Deutschland, Nordrhein-Westfalen

Attacken auf Stromnetz: Polizei nimmt VerdÀchtigen fest

Veröffentlicht am: 08.09.2026 um 17:50 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Tagelang hat die Polizei nach einem Mann gefahndet, der das Stromnetz in Deutschland sabotiert haben soll. Bei seiner Festnahme wird klar: Er hatte weitere Sprengmittel bei sich.

  • Die Spurensicherung am Ort der Festnahme in der NĂ€he des Kraftwerks Weisweiler. - Bild: Alexander Franz/dpa
    Die Spurensicherung am Ort der Festnahme in der NĂ€he des Kraftwerks Weisweiler. - Bild: Alexander Franz/dpa
  • Polizisten sind in der NĂ€he des Kraftwerks Weisweiler im Einsatz. - Bild: Sascha Thelen/dpa
    Polizisten sind in der NĂ€he des Kraftwerks Weisweiler im Einsatz. - Bild: Sascha Thelen/dpa
  • Am Kraftwerk JĂ€nschwalde in Brandenburg war durch den Angriff zeitweise ein Kraftwerksblock ausgefallen. - Bild: Frank Hammerschmidt/dpa
    Am Kraftwerk JĂ€nschwalde in Brandenburg war durch den Angriff zeitweise ein Kraftwerksblock ausgefallen. - Bild: Frank Hammerschmidt/dpa
  • Nach dem Angriff auf die Stromleitungen am Kraftwerk Bergheim bei Köln suchten Polizisten nach Beweisen. - Bild: Henning Kaiser/dpa
    Nach dem Angriff auf die Stromleitungen am Kraftwerk Bergheim bei Köln suchten Polizisten nach Beweisen. - Bild: Henning Kaiser/dpa
Die Spurensicherung am Ort der Festnahme in der NÀhe des Kraftwerks Weisweiler. - Bild: Alexander Franz/dpa Polizisten sind in der NÀhe des Kraftwerks Weisweiler im Einsatz. - Bild: Sascha Thelen/dpa Am Kraftwerk JÀnschwalde in Brandenburg war durch den Angriff zeitweise ein Kraftwerksblock ausgefallen. - Bild: Frank Hammerschmidt/dpa Nach dem Angriff auf die Stromleitungen am Kraftwerk Bergheim bei Köln suchten Polizisten nach Beweisen. - Bild: Henning Kaiser/dpa

Nach einer Serie von Sabotage-Angriffen auf das Stromnetz in mehreren BundeslĂ€ndern hat die Polizei einen verdĂ€chtigen 48-JĂ€hrigen festgenommen. Der Mann fiel Polizisten bei einem Großeinsatz in der NĂ€he des Kraftwerks Weisweiler bei Aachen auf. Die Ermittler glauben, dass er an mehreren Orten in Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und Sachsen versucht hat, Stromleitungen in der NĂ€he von Kohlekraftwerken zu sabotieren - in einigen FĂ€llen ist ihm das gelungen.

Den Ermittlungen zufolge soll der Mann an mehreren Orten in Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und Sachsen Abschussvorrichtungen aufgebaut und mit selbstgebauten Raketen einen Draht ĂŒber Hochspannungsleitungen geschossen haben. Mindestens zweimal kam es dadurch zu KurzschlĂŒssen, und einzelne Blöcke von nahegelegenen Kraftwerken wurden lahmgelegt.

NRW-Innenminister: VerdÀchtiger wollte weitermachen

Der VerdĂ€chtige wollte seine Angriffe nach Angaben von Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) fortsetzen. «Der war immer noch unterwegs und wollte weitermachen. Dieses Spiel ist heute beendet worden», sagte Reul in Duisburg. «Im Moment spricht alles dafĂŒr, dass es ein EinzeltĂ€ter und alles aus seiner Hand war.»

Bei seiner Festnahme hatte der Mann laut Polizei Sprengmittel bei sich. «Die GegenstÀnde werden derzeit durch einen EntschÀrfer des Landeskriminalamtes Nordrhein-Westfalen begutachtet», teilte die Polizei Köln mit. EinsatzkrÀfte hÀtten in der NÀhe des Kraftwerks Weisweiler ein Zelt gefunden, das mit weiteren Sprengladungen versehen gewesen sei. Der Mann habe bei seiner Festnahme keinen Widerstand geleistet.

Brandenburgs Innenminister: «Fehlgeleiteter EinzeltÀter»

Der Mann war laut Reul unterwegs auf einem Feldweg. Autobahnpolizisten seien mit dem Auto unterwegs gewesen. «Denen ist der Mann aufgefallen. Die haben angehalten, haben ihn sich geschnappt, und der hat auch keinen Widerstand geleistet. Und dann war die Sache relativ schnell klar.» Ermittelt wird gegen den 48-JĂ€hrigen wegen des Verdachts der HerbeifĂŒhrung einer Sprengstoffexplosion und der Störung öffentlicher Betriebe.

Der erste Angriff war vor einer Woche nahe dem Kraftwerk JĂ€nschwalde in Brandenburg. Innenminister Jan Redmann (CDU) sprach von einem «fehlgeleiteten EinzeltĂ€ter» und kĂŒndigte Konsequenzen fĂŒr mehr Sicherheit an. «Es braucht schon mehr als einen Chaoten, um Deutschland ins Chaos zu stĂŒrzen», teilte er mit. Derzeit liegen nach Angaben des PolizeiprĂ€sidiums Brandenburg keine Hinweise auf weitere TĂ€ter vor. Das sei Bestandteil der Ermittlungen, sagte Sprecherin Beate Kardels. 

Konkrete Hinweise am Kraftwerk Weisweiler

Die Arbeit der Ermittler hatte sich zuletzt sehr auf Weisweiler im Rheinischen Braunkohlerevier konzentriert. Schon vergangene Woche hatte die Polizei den Bereich mit vielen KrĂ€ften abgesucht, nachdem das Kraftwerk in einem Bekennerbrief erwĂ€hnt wurde, der von dem 48-JĂ€hrigen aus Gevelsberg im sĂŒdlichen Ruhrgebiet stammen soll. Am Montag gab es dann erneut verdĂ€chtige Beobachtungen in Weisweiler. TatsĂ€chlich fanden die Beamten dort weitere Abschussvorrichtungen und einen dritten Bekennerbrief.

Schnell stand der Verdacht im Raum, dass der TatverdĂ€chtige kurz zuvor noch einmal dort gewesen sein könnte - und sich womöglich noch in der NĂ€he aufhĂ€lt. Mehrere Hundertschaften durchkĂ€mmten ab Montagnachmittag das gesamte GelĂ€nde. Auch eine Drohne mit WĂ€rmebildkamera, die versteckte Personen aufspĂŒren kann, kam laut Polizei zum Einsatz.

Womöglich Hinweis auf weiteren Kurzschluss

Dabei beobachteten die Beamten am Montagabend gegen 21.00 Uhr plötzlich Blitze und KnallgerÀusche, die auch an anderen Tatorten beobachtet worden waren, als der TÀter die Hochspannungsleitungen kurzgeschlossen hatte. SchÀden seien danach aber nicht festgestellt worden, teilte die Polizei mit.

Am Dienstag ging die Suche in Weisweiler weiter. Dabei sei der 48-JĂ€hrige in der NĂ€he des Kraftwerks erkannt und festgenommen worden, teilten die Ermittler mit. Auf der großangelegten Suche nach dem Mann war zuvor unter anderem der lange Zeit von Klimaaktivisten besetzte Hambacher Forst im Rheinischen Braunkohlerevier nahe Köln durchsucht worden, weil die Polizei ihn dort vermutete.

Kampf gegen fossile Energie als mögliches Motiv

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) hatte zu der Sabotage-Serie zuletzt gesagt, es handele sich offensichtlich um «Klimaterrorismus» eines EinzeltĂ€ters. In mehreren Bekennerbriefen, die die Polizei fĂŒr authentisch hĂ€lt und dem 48-JĂ€hrigen zuordnet, begrĂŒndete der mutmaßliche TĂ€ter die Angriffe auf das Stromnetz mit dem Kampf gegen fossile Energien. «Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen ist ein Verbrechen», heißt es in den Briefen, die auch der Deutschen Presse-Agentur vorliegen.

In den drei von den Taten betroffenen BundeslÀndern Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und Sachsen wird noch Braunkohle abgebaut und verstromt.

Die weiteren Ermittlungen fĂŒhrt nun die Staatsanwaltschaft Cottbus, weil die erste Tat in der NĂ€he des Kraftwerks JĂ€nschwalde in Brandenburg bekannt wurde. Mit mehr als 20 selbst gebauten Raketen soll der TĂ€ter dort leitfĂ€higes Material auf die Hochspannungsleitungen geschossen haben. Nach Angaben des Übertragungsnetzbetreibers 50Hertz gab es zwei KurzschlĂŒsse, die zum Ausfall eines Kraftwerk-Blocks fĂŒhrten.

Kraftwerksblöcke in Bergheim tagelang außer Betrieb

Kurz darauf wurden weitere Abschussvorrichtungen an mehreren Orten in Nordrhein-Westfalen gefunden. Auch in Ostsachsen entdeckten die Ermittler nach eigenen Angaben 21 Abschussvorrichtungen in der NĂ€he von Umspannwerken. Auf mehrere Tatorte soll der 48-JĂ€hrige die Fahnder durch Hinweise in seinem Bekennerbrief selbst aufmerksam gemacht haben.

An den meisten Orten kam es zu keinen bekannten BeschĂ€digungen. In Bergheim bei Köln funktionierten die Vorrichtungen allerdings offensichtlich. Mehrere Blöcke des Kraftwerks waren durch einen Kurzschluss nach Angaben des Betreibers RWE Power fĂŒr einige Tage lahmgelegt.

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