Steinmeier: Wir mĂŒssen unsere Art zu leben und zu wirtschaften hinterfragen / Verleihung des Deutschen Umweltpreises der DBU in Aachen
Veröffentlicht am: 25.10.2026 um 13:47 Uhr | presseportal, AD HOC NEWSBonde: NatĂŒrliche Lebensgrundlagen im ureigenen Interesse erhalten und stĂ€rken
Der Deutsche Umweltpreis der DBU in Höhe von insgesamt 500.000 Euro zĂ€hlt zu den höchstdotierten Umweltauszeichnungen Europas und geht dieses Jahr zu gleichen Teilen an Ingenieur Dr. Klaus Vossenkaul sowie an die Hamburger Umweltjuristin Dr. Roda Verheyen. Vossenkaul wird fĂŒr seine innovativen Weiterentwicklungen bei der Membranfiltertechnologie fĂŒr die Abwasserreinigung in KlĂ€ranlagen ausgezeichnet, Verheyen wegen der Durchsetzung rechtlicher Vorgaben fĂŒr mehr Umwelt- und Klimagerechtigkeit. In seiner Rede zum Festakt sagte Steinmeier, angesichts der Sorgen um StabilitĂ€t und Sicherheit seien "aktuell bei vielen Menschen die Gedanken an Umwelt- und Klimaschutz etwas in den Hintergrund getreten". Gleichwohl, auch wenn das paradox klinge, "spĂŒren wir den Ernst der Lage ganz wortwörtlich, auch wir EuropĂ€er. Die Fieberkurve unseres Planeten zeigt deutlich nach oben". Gerade Europa treffe der Klimawandel "besonders stark - unser Kontinent erwĂ€rmt sich mehr als doppelt so schnell wie alle anderen". Darauf, so der BundesprĂ€sident, könne es unabhĂ€ngig von tagespolitischen Geschehnissen nur die Antwort geben, sich mit aller Kraft gegen die Ăberhitzung des Planeten zu stemmen, "indem wir Treibhausgase reduzieren und vor allem die natĂŒrlichen Ressourcen schĂŒtzen, die helfen, unser Klima zu stabilisieren: Böden und WĂ€lder, Moore und Meere". Dazu DBU-GeneralsekretĂ€r Alexander Bonde: "Wir mĂŒssen diese natĂŒrlichen Lebensgrundlagen im ureigenen Interesse erhalten und stĂ€rken. Deshalb fördern die Deutsche Bundesstiftung Umwelt und deren Tochter, das DBU Naturerbe, ebensolche Projekte. Und mit dem Meeresnaturschutzfonds steht der DBU ein starkes Instrument zum besseren Schutz von Nord- und Ostsee zur VerfĂŒgung." Steinmeier bekrĂ€ftigte, es gebe Chancen, sich gegen die Folgen des Klimawandels zu wappnen. "Und das ist genau, was den Deutschen Umweltpreis so wertvoll macht: dass er uns eine gehörige Portion Tatkraft und Hoffnung einimpft. Wir sind all dem nicht machtlos ausgeliefert."
Technologischer Fortschritt und Fortentwicklung des Rechts
Der BundesprĂ€sident sagte mit Blick auf Verheyen und Vossenkaul, er freue sich, "dass wir heute zwei Menschen auszeichnen, die zum einen fĂŒr den technologischen Fortschritt, zum anderen fĂŒr die Fortentwicklung des Rechts Herausragendes geleistet haben". Verheyen habe als Juristin "vielen Menschen Möglichkeiten aufgezeigt, fĂŒr ihre Interessen zu streiten, wenn es um den menschengemachten Klimawandel und seine Folgen geht". Steinmeier an die Adresse Verheyens: "Sie haben ihnen zur Seite gestanden und ihnen Gehör verschafft im Streit mit Konzernen und Regierungen, um unser aller ,Recht auf Zukunft', wie Sie es sagen, zu sichern." Der BundesprĂ€sident erinnerte an Verheyens "entscheidenden Anteil daran, dass das Bundesverfassungsgericht sein Diktum zur KlimaneutralitĂ€t bis 2045 gefĂ€llt hat". Laut Steinmeier erweiterte der Beschluss "die heute zu schĂŒtzenden Grundrechte und Freiheiten um diejenigen der kommenden Generationen".
EU-Kommunalabwasser-Richtlinie muss bis Juli 2027 in nationales Recht umgesetzt sein
Membranfilteringenieur Vossenkaul wiederum sei ein "Technologie-Pionier in herausragender Art und Weise", so Steinmeier. Mit einer Prise Humor fĂŒgte er hinzu: In Aachen eine Laudatio ohne ErwĂ€hnung von Karl zu halten, sei fast unmöglich. In diesem Fall gehe es aber nicht um Karl den GroĂen, sondern um die Kommunalabwasser-Richtlinie der EuropĂ€ischen Union (EU), kurz ebenfalls KARL. Sie solle durch zusĂ€tzliche Verfahren sicherstellen, dass gesundheitsschĂ€dliches Mikroplastik, gefĂ€hrliche Keime und Krankheitserreger, aber auch RĂŒckstĂ€nde von Arzneimitteln aus dem Abwasser herausgefiltert werden. Bis Juli 2027 haben die EU-Mitgliedstaaten Zeit, die Richtlinie in nationales Recht umzusetzen. Eine Grundlage dafĂŒr seien technische Innovationen. Vossenkauls weiterentwickelte Membrantechnologie leiste dazu einen Beitrag. Diese sei der KARL-Ăra weit voraus, weil die Membranfilter aus Hohlfasern bei der Nach- und UmrĂŒstung von KlĂ€ranlagen helfen, "und das platz-, energie- und somit kostensparend", so Steinmeier.
BundesprÀsident: Deutscher Umweltpreis ist mir von Jahr zu Jahr weiter ans Herz gewachsen
Steinmeier nutzte die Rede zu einem persönlichen ResĂŒmee. Seit 2017 habe er jedes Jahr den Deutschen Umweltpreis der DBU ĂŒberreicht, auch wenn er 2020 wegen der damaligen Corona-Pandemie sich lediglich per Videobotschaft habe zuschalten können. "Dieser Preis ist mir von Jahr zu Jahr weiter ans Herz gewachsen", so der BundesprĂ€sident. Er habe stets "mit Neugier und Spannung auf die Preisverleihung geschaut" und sich gefreut, "Menschen mit Engagement und innovativen Ideen kennenzulernen". Deshalb erfĂŒlle es ihn "ein wenig mit Wehmut, dass ich ihn heute zum letzten Mal ĂŒberreichen darf". Steinmeiers Amtszeit endet im nĂ€chsten Jahr.
Hintergrund:
Der 2026 zum 34. Mal verliehene Deutsche Umweltpreis der DBU zeichnet Leistungen von Menschen aus, die vorbildlich zum Schutz und Erhalt der Umwelt beitragen. FĂŒr VorschlĂ€ge an die DBU sind etwa ArbeitgeberverbĂ€nde, Gewerkschaften, Kirchen, Umwelt- und NaturschutzverbĂ€nde, wissenschaftliche Vereinigungen, Forschungsgemeinschaften, Medien, das Handwerk und WirtschaftsverbĂ€nde berechtigt. SelbstvorschlĂ€ge sind nicht möglich. Eine vom DBU-Kuratorium ernannte Jury unabhĂ€ngiger Fachleute aus Wirtschaft, Wissenschaft, Technik und gesellschaftlichen Gruppen empfiehlt dem DBU-Kuratorium PreistrĂ€gerinnen und PreistrĂ€ger fĂŒr das jeweilige Jahr. Das DBU-Kuratorium fĂ€llt die endgĂŒltige Entscheidung. Infos zum Deutschen Umweltpreis und Ausgezeichneten: https://www.dbu.de/umweltpreis.
Pressekontakt:
Klaus Jongebloed
- Pressesprecher -
Kontakt DBU
An der Bornau 2
49090 OsnabrĂŒck
0541|9633-521
0171|3812888
presse@dbu.de
www.dbu.de
Original-Content von: Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) ĂŒbermittelt durch news aktuell
