Tobias Rausch wird AfD-Landtagspräsident in Sachsen-Anhalt
Veröffentlicht am: 06.10.2026 um 12:40 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSDer AfD-Abgeordnete Tobias Rausch ist bei der konstituierenden Sitzung des Landtags von Sachsen-Anhalt zum Präsidenten gewählt worden. Damit stellt die AfD erstmals einen Landtagspräsidenten.
AfD übernimmt Parlamentsamt
Rausch wurde in Magdeburg in der ersten Sitzung des neu gewählten Landtags gewählt. Die AfD ist nach der Landtagswahl stärkste Fraktion und hatte Rausch als Kandidaten für das Amt nominiert.
Die Wahl des Präsidenten ist unabhängig von der Bildung einer neuen Landesregierung. Der Präsident leitet die Sitzungen des Landtags und nimmt repräsentative sowie organisatorische Aufgaben wahr.
Neue Mehrheiten im Landtag
Die AfD verfügt im neuen Landtag über 39 der 83 Sitze. Für eine eigene Mehrheit reicht das nicht aus; bei der Wahl des Präsidenten war die Unterstützung anderer Abgeordneter erforderlich.
Die Wahl ist der erste zentrale Vorgang der neuen Legislaturperiode. Im weiteren Verlauf stehen unter anderem die Wahl der Vizepräsidenten und die Beratung der Geschäftsordnung an.
Regierungsbildung bleibt offen
Mit der Wahl Rauschs ist noch keine Entscheidung über den künftigen Ministerpräsidenten verbunden. Die AfD strebt auch dort politische Verantwortung an, muss dafür aber weitere Stimmen außerhalb der eigenen Fraktion gewinnen.
Die Wahl fällt in eine neue parlamentarische Kräfteordnung in Sachsen-Anhalt. Bei der Landtagswahl erreichte die AfD 43,8 Prozent und zog mit 39 Abgeordneten als stärkste Fraktion in den 83 Sitze umfassenden Landtag ein. Für die Wahl des Präsidenten fehlte ihr jedoch die absolute Mehrheit; die fünf Abgeordneten des BSW wurden damit zum entscheidenden Faktor.
Das Amt ist nicht mit dem des Ministerpräsidenten gleichzusetzen. Der Landtagspräsident leitet die Plenarsitzungen, führt den Ältestenrat und steht der Landtagsverwaltung vor. Zudem verfügt er über Ordnungs- und Hausrechtsbefugnisse. Die Wahl von Rausch markiert deshalb zwar keinen Regierungswechsel, verschafft der AfD aber eine zentrale institutionelle Position im Parlament.
Signal für die Mehrheitsbildung
Politisch reicht die Bedeutung über den Sitzungstag hinaus. AfD-Fraktionschef Ulrich Siegmund strebt im Dezember die Wahl zum Ministerpräsidenten an, benötigt dafür aber mindestens 42 Stimmen. Die Unterstützung des BSW bei der Präsidentenwahl zeigt eine mögliche parlamentarische Verbindung, ersetzt jedoch keine feste Mehrheit für eine Landesregierung.
CDU, SPD, Grüne und Linke haben eine Zusammenarbeit mit der AfD ausgeschlossen. Zugleich steht die CDU vor der Frage, wie sie sich zu einzelnen Vorhaben einer starken AfD-Fraktion verhalten will. Die konstituierende Sitzung liefert damit einen ersten Hinweis auf die künftigen Abstimmungslinien, entscheidet aber noch nicht über die Regierungsbildung.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
ZDFheute: „Sachsen-Anhalt stehen schwierige Zeiten im Landtag bevor“ (06.10.2026)
Der Beitrag ordnet die Wahl als ersten Test für die neuen Mehrheitsverhältnisse ein und hebt die Schlüsselrolle des BSW hervor. Im Mittelpunkt stehen außerdem die fehlende absolute Mehrheit der AfD und die für Dezember geplante Ministerpräsidentenwahl.
tagesschau.de: „Konstituierende Sitzung in Sachsen-Anhalt: Die AfD und die ganz große Bühne“ (06.10.2026)
Die Analyse stellt die Wahl in den Zusammenhang mit dem Anspruch der AfD auf politische Gestaltung und der geplanten Regierungsbildung. Anders als der ZDF-Beitrag beleuchtet sie ausführlicher die institutionellen Befugnisse des Präsidenten sowie mögliche Folgen für die Arbeit des Landtags.
Übereinstimmend gilt die Wahl als wichtiger Stimmungstest. Offen bleibt, ob die Unterstützung des BSW auf das Präsidentenamt begrenzt bleibt und ob die AfD im Dezember eine Mehrheit für die Wahl des Ministerpräsidenten organisieren kann.
