Südkoreas Börse: Kospi fällt fast neun Prozent
Veröffentlicht am: 06.11.2026 um 08:07 Uhr | dpa, AD HOC NEWSMarktfolgen für Chipkonzerne und Behörden
- Der Kospi fiel im Frühhandel bis zu fast neun Prozent und unterschritt erstmals seit Februar 5.000 Punkte.
- SK Hynix verlor am Freitag elf Prozent; die Aktie lag damit bei rund 1,1 Millionen Won.
- Die südkoreanische Regierung berief ein Notfalltreffen mit Finanzaufsicht und Zentralbank ein.
Kospi rutscht unter 5.000 Punkte
Die südkoreanische Börse ist wegen eines weltweiten Ausverkaufs von Tech-Aktien stark gefallen. Der Leitindex Kospi verlor im Frühhandel bis zu fast neun Prozent und unterschritt erstmals seit Februar die Marke von 5.000 Punkten.
Verluste bei Samsung und SK Hynix
Zuletzt verringerte sich das Minus, der Kospi lag aber noch sechs Prozent bei 5.060 Punkten im Minus. Seit dem Rekordhoch von fast 9.400 Punkten im Juni hat der Index damit fast die Hälfte verloren, während er im Jahresverlauf weiterhin gut 20 Prozent zulegte.
Besonders stark gaben die Speicherchip-Produzenten SK Hynix und Samsung nach. Die SK-Hynix-Aktie fiel am Freitag um elf Prozent; nachdem sie im Juni zeitweise mehr als drei Millionen Won gekostet hatte, lag sie nun bei rund 1,1 Millionen Won.
Handel in Seoul ausgesetzt
Wegen der heftigen Kursverluste setzte die Börse in Seoul den Handel für 20 Minuten aus. Der sogenannte Circuit Breaker soll verhindern, dass Panikverkäufe den Markt weiter destabilisieren.
Die Regierung berief ein Notfalltreffen mit Vertretern der Finanzaufsichtsbehörden und der Zentralbank ein. Finanzminister Lee Hyoung Il erklärte danach, die wirtschaftlichen Fundamentaldaten des Landes seien solide; bei einer weiteren Verschärfung der Volatilität seien zusätzliche Maßnahmen möglich.
KI-Sorgen belasten internationale Märkte
Die Anleger reagierten auf Verluste an der Wall Street und Sorgen über die künftige Entwicklung der Investitionen in Künstliche Intelligenz. Der Wahlsieg der Demokraten bei den US-Zwischenwahlen verstärkte Befürchtungen, der Ausbau von Rechenzentren könnte sich verlangsamen.
Zudem verwiesen Experten auf die Gefahr steigender Ölpreise, nachdem iranischen Angaben zufolge erneut mehrere Tanker in der Straße von Hormus beschädigt worden waren. Südkorea ist als energiearmes Industrieland stark auf Ölimporte aus dem Nahen Osten angewiesen und wegen des hohen Gewichts der Halbleiterbranche besonders anfällig für Schwankungen im KI-Sektor.
Weitere asiatische Börsen geben nach
Der japanische Nikkei 225 sank im Frühhandel um rund 6,5 Prozent. Der Hang-Seng-Index in Hongkong fiel um rund 1,3 Prozent, der CSI-300-Index an Chinas Festlandbörsen gab etwa 1,7 Prozent nach.
Der Kurssturz in Seoul zeigt die besondere Abhängigkeit des südkoreanischen Aktienmarkts von wenigen großen Technologiekonzernen. Samsung und SK Hynix gehören zu den weltweit bedeutenden Speicherchipproduzenten; ihre Kurse reagieren deshalb besonders stark auf Erwartungen an die Nachfrage nach Rechenzentren, KI-Hardware und Speicherchips.
Die Bewegung steht zugleich im Zusammenhang mit einer Neubewertung des KI-Booms an den internationalen Märkten. Hohe Investitionen in Rechenzentren müssen sich langfristig durch wachsende Umsätze und Gewinne rechtfertigen. Politischer Widerstand gegen den Ausbau wegen Finanzierungsbedarf und möglicher Umweltfolgen verstärkt die Sorgen der Anleger.
Abhängigkeit von Importen
Für Südkorea kommt das Risiko steigender Ölpreise hinzu. Das energiearme Industrieland ist auf Importe aus dem Nahen Osten angewiesen; eine Störung wichtiger Seewege könnte daher die Kosten von Unternehmen und Haushalten erhöhen. Die Straße von Hormus ist für den weltweiten Öltransport von zentraler Bedeutung.
Der 20-minütige Handelsstopp soll starke Verkäufe kurzfristig bremsen, ändert aber nichts an den wirtschaftlichen Abhängigkeiten. Für Anleger bleibt entscheidend, ob sich die Nachfrage nach Chips stabilisiert, wie sich die Investitionen in KI-Infrastruktur entwickeln und ob die Ölversorgung im Nahen Osten störungsfrei bleibt.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
n-tv: „Der Börsen-Tag: Kospi-Kursrutsch schockt Anleger“ (06.11.2026)
Der Beitrag bestätigt den starken Einbruch des Kospi und die deutlichen Verluste bei SK Hynix und Samsung. Er legt den Schwerpunkt auf die KI-Sorgen nach den Verlusten an der Wall Street und ordnet zugleich die Rückgänge weiterer asiatischer Märkte ein.
Stern: „Börsen: Südkoreas Börse bricht wegen Sorgen um KI und Ölpreise ein“ (06.11.2026)
Der Artikel bestätigt den Handelsstopp von 20 Minuten und verbindet die KI-Sorgen mit der Gefahr steigender Ölpreise. Anders als der n-tv-Beitrag rückt er die Abhängigkeit Südkoreas von Ölimporten aus dem Nahen Osten stärker in den Mittelpunkt.
Beide Beiträge stimmen beim Kurssturz, den Verlusten der Chipwerte und dem KI-Auslöser überein. Unterschiede gibt es vor allem bei der Gewichtung des Ölpreisrisikos und der regionalen Marktfolgen.
