen, Munition und sogar Kriegswaffen.

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