Tabaksteuer, Bundesregierung

Tabaksteuer: Zigarettenpreis könnte 2027 auf 9,10 Euro steigen

Veröffentlicht am: 09.10.2026 um 05:00 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS

Die Union gibt ihren Widerstand gegen die geplante Abgabe offenbar auf. Damit kann die verschĂ€rfte Fassung des Gesetzes weiter im Bundestag beraten werden; bei Feinschnitt bleibt eine Änderung möglich.

Bericht: Bundesregierung einigt sich bei Tabaksteuer
Raucherwarnung auf Zigarettenschachtel (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Die Bundesregierung hat ihren Streit ĂŒber die geplante Erhöhung der Tabaksteuer beigelegt. Die CDU/CSU-Mitglieder im Finanzausschuss des Deutschen Bundestages wollen ihren Widerstand aufgeben, sodass das nachgeschĂ€rfte Gesetz weiter parlamentarisch beraten werden kann.

Koalition legt Streit ĂŒber SteuersĂ€tze bei

Das berichtet die „Bild“ in ihrer Freitagausgabe. WĂ€hrend Gesundheitspolitiker sowie die Fraktionschefs von Union und SPD auf höhere Abgaben gedrĂ€ngt hatten, warnten Unionspolitiker wochenlang vor möglichen negativen Folgen fĂŒr die erwarteten Mehreinnahmen.

Sie befĂŒrchteten, dass höhere Preise den Zigarettenschmuggel stĂ€rken könnten. Unionsfraktionschef Thorsten Frei (CDU) war dem Bericht zufolge am Dienstag bei der finanzpolitischen Arbeitsgruppe seiner Fraktion zu Gast und sah sich dort erneut heftiger Kritik ausgesetzt.

Änderungsantrag sieht höhere SĂ€tze vor

Die Bundesregierung hatte bereits im Juli einen Gesetzentwurf beschlossen. Er sieht von 2027 bis 2030 jÀhrliche Erhöhungen der Tabaksteuer vor.

Der Änderungsantrag von CDU/CSU und SPD enthĂ€lt nun noch höhere SteuersĂ€tze als der ursprĂŒngliche Regierungsentwurf. Vor der zweiten und dritten Lesung im Bundestag soll lediglich die Besteuerung von Feinschnitt erneut beraten werden, bevor das Gesetz formal beschlossen werden kann.

Zigaretten könnten deutlich teurer werden

Eine Packung mit 20 Zigaretten kostet derzeit rund 8 Euro. Im kommenden Jahr könnte der Preis auf 9,10 Euro steigen – 33 Cent mehr als bislang erwartet.

FĂŒr 2030 wird mit einem durchschnittlichen Packungspreis von 11,78 Euro gerechnet. Die Unionskritiker hatten insbesondere vor möglichen Einbußen bei den erwarteten Mehreinnahmen gewarnt, falls Verbraucher stĂ€rker auf geschmuggelte oder anderweitig gĂŒnstigere Tabakprodukte ausweichen.

Die geplante Tabaksteuer steht fĂŒr einen klassischen Zielkonflikt der Verbrauchsteuerpolitik: Der Staat will zusĂ€tzliche Einnahmen erzielen und zugleich den Tabakkonsum senken. Höhere Preise können den Einstieg insbesondere fĂŒr Jugendliche erschweren und den Konsum bestehender Raucher verringern. Gleichzeitig sinkt mit dem legalen Absatz auch die steuerliche Bemessungsgrundlage.

Der Streit innerhalb der Union dreht sich deshalb nicht nur um die Belastung von Rauchern, sondern auch um die VerlĂ€sslichkeit der Einnahmeprognosen. FrĂŒhere Steuererhöhungen wurden teils mit deutlich höheren Mehreinnahmen begrĂŒndet, als spĂ€ter tatsĂ€chlich erzielt wurden. Bei der jetzt vorgesehenen Anhebung kommen mögliche Ausweichreaktionen hinzu: Verbraucher könnten stĂ€rker auf Feinschnitt, gĂŒnstigere Produkte oder den Einkauf im Ausland ausweichen.

Parlamentarische Beratung und Folgen

FĂŒr die Bundesregierung wĂ€re die Einigung ein wichtiger Schritt, weil der Gesetzentwurf trotz des Widerstands aus Teilen der Union weiter beraten werden kann. Der noch offene Umgang mit Feinschnitt zeigt zugleich, dass einzelne Produktgruppen politisch besonders umstritten bleiben. FĂŒr Verbraucher zĂ€hlt zunĂ€chst die konkrete Preiswirkung: Ausgehend von rund 8 Euro könnte eine Packung mit 20 Zigaretten 2027 etwa 9,10 Euro kosten und 2030 durchschnittlich 11,78 Euro.

Die tatsĂ€chliche Wirkung hĂ€ngt davon ab, wie schnell die Steuer in Verkaufspreise weitergegeben wird und ob sich der Konsum verĂ€ndert. FĂŒr den Bundeshaushalt stehen damit Mehreinnahmen und die Kosten gesundheitlicher FolgeschĂ€den gleichzeitig auf dem PrĂŒfstand.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

taz: „Erhöhung der Tabaksteuer: Rauchzeichen von der CDU“ (07.10.2026)

Der Kommentar bestĂ€tigt, dass Union und SPD den Steuersatz fĂŒr Zigaretten stĂ€rker erhöhen wollen als ursprĂŒnglich geplant. Er legt den Schwerpunkt auf die gesundheitspolitische Wirkung höherer Preise und kritisiert den Einfluss der Tabakindustrie auf die politische Debatte.

FOCUS online: „Die Zuckersteuer sĂ€t Unions-Misstrauen gegen Klingbeil-Haushalt“ (07.10.2026)

Der Beitrag ordnet die Tabaksteuer in eine breitere Debatte ĂŒber zusĂ€tzliche Verbrauchsteuern und die Einnahmeplanung des Bundes ein. Anders als der taz-Kommentar konzentriert er sich auf Zweifel an den fiskalischen Annahmen sowie auf das Risiko, dass geringerer Konsum und mehr Schwarzmarkt die erwarteten Einnahmen begrenzen.

MedienĂŒbergreifend stehen die höhere Belastung von Tabakprodukten und der politische Streit ĂŒber ihre Folgen im Mittelpunkt. Unterschiede gibt es vor allem bei der Bewertung: Gesundheitspolitische Effekte werden gegen Einnahmerisiken, AusweichkĂ€ufe und die Belastung der Verbraucher abgewogen.

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