OECD-Bildungsdirektor erneuert Kritik an deutschen Lehrern
19.02.2024 - 05:00:00Die SchĂŒlerleistungen bei Pisa hĂ€tten gezeigt, dass es groĂe Leistungsdefizite und eine sehr ungerechte Verteilung von Bildungschancen gebe, so Schleicher. "Das hat viele GrĂŒnde, aber das, was im Unterricht passiert, ist Teil dieser Baustelle." LehrkrĂ€fte in Deutschland unterrichteten nicht mehr, sondern weniger Stunden als im OECD-Durchschnitt, so Schleicher weiter. "Gleichzeitig sehen wir, dass SchĂŒler in Deutschland oft gut sind bei der Reproduktion von Fertigwissen, aber es schwer haben, ihr Wissen kreativ auf neue Themenfelder anzuwenden. Das zĂ€hlt heute aber und da braucht man ein Unterrichtsdesign, das kreativer, interessanter und spannender ist als bisher." Das Arbeiten nach den alten LehrplĂ€nen funktioniere heute so nicht mehr, so Schleicher weiter. "Die Google-Welt belohnt uns nicht mehr fĂŒr Antworten, sondern fĂŒrs Fragenstellen." Ihm gehe es nicht um Schuldzuweisungen, so Schleicher. LehrkrĂ€fte in Deutschland hĂ€tten objektiv weniger Gestaltungsfreiheit als zum Beispiel in DĂ€nemark oder den Niederlanden. "Ich glaube aber auch, dass sie ihre vorhandenen FreirĂ€ume nicht so intensiv nutzen wie die Kollegen in anderen LĂ€ndern." In vielen erfolgreichen LĂ€ndern begriffen sich LehrkrĂ€fte nicht nur als Wissensvermittler, sondern auch als Coach, Mentor und Sozialarbeiter. "Dadurch kennen sie ihre SchĂŒler besser und wissen, wie sie sie auf ihrem Weg begleiten können. Das macht sehr viel aus", sagte Schleicher. "Lernerfolg und Disziplin im Klassenzimmer sind immer auch eine Folge der QualitĂ€t von Beziehungen."


