Scholz, TU-PrÀsidentin

Scholz will TU-PrÀsidentin nicht mehr in seinem Zukunftsrat

07.06.2024 - 13:46:05

Trotz Kritik an ihren Social-Media-AktivitĂ€ten im Kontext des Gaza-Krieges will Berlins TU-PrĂ€sidentin Rauch im Amt bleiben. Bundeskanzler Scholz verzichtet kĂŒnftig aber auf sie als Beraterin.

  • Die PrĂ€sidentin der Technischen UniversitĂ€t Berlin: Geraldine Rauch. - Foto: Jens Kalaene/dpa

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  • «Wer sich öffentlich Ă€ußert, muss auch mit öffentlichen Antworten rechnen»: Dirk Stettner. - Foto: Jens Kalaene/dpa

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Die PrĂ€sidentin der Technischen UniversitĂ€t Berlin: Geraldine Rauch. - Foto: Jens Kalaene/dpa«Wer sich öffentlich Ă€ußert, muss auch mit öffentlichen Antworten rechnen»: Dirk Stettner. - Foto: Jens Kalaene/dpa

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) streicht die PrÀsidentin der TU Berlin, Geraldine Rauch, aus seinem Beraterkreis. Der Bundeskanzler habe entschieden, dass sie in Zukunft nicht mehr Mitglied des sogenannten Zukunftsrates sein werde, sagte die stellvertretende Regierungssprecherin Christiane Hoffmann vor Journalisten in Berlin.

Rauch werde bei der anstehenden turnusgemĂ€ĂŸen VerlĂ€ngerung der Berufung der Mitglieder dieses Rates nicht wieder in das Gremium berufen. «Aus Sicht des Bundeskanzlers sind die gegen sie erhobenen VorwĂŒrfe schwerwiegend und sie sind bisher nicht ausgerĂ€umt worden», begrĂŒndete die Sprecherin den Schritt. Die Absicht Rauchs, weiterhin TU-PrĂ€sidentin bleiben zu wollen, wollte sie nicht kommentieren. 

Rauch steht in der Kritik, weil sie mindestens einen antisemitischen Post auf der Plattform X mit einem «GefÀllt mir» markiert hatte.

Berlins CDU-Fraktionschef Dirk Stettner hĂ€lt einen RĂŒcktritt der PrĂ€sidentin der Technischen UniversitĂ€t Berlin, Geraldine Rauch, fĂŒr unumgĂ€nglich. «Stellen Sie sich mal vor, was passiert wĂ€re, wenn ein Politiker Hakenkreuze liken wĂŒrde und gucken Sie sich an, was zu Recht passiert ist mit betrunkenen Jugendlichen auf Sylt, die rassistische Lieder grölen. Alles richtig. Der gleiche Maßstab muss aber auch bei einer Uni-PrĂ€sidentin angewandt werden», sagte Stettner im RBB-Inforadio. «Ich erwarte, dass die universitĂ€ren Gremien sich damit intensiv befassen und sehr genau darĂŒber nachdenken, ob diese Dame in diesem Amt wirklich zu halten ist», so der CDU-Politiker. Er glaube aber, dass es der Anstand gebiete, dass sie sich selbst zurĂŒckziehe.

Stettner sagte weiter, wer antisemitische Posts like, auf denen eindeutig rote Hakenkreuze zu sehen seien, agiere antisemitisch, «das dĂŒrfte sehr eindeutig sein». Er glaube niemandem, dass er nicht auf das Bild schaue, bevor er einen Post liked. Hakenkreuze zu liken sei in einem solchen öffentlichen Amt kein entschuldbarer Fehler. «Nein, da sind Konsequenzen angesagt.»

Stettner wirft der TU-PrÀsidentin vor, am Amt zu kleben

Stettner rechtfertigte die hartnĂ€ckige Kritik an Rauch aus den Reihen der Berliner CDU. «Wer sich öffentlich Ă€ußert, muss auch mit öffentlichen Antworten rechnen», sagte er. «Antisemitismus ist von der Hochschulautonomie sicherlich nicht gedeckt.» Es gehe hier um jemanden, der sich antisemitisch geĂ€ußert habe und nicht bereit sei, Konsequenzen zu ziehen. «Sie tut tatsĂ€chlich alles, um an ihrem Amt kleben bleiben zu können, obwohl der Funken Anstand dazu beitragen sollte, schon lange zurĂŒckgetreten zu sein.»

Rauch hatte am Donnerstag erklĂ€rte, im Amt bleiben zu wollen, obwohl sich zuvor eine knappe Mehrheit im Akademischen Senat der Hochschule fĂŒr ihren RĂŒcktritt ausgesprochen hatte. Am Montag kommt der Aufsichtsrat der TU, das sogenannte das Kuratorium, zu einer Sondersitzung zusammen.

Zentralrat der Juden kritisiert Verhalten Rauchs

Kritik gibt es auch vom Zentralrat der Juden: «Professorin Rauch hÀtte weiteren Schaden von der TU Berlin abhalten können, diese Möglichkeit hat sie nicht genutzt», so ein Sprecher. 

«In einer Zeit, in der Israel-Hass an deutschen Hochschulen grassiert, hat Professorin Rauch mit dem Liken mehrerer antisemitischer Postings und ihrem weiteren Verhalten bewiesen, dass sie nicht das nötige VerstĂ€ndnis und das FeingefĂŒhl hat, den Ernst der Lage zu erkennen», hieß es weiter. «Daraus hĂ€tte sie die notwendigen SchlĂŒsse ziehen sollen. Stattdessen spielt sie auf Zeit und versucht, ihr Fehlverhalten juristisch reinzuwaschen, wĂ€hrend jĂŒdische Studenten und Dozenten Angst haben, Hochschulen zu besuchen.»

@ dpa.de