Deutschland, Luftverkehr

Streik der Crews zwingt Lufthansa an den Boden

12.02.2026 - 14:38:10

Streik-Chaos bei Lufthansa: 100.000 Passagiere stranden, FlĂŒge gestrichen – warum die Konflikte hinter den Kulissen so schnell nicht enden werden.

  • Am Frankfurter Flughafen sind hunderte FlĂŒge annulliert.  - Foto: Hannes P. Albert/dpa

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  • Lufthansa schickt Passagiere wegen des Crew-Streiks auf die Bahn. - Foto: Hannes P. Albert/dpa

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  • An den Umbuchungsschaltern bilden sich lange Schlangen.   - Foto: Hannes P. Albert/dpa

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  • VC-Chef Pinheiro sieht den Pilotenstreik als gerechtfertigt an.  - Foto: Hannes P. Albert/dpa

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  • Stillstand am Frankfurter Flughafen.  - Foto: Hannes P. Albert/dpa

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Am Frankfurter Flughafen sind hunderte FlĂŒge annulliert.  - Foto: Hannes P. Albert/dpaLufthansa schickt Passagiere wegen des Crew-Streiks auf die Bahn. - Foto: Hannes P. Albert/dpaAn den Umbuchungsschaltern bilden sich lange Schlangen.   - Foto: Hannes P. Albert/dpaVC-Chef Pinheiro sieht den Pilotenstreik als gerechtfertigt an.  - Foto: Hannes P. Albert/dpaStillstand am Frankfurter Flughafen.  - Foto: Hannes P. Albert/dpa

Zeitgleiche Streiks von Piloten und Flugbegleitern haben die Lufthansa zu großen Teilen auf den Boden gezwungen. Deutschlands grĂ¶ĂŸte Fluggesellschaft musste am Donnerstag nach eigenen Angaben knapp 800 FlĂŒge mit zusammen rund 100.000 FluggĂ€sten streichen. 

Der Ausstand sollte noch den gesamten Tag bis Mitternacht andauern. Besonders stark waren die Auswirkungen an den Drehkreuzen MĂŒnchen und Frankfurt spĂŒrbar. Eine Lösung der Konflikte, die hinter den Streiks stehen, zeichnet sich nicht ab. 

ZusatzflĂŒge von Eurowings

«Der ganztĂ€gige Streik der Gewerkschaften Ufo und Vereinigung Cockpit (VC) am heutigen Donnerstag, 12. Februar, trifft unsere FluggĂ€ste extrem hart und unverhĂ€ltnismĂ€ĂŸig», teilte das Unternehmen am Mittag mit. Es wies darauf hin, dass bei den nicht bestreikten Töchtern Eurowings, Discover und City Airlines rund 400 FlĂŒge stattgefunden haben. Eurowings hatte zudem ZusatzflĂŒge von DĂŒsseldorf und Hamburg nach MĂŒnchen angeboten. 

Die aufrufenden Gewerkschaften hatten schon am Vormittag von einem erfolgreichen Anlauf ihrer Aktionen berichtet. «Der Streik lÀuft, wie wir es erwartet haben», sagte Ufo-Tarifexperte Harry Jaeger am Frankfurter Flughafen. Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit ging von einer hohen Arbeitskampfbereitschaft ihrer Mitglieder aus. «Wir sehen in Frankfurt eine sehr gute Beteiligung», sagte VC-PrÀsident Andreas Pinheiro am Flughafen. 

VC: Aktionen nicht abgestimmt

Die VC will fĂŒr rund 4.800 Pilotinnen und Piloten höhere Betriebsrenten erreichen, wĂ€hrend die Kabinengewerkschaft Ufo mit einem Warnstreik neue Verhandlungen bei der Lufthansa-Kerngesellschaft und der von der Schließung bedrohten Regionaltochter Cityline erzwingen will. Dort stehen 800 Jobs auf dem Spiel. Pinheiro bestritt, dass die zeitgleichen Aktionen unter den Gewerkschaften abgestimmt seien. 

Nach Angaben des Flughafenbetreibers wurden allein in Frankfurt 450 von 1.117 geplanten FlĂŒgen abgesagt. Die Zahlen beziehen sich auf sĂ€mtliche Airlines, die große Masse der AusfĂ€lle ist aber der Lufthansa zuzurechnen. In MĂŒnchen wurden von 920 geplanten FlĂŒgen 275 gestrichen. Auch an anderen FlughĂ€fen kam es zu AusfĂ€llen.

Am Frankfurter Flughafen war insbesondere im Terminalbereich A deutlich weniger los als sonst. Dieser Abschnitt wird ausschließlich von Lufthansa genutzt. An den Umbuchungsschaltern bildeten sich lĂ€ngere Schlangen, wĂ€hrend an den Anzeigetafeln nur vereinzelte FlĂŒge aufgerufen wurden. Weil alle ĂŒbrigen Airlines aber nicht bestreikt wurden, herrschte in den anderen Abschnitten reger Publikumsverkehr.

«Das ist schlechter Service!»

Betroffene Passagiere reagierten teils verzweifelt: «Ich bin hier gestrandet und mein GepĂ€ck ist verloren gegangen», sagt ein Passagier, der auf dem Weg aus Houston in den USA nach Sevilla in Spanien ist. Dort mĂŒsse er dringend hin, um bei einer Hochzeit dabei sein zu können. «Das ist ein großes Problem.» 

Deutlicher wird ein Mann, der nachts von Addis Adeba in Äthiopien nach Frankfurt geflogen ist und nun erst am nĂ€chsten Tag nach Norwegen weiterkommt. «Ich brauche eine Dusche, ich muss essen und schlafen und ich bin krank, ich brauche einen Arzt. Ich weiß nicht, was ich jetzt machen soll», sagt er. Der Streik sei ein internes Problem der Lufthansa und er verstehe nicht, warum er dies ausbaden mĂŒsse. «Das ist schlechter Service.»

Die diversen Tarifkonflikte im Lufthansa-Konzern scheinen festgefahren zu sein. VC-Chef Pinheiro jedenfalls schloss weitere Streiks fĂŒr höhere Betriebsrenten nicht aus. «Als Gewerkschaft haben wir nicht viele Mittel außer dem Arbeitskampf. Wenn es kein Angebot gibt, dreht sich die Eskalationsspirale immer weiter.» Alles andere sei «kollektives Betteln». 

8.400 Euro Rente im Monat 

Dass Lufthansa-Piloten im Schnitt schon nach den bisherigen Regelungen mit einer weit ĂŒberdurchschnittlichen Rente von monatlich 8.400 Euro in den Ruhestand gehen, stört den Gewerkschafter nicht. Im Vergleich mit den Kollegen anderer europĂ€ischer Airlines befĂ€nden sich die Lufthansa-Piloten im unteren Mittelfeld. Zudem hĂ€tten sie eine «Leuchtturmfunktion» inne fĂŒr die anderen BeschĂ€ftigten im Lufthansa-Konzern und der gesamten europĂ€ischen Airline-Industrie. 

Lufthansa-Arbeitsdirektor Michael Niggemann hatte die Forderungen beider Gewerkschaften bereits am Mittwoch als unbezahlbar zurĂŒckgewiesen und auf die schlechte wirtschaftliche Performance der Lufthansa-Kerngesellschaft hingewiesen. Die grĂ¶ĂŸte Airline der Gruppe steckt mitten in einer harten Sanierung, nachdem sie 2024 in die Verlustzone geflogen war. 

Niggemann sagte: «Wir brauchen den konstruktiven Dialog, nicht die Eskalation – nur so erzielen wir tragfĂ€hige Lösungen. Ein Streik hilft den Zukunftsperspektiven unserer BeschĂ€ftigten nicht und trifft vor allem unsere FluggĂ€ste.» Die Gewerkschaften trĂŒgen auch eine Mitverantwortung fĂŒr die Zukunft des Unternehmens. 

Streit um die Strategie

Die Chancen auf eine umfassende Einigung scheinen gering: Das fliegende Personal reibt sich seit Jahren an der Strategie, mit neu gegrĂŒndeten Flugbetrieben (AOC) die etablierten Airlines samt ihrer gut dotierten ArbeitsplĂ€tze unter Druck zu setzen. Aus Sicht des Unternehmens ist gerade die Kerngesellschaft Lufthansa zu teuer. Die neuen AOCs sollen touristische FlĂŒge (Discover) und Zubringerverkehr (City Airlines) mit billigeren Crews kostengĂŒnstiger gestalten. Dort werden dann auch neue Flugzeuge eingesetzt oder sogar von den Altgesellschaften hin verlagert. 

Neben den Konflikten mit VC und Ufo verhandelt Lufthansa derzeit auch mit Verdi ĂŒber die Arbeitsbedingungen von rund 20.000 BodenbeschĂ€ftigten. Auch diese Berufsgruppe hat in der Vergangenheit den Flugbetrieb mit Warnstreiks hĂ€ufiger lahmgelegt.

@ dpa.de

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