Frank-Walter Steinmeier, Tag der Deutschen Einheit

Steinmeier warnt beim Einheitsfest: Demokratie muss sich selbst behaupten

Veröffentlicht am: 03.10.2026 um 16:16 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

BundesprĂ€sident Frank-Walter Steinmeier hat beim Festakt zum Tag der Deutschen Einheit in Bremen eindringlich vor Extremismus, Demagogie und Manipulation in sozialen Medien gewarnt. Angesichts jĂŒngster Wahlerfolge der AfD rief er zur Verteidigung der demokratischen Ordnung und zu einer RĂŒckkehr zu einer sachlichen Streitkultur auf.

  • BundesprĂ€sident Frank-Walter Steinmeier spricht beim Festakt zum Tag der Deutschen Einheit - Bild: Sina Schuldt/dpa-Pool/dpa
    BundesprÀsident Frank-Walter Steinmeier spricht beim Festakt zum Tag der Deutschen Einheit - Bild: Sina Schuldt/dpa-Pool/dpa
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    BundesprÀsident Frank-Walter Steinmeier spricht beim Festakt zum Tag der Deutschen Einheit - Bild: Sina Schuldt/dpa-Pool/dpa
  • Tag der Deutschen Einheit in Bremen - Bild: Moritz Frankenberg/dpa-Pool/dpa
    Tag der Deutschen Einheit in Bremen - Bild: Moritz Frankenberg/dpa-Pool/dpa
BundesprÀsident Frank-Walter Steinmeier spricht beim Festakt zum Tag der Deutschen Einheit - Bild: Sina Schuldt/dpa-Pool/dpa BundesprÀsident Frank-Walter Steinmeier spricht beim Festakt zum Tag der Deutschen Einheit - Bild: Sina Schuldt/dpa-Pool/dpa Tag der Deutschen Einheit in Bremen - Bild: Moritz Frankenberg/dpa-Pool/dpa

BundesprÀsident Frank-Walter Steinmeier hat beim Festakt zum Tag der Deutschen Einheit in Bremen zur Verteidigung der Demokratie aufgerufen und vor einem weiteren Erstarken extremistischer KrÀfte gewarnt.

Warnung vor Demagogie und Manipulation

Extremistische KrĂ€fte gefĂ€hrdeten mit politischer Demagogie, LĂŒgen und Manipulationen in sozialen Medien nicht nur Freiheit und Demokratie, sagte Steinmeier. Eine solche Entwicklung bedrohe auch die innere Einheit Deutschlands.

Mit Blick auf die jĂŒngsten Wahlerfolge der AfD sagte der BundesprĂ€sident, ein Viertel und mehr der WĂ€hler bekunde mit seiner Entscheidung, sich von wichtigen Grundentscheidungen der Republik abzuwenden. Die Diskreditierung demokratischer Verfahren, die Radikalisierung der Öffentlichkeit und die Diffamierung von Kompromissen mĂŒssten eine Warnung sein.

„Frage noch nicht entschieden“

Steinmeier verglich die aktuelle Lage mit der Weimarer Republik, ohne eine historische Gleichsetzung vorzunehmen. Ob Berlin der Weimarer Republik Ă€hnlicher werde, sei „noch nicht entschieden“; die Entwicklung liege aber in den HĂ€nden der Gesellschaft.

Mit Blick auf soziale Medien warnte Steinmeier vor schriller Emotionalisierung und der zunehmenden Unklarheit, ob BeitrĂ€ge von Menschen oder Maschinen stammten. Er sagte, er habe die Demokratie fĂŒr gesichert gehalten und mĂŒsse nun erfahren, dass sie „neu angefochten“ werde. Deshalb gehe es kĂŒnftig um die „Selbstbehauptung der Demokratie“.

AfD in Umfrage erstmals bei 30 Prozent

In einer Insa-Umfrage erreicht die AfD bundesweit erstmals 30 Prozent. Die Partei legte im Vergleich zur Vorwoche um einen Prozentpunkt zu; CDU und CSU verloren einen Punkt und kamen auf 18 Prozent. Damit lag die AfD in der Erhebung des Instituts fĂŒr „Bild“ zwölf Punkte vor der Union von Bundeskanzler Friedrich Merz.

Debatte ĂŒber ostdeutsche ReprĂ€sentation

Die Ostbeauftragte der Bundesregierung, Elisabeth Kaiser, forderte eine ostdeutsche BundesprĂ€sidentin. Die Zeit sei reif fĂŒr ein ostdeutsches Staatsoberhaupt, sagte sie der „Neuen OsnabrĂŒcker Zeitung“. Die Erfahrungen vieler Ostdeutscher mit Umbruch, Sorgen und Benachteiligung prĂ€gten deren Sicht auf die Einheit bis heute.

Die Ansprache könnte eine der letzten großen Reden Steinmeiers als BundesprĂ€sident gewesen sein. Ende Januar wird ein neues Staatsoberhaupt gewĂ€hlt; Steinmeiers Amtszeit endet im MĂ€rz.

Festakt mit rund 1.000 EhrengÀsten

Rund 1.000 EhrengĂ€ste aus Politik, Justiz und Gesellschaft nahmen an der Feier in Bremen teil. Das Fest unter dem Motto „Viele StĂ€rken - Ein Land“ findet in der Hansestadt statt, weil das kleinste Bundesland die PrĂ€sidentschaft im Bundesrat innehat.

Am 3. Oktober 1990 trat der Einigungsvertrag zwischen DDR und Bundesrepublik in Kraft. Damit wurde die staatliche Einheit Deutschlands nach mehr als 40 Jahren der Teilung wiederhergestellt; der 3. Oktober wurde zum Nationalfeiertag erklÀrt.

Demokratie unter Druck

Steinmeiers Rede fĂ€llt in eine Phase, in der politische Bindungen und Vertrauen in staatliche Institutionen sichtbar unter Druck stehen. Die von ihm angesprochenen Wahlerfolge extremistischer KrĂ€fte verbinden sich mit einer öffentlichen Debatte, die zunehmend ĂŒber soziale Medien, zugespitzte Botschaften und gezielte Desinformation gefĂŒhrt wird.

Der BundesprĂ€sident verknĂŒpft diese Entwicklung mit der deutschen Einheit. Der 3. Oktober erinnert nicht nur an die staatliche Wiedervereinigung, sondern auch an die friedliche Revolution von 1989 und an den politischen Wert demokratischer Beteiligung. Seine Warnung zielt deshalb auf mehr als den Umgang mit einer einzelnen Partei: Sie betrifft die Bereitschaft, Regeln, Gerichte, Wahlen und Kompromisse als Grundlage des politischen Wettbewerbs anzuerkennen.

Ost-West-Fragen bleiben relevant

Die Debatte ĂŒber ungleiche LebensverhĂ€ltnisse und ReprĂ€sentation zeigt zugleich, dass die Einheit gesellschaftlich nicht abgeschlossen ist. Der Ruf nach einer ostdeutschen BundesprĂ€sidentin steht beispielhaft fĂŒr die Forderung, ostdeutsche Erfahrungen stĂ€rker in politischen SpitzenĂ€mtern sichtbar zu machen.

FĂŒr BĂŒrgerinnen und BĂŒrger hat die Auseinandersetzung konkrete Bedeutung: Die politische Polarisierung beeinflusst den Ton öffentlicher Debatten, das Vertrauen in Informationen und die FĂ€higkeit von Parlamenten und Regierungen, tragfĂ€hige Entscheidungen zu vermitteln. Steinmeiers Appell zur Selbstbehauptung der Demokratie richtet sich damit an staatliche Institutionen ebenso wie an Parteien, Medien und die Gesellschaft.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

tagesschau: „Steinmeier: "Es geht um die Selbstbehauptung der Demokratie"“ (03.10.2026)

Der Bericht hebe Steinmeiers Warnung vor extremistischer Demagogie und einer GefÀhrdung von Freiheit, Demokratie und Einheit hervor. Anders als die dpa-Meldung betone er zusÀtzlich Steinmeiers Aufruf zu politischer Selbstkritik sowie seine Forderung nach Reformen und einer stÀrkeren ReprÀsentation Ostdeutscher; zugleich ordne er die Ansprache als letzte Rede des BundesprÀsidenten an einem Nationalfeiertag ein.

Tagesspiegel: „Zentrale Feier in Bremen: Wegner: Jahrestag der Deutschen Einheit Anlass zur Freude“ (03.10.2026)

Der Artikel stelle die Einheitsfeier aus Berliner Perspektive als Anlass zur Freude und zur StĂ€rkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts dar. Er bestĂ€tige den Veranstaltungsort Bremen und das Motto, setze den Schwerpunkt jedoch auf die Botschaft des Regierenden BĂŒrgermeisters Kai Wegner sowie auf Berlins PrĂ€sentation bei den Feierlichkeiten, wĂ€hrend Steinmeiers Demokratieappell dort nicht im Mittelpunkt stehe.

Beide Berichte bestÀtigten die zentrale Feier in Bremen und die Verbindung des Jahrestags mit Demokratie und Zusammenhalt. Unterschiede ergÀben sich vor allem beim Schwerpunkt: WÀhrend der eine Beitrag die GefÀhrdung demokratischer Ordnung und notwendige Reformen herausstelle, betone der andere die historische Freude und die gesellschaftliche Vielfalt.

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