Angriffe, Reporter

Weniger Angriffe auf Reporter - aber Klima bleibt rau

09.04.2024 - 06:19:38

Tritte, FaustschlĂ€ge, Hiebe mit Fackeln und Trecker-Blockaden: Journalisten werden in Deutschland weiterhin regelmĂ€ĂŸig Opfer von Aggressionen. Ein neuer Bericht fĂŒhrt die gefĂ€hrlichsten Regionen auf.

Die Zahl der Übergriffe auf Journalisten in Deutschland ist im vergangenen Jahr deutlich zurĂŒckgegangen - dennoch besteht nach EinschĂ€tzung der Organisation Reporter ohne Grenzen (RSF) kein Grund zur Entwarnung. FĂŒr 2023 dokumentierte RSF 41 Angriffe auf Medienschaffende. Im Jahr 2022 waren es noch 103 Attacken gewesen. Zum Vergleich: 2019, vor der Covid-Pandemie, waren 13 erfasst worden.

«WĂ€hrend der Pandemie schnellte die Zahl der Übergriffe auf Berichterstattende in die Höhe. Auch unser RĂŒckblick auf das vergangene Jahr zeigt: Diese Tendenz ist noch nicht vollstĂ€ndig zurĂŒckgegangen», steht im RSF-Bericht «Nahaufnahme Deutschland». Ein neues aggressives PhĂ€nomen seien Trecker-Blockaden gegen deutsche MedienhĂ€user.

«In Deutschland hat sich in den letzten Jahren eine immer pressefeindlichere Stimmung ausgebreitet», ist das Fazit der Menschenrechtsorganisation. «Im vergangenen Jahr wurden Reporter wieder verprĂŒgelt, ihre AusrĂŒstung wurde zerstört und ihnen wurde im Internet massiv gedroht.» Auch das neue Jahr habe nicht gut begonnen: am Rande einer Demonstration in Leipzig sei ein Journalist Opfer einer brutalen Körperverletzung geworden.

Bauern verhindern Auslieferung von Zeitungen

«Zudem beobachten wir eine gefĂ€hrliche neue Art der Aggression: Landwirte haben kĂŒrzlich mit Trecker-Blockaden und Misthaufen die Auslieferung von Zeitungen in mehreren BundeslĂ€ndern verhindert», erlĂ€utert RSF-Vorstandsmitglied Michael Rediske. «Das zeigt, dass die Freiheit, unabhĂ€ngig zu berichten, hierzulande nicht nur durch Übergriffe gegen einzelne Medienschaffende bedroht ist. Unzufriedenheit mit einer angeblich zu geringen Berichterstattung ĂŒber Bauernproteste reicht offenbar aus, um bei Angriffen gegen die Pressefreiheit die Hemmschwelle weiter zu senken.»

Reporter ohne Grenzen erfasste auch, auf welche Weise Journalisten misshandelt wurden: «Am hĂ€ufigsten waren im Jahr 2023 Tritte und FaustschlĂ€ge oder SchlĂ€ge mit GegenstĂ€nden wie Fackeln oder Trommel-Schlegeln. Als Angriff gewertet wurden diese, sofern sie Körper oder AusrĂŒstung von Journalistinnen und Journalisten tatsĂ€chlich getroffen haben. Medienschaffenden wurde auch AusrĂŒstung entrissen, sie wurden zu Boden gerissen, mit Sand und Steinen beworfen oder in einem Fall mit FĂ€kalien beschmiert.»

Besonders viele Angriffe in Sachsen

Die meisten der 41 fĂŒr das Jahr 2023 verifizierten Angriffe – zwei Hacker-Angriffe können nicht geografisch zugeordnet werden – ereigneten sich in Sachsen (12), gefolgt von Bayern (6), Berlin (5), Nordrhein-Westfalen (5), Niedersachsen (4), Hamburg (2), Hessen (2), Rheinland-Pfalz (1), ThĂŒringen (1) und Schleswig-Holstein (1).

Der gefĂ€hrlichste Ort fĂŒr Medienschaffende waren auch 2023 politische Versammlungen wie Partei-Veranstaltungen, Demonstrationen oder Protestaktionen. Hier wurden 32 der 41 FĂ€lle gezĂ€hlt. Besonders pressefeindlich ging es erneut bei der Berichterstattung im Umfeld von verschwörungsideologischen oder rechtsextremen Versammlungen zu: Hier fand 2023 mit 18 FĂ€llen ein Großteil der Angriffe statt, wie RSF dokumentierte.

@ dpa.de