Warnstreik legt Bahnverkehr weitgehend lahm
08.12.2023 - 08:20:32 | dpa.deMit einem bundesweiten Warnstreik legt die Gewerkschaft Deutscher LokomotivfĂŒhrer (GDL) seit Donnerstagabend weite Teile des Bahnverkehrs in Deutschland lahm. Der Notfahrplan sei angelaufen, teilte die Bahn am Freitagmorgen mit. Die meisten FahrgĂ€ste habe die AnkĂŒndigung offenbar rechtzeitig erreicht. An vielen Bahnhöfen in Deutschland sei die Lage am frĂŒhen Freitagmorgen sehr ruhig, sagte ein Bahnsprecher in Berlin. «Die GDL vermiest mit dieser kurzfristigen StreikankĂŒndigung Millionen FahrgĂ€sten das Adventswochenende.»
Der bundeseigene Konzern hat erneut rund 80 Prozent des Fernverkehrs eingestellt. Im Regionalverkehr gebe es hingegen je nach Region groĂe Unterschiede, sagte der Sprecher. Tausende ZĂŒge dĂŒrften betroffen sein. Genaue Zahlen nannte die Bahn zunĂ€chst nicht. «In Deutschland fahren pro Tag 50 000 ZĂŒge», hieĂ es lediglich am Morgen. Darunter seien aber auch ZĂŒge von Eisenbahnunternehmen, die nicht direkt vom Streik betroffen sind.
Ziel der Bahn sei es, bis zum Samstagmorgen den regulĂ€ren Fahrplan wieder vollstĂ€ndig anbieten zu können. «Wir setzen alles daran, dass bis zum Betriebsbeginn am Samstag wieder alles fĂ€hrt», betonte der Sprecher. Im GĂŒterverkehr seien die Auswirkungen indes lĂ€nger zu spĂŒren. Hier hatten sich schon vor Beginn des Warnstreiks aufgrund des Winterchaos in Bayern zuletzt rund 170 ZĂŒge gestaut, wie die Bahn am Donnerstag mitteilte. «Es ist zu befĂŒrchten, dass sich diese Zahl verdoppelt», sagte ein Sprecher.
Arbeitskampf bis 22.00 Uhr
Es ist in der laufenden Tarifrunde bei der Deutschen Bahn der zweite Warnstreik der LokfĂŒhrergewerkschaft GDL. Im Personenverkehr hatte er am Donnerstagabend um 22.00 Uhr begonnen, im GĂŒterverkehr einige Stunden frĂŒher. Bis Freitagabend um 22.00 Uhr soll der Arbeitskampf andauern. Betroffen ist nicht nur die Deutsche Bahn. Auch der Wettbewerber Transdev wird bestreikt. Betroffen ist dort etwa die Nordwestbahn sowie die Rhein-Ruhr-Bahn des Konzerns in Nordrhein-Westfalen. Auch in Hannover und Mitteldeutschland waren Transdev-BeschĂ€ftigte zum Warnstreik aufgerufen.
Bei beiden Unternehmen hat die GDL die Tarifverhandlungen inzwischen fĂŒr gescheitert erklĂ€rt. Knackpunkt ist in beiden FĂ€llen vor allem die Forderung der GDL nach einer Absenkung der Wochenarbeitszeit fĂŒr Schichtarbeiter von 38 auf 35 Stunden bei vollem Lohnausgleich. Die Arbeitgeber lehnen das bisher ab.
Umfrage: Wenig VerstĂ€ndnis fĂŒr Warnstreik
Ein GroĂteil der Menschen in Deutschland hat einer Umfrage zufolge kein VerstĂ€ndnis fĂŒr den Warnstreik. 59 Prozent von insgesamt rund 3700 Befragten antworteten entsprechend in einer reprĂ€sentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Yougov. 30 Prozent hingegen Ă€uĂerten VerstĂ€ndnis fĂŒr den Arbeitskampf.
JĂŒngere Menschen zeigten sich demnach nachsichtiger als Ă€ltere. Der Anteil der VerstĂ€ndnisvollen lag bei den 25- bis 34-JĂ€hrigen in der Umfrage bei rund 38 Prozent. Bei Befragten ab 55 Jahren war es lediglich jeder Vierte.
Nach dem Warnstreik können FahrgĂ€ste zunĂ€chst durchatmen. Bis einschlieĂlich 7. Januar hat GDL-Chef Weselsky weitere ArbeitskĂ€mpfe ausgeschlossen. Danach ist dann wieder alles möglich.
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