Tankrabatt beschlossen: 17 Cent weniger fĂŒr Benzin und Diesel ab Oktober
Veröffentlicht am: 25.09.2026 um 15:15 Uhr | dpa, AD HOC NEWSBundestag und Bundesrat haben im Eilverfahren einen neuen Tankrabatt beschlossen, der Benzin und Diesel von Oktober bis Ende Dezember rechnerisch um rund 17 Cent je Liter verbilligen soll.
Steuersenkung ab Oktober
Die Energiesteuer wird um 14,04 Cent je Liter gesenkt. EinschlieĂlich Mehrwertsteuer ergibt sich eine Entlastung von 16,7 Cent. Damit die Regelung am 1. Oktober in Kraft treten kann, muss sie noch von BundesprĂ€sident Frank-Walter Steinmeier unterzeichnet werden.
Der Bund rechnet mit SteuerausfÀllen von bis zu 2,5 Milliarden Euro. Bund und LÀnder wollen die Kosten jeweils zur HÀlfte tragen.
Koalition setzt auf schnelles Verfahren
Union und SPD hatten sich nach einer AnkĂŒndigung von Bundeskanzler Friedrich Merz Mitte September auf das Entlastungspaket verstĂ€ndigt. Um den Rabatt kurzfristig zu beschlieĂen, wurden die Steuerregelungen an ein bereits beratendes Gesetz zur Sanierung und Abwicklung von Versicherungsunternehmen angehĂ€ngt.
Keine Pflicht zur vollstÀndigen Weitergabe
Das Gesetz verpflichtet Mineralölunternehmen nicht, die Steuersenkung vollstÀndig an die Kunden weiterzugeben. Die Koalition erwartet jedoch, dass der Vorteil an den Tankstellen ankommt.
ZusĂ€tzlich haben Union und SPD einen Spritpreisdeckel vereinbart. Das Kriseninstrument soll Anfang 2027 kommen und den Spielraum fĂŒr Preiserhöhungen begrenzen.
Kritik aus Opposition und LĂ€ndern
Die GrĂŒnen kritisierten die Neuauflage. Fraktionschefin Katharina Dröge nannte den Tankrabatt eine âSchwachsinnslösungâ und verwies darauf, dass die Entlastung im Mai und Juni nicht vollstĂ€ndig weitergegeben worden sei.
Aus den LĂ€ndern kamen Forderungen nach dauerhaften MaĂnahmen. Mecklenburg-Vorpommerns MinisterprĂ€sidentin Manuela Schwesig und ThĂŒringens MinisterprĂ€sident Mario Voigt verlangten, der Spritpreis mĂŒsse wieder unter zwei Euro sinken. Voigt forderte zudem, die nationale CO2-Bepreisung in der Hochpreisphase auszusetzen.
Forderung nach umfassenderem Paket
Bayerns MinisterprĂ€sident Markus Söder verlangte eine lĂ€ngerfristige Regelung. Die Politik dĂŒrfe nicht alle drei Monate zwischen Eingriff und RĂŒckzug wechseln. Zugleich stellte er die bestehende Preisregel infrage, nach der Tankstellen ihre Preise nur einmal tĂ€glich um 12 Uhr erhöhen dĂŒrfen.
Befristete Entlastung mit hohen Kosten
Der Tankrabatt soll die Folgen stark gestiegener Kraftstoffpreise kurzfristig abfedern. FĂŒr Autofahrer bedeutet die Regelung rechnerisch eine Entlastung von rund 16,7 Cent je Liter; bei einem Tankvolumen von 50 Litern entsprĂ€che das rund 8,35 Euro, sofern die Senkung vollstĂ€ndig weitergegeben wird.
FĂŒr den Staat bleibt die MaĂnahme teuer: Bis zu 2,5 Milliarden Euro an Einnahmen könnten Bund und LĂ€nder verlieren. Die Entlastung ist zudem sozial nicht zielgenau, weil Haushalte mit höherem Kraftstoffverbrauch absolut stĂ€rker profitieren. Menschen ohne Auto erhalten dagegen keinen direkten Vorteil.
Weitergabe und Preisregeln
Ob der Steuervorteil vollstĂ€ndig an den Tankstellen ankommt, ist nicht garantiert. Beim frĂŒheren Rabatt im Mai und Juni wurde nach Angaben des Kartellamts nur ein Teil der Entlastung weitergegeben. Deshalb hĂ€ngt die tatsĂ€chliche Wirkung von der Preisentwicklung an den internationalen ĂlmĂ€rkten, den Beschaffungskosten und den Margen der Anbieter ab.
BrĂŒcke bis zum Spritpreisdeckel
Politisch soll der Rabatt die Zeit bis zu einem geplanten Spritpreisdeckel ĂŒberbrĂŒcken, dessen gesetzliche Voraussetzungen spĂ€testens Anfang 2027 geschaffen werden sollen. Ein solcher Eingriff könnte Verbraucher vor extremen Preisspitzen schĂŒtzen, birgt aber Risiken fĂŒr Wettbewerb und Versorgung. Die Debatte ĂŒber CO2-Bepreisung, direkte Hilfen und dauerhafte Energiepolitik dĂŒrfte damit weitergehen.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
MDR: â17 Cent weniger pro Liter: Bundestag macht den Weg fĂŒr neuen Tankrabatt freiâ (25.09.2026)
Der Bericht bestĂ€tige die Bundestagsentscheidung und nenne die rechnerische Entlastung von 17 Cent je Liter sowie mögliche SteuerausfĂ€lle von bis zu 2,5 Milliarden Euro. Er setze einen zusĂ€tzlichen Schwerpunkt auf die Kritik von Wirtschaftswissenschaftlern und Verbrauchervertretern, die die MaĂnahme als wenig zielgenau beziehungsweise als Belastung kĂŒnftiger Generationen bewerteten.
n-tv: âRegierung will "dynamischen Spritpreisdeckel" einfĂŒhrenâ (23.09.2026)
Der Artikel habe den geplanten Preisdeckel als dynamisches Instrument beschrieben, das sich an Beschaffungs- und Referenzpreisen orientieren solle. Zugleich habe er vor möglichen Wettbewerbs- und Versorgungsproblemen gewarnt und darauf hingewiesen, dass der frĂŒhere Tankrabatt laut Kartellamt nur zu etwa 80 Prozent bei den Verbrauchern angekommen sei.
Die Berichte bestÀtigten damit die befristete Steuersenkung als kurzfristige Entlastung, setzten aber unterschiedliche Akzente: Der MDR hebe die Verteilungs- und Kostenkritik hervor, wÀhrend n-tv die Ausgestaltung des spÀteren Preisdeckels und dessen Nebenwirkungen betone. Offen bleibe vor allem, wie vollstÀndig die neue Entlastung an den Tankstellen weitergegeben werde.
