Baerbock: Versuchter Anschlag auf Synagoge «unertrÀglich»
19.10.2023 - 05:52:36Nach dem versuchten Brandanschlag auf eine Synagoge in Berlin hat AuĂenministerin Annalena Baerbock den in Deutschland lebenden Juden und JĂŒdinnen die SolidaritĂ€t Deutschlands versichert. «Wir stellen uns dem mit aller Kraft des Staates und unserer Gesellschaft entgegen. Nie wieder ist jetzt», schrieb die GrĂŒnen-Politikerin gestern Abend auf der Plattform X, frĂŒher Twitter. Es sei «unertrĂ€glich», dass JĂŒdinnen und Juden in Deutschland Angst haben mĂŒssten, «dass Davidsterne an HĂ€user gemalt werden & Feuer auf Synagogen geworfen wird».
Die Synagoge in Berlin-Mitte war in der Nacht zum Mittwoch bei einem versuchten Brandanschlag mit Molotowcocktails beworfen worden. Nach Angaben der Polizei hatten zwei vermummte Unbekannte BrandsÀtze in Richtung der Synagoge geworfen, die das GebÀude jedoch nicht erreichten. Gestern Abend hatten sich rund 50 Menschen zu einer von Nachbarn organisierten Mahnwache gegen Antisemitismus vor der Synagoge eingefunden.
Seit dem Angriff der islamistischen PalĂ€stinenserorganisation Hamas auf Israel kam es mehrfach zu pro-palĂ€stinensischen Demonstrationen, bei denen einige Teilnehmer die islamistische Hamas bejubelten. Die Polizei verbot mehrere Demonstrationen, so auch eine gestern Abend. Heute will der Regierende BĂŒrgermeister Kai Wegner (CDU) eine RegierungserklĂ€rung zur Lage in Berlin, wo viele Juden und PalĂ€stinenser leben, mit dem Titel «Berlin hĂ€lt zusammen - Gemeinsam fĂŒr jĂŒdisches Leben und gegen Antisemitismus» abgeben.
In Neukölln brennen Autos
Auch in der Nacht kam es bei pro-palĂ€stinensischen Kundgebungen in Berlin - die zuvor verboten worden waren - zu Ausschreitungen. Die Polizei ging eigenen Angaben zufolge gegen Demonstrantinnen und Demonstranten vor, die MĂŒlltonnen, Reifen und Pyrotechnik anzĂŒndeten sowie mit Steinen, Flaschen und BrandsĂ€tzen warfen. Dabei wurden auch PolizeikrĂ€fte verletzt, sie blieben jedoch vorlĂ€ufigen Angaben zufolge im Dienst. Ein dpa-Reporter sagte, in Neukölln hĂ€tten vier Autos und ein Kleintransporter gebrannt. Böller und Steine seien auf Polizeiautos geschmissen worden. Auch seien antisemitische und pro-palĂ€stinensische Parolen skandiert worden.
Auch vor dem AuswĂ€rtigen Amt hatten sich mehrere Hundert Menschen eingefunden, um gegen Gewalt in Nahost zu demonstrieren. Die Versammlung wurde laut Polizei jedoch direkt von der Veranstalterin beendet. Zuvor war dort «Free Palestine from German guilt» (Befreit PalĂ€stina von der deutschen Schuld) gerufen worden, wie auf einem Video bei der «Berliner Zeitung» zu hören ist - eine Parole linker Israelgegner, die sich ebenso wie die rechtsextreme Schuldkult-These auf die deutsche Verantwortung fĂŒr den Holocaust bezieht.
Wasserwerfer in Frankfurt im Einsatz
Auch in anderen StÀdten in Deutschland kam es zu pro-palÀstinensischen Kundgebungen. In Frankfurt am Main setzte die Polizei einen Wasserwerfer ein, um eine verbotene pro-palÀstinensische Mahnwache aufzulösen. Laut Polizeisprecher nahmen etwa 100 Menschen an der Mahnwache an der Hauptwache teil. Auch in Kassel kam es zu einer pro-palÀstinensischen Spontanversammlung mit etwa 110 Teilnehmern, wie die Polizei mitteilte. Diese sei friedlich geblieben.
Ein Raketeneinschlag bei der Al-Ahli-Klinik im Gazastreifen mit möglicherweise Hunderten Toten löste vor allem in arabischen und islamischen LĂ€ndern groĂe Wut aus. Dort und auch in Deutschland kam es zu anti-israelischen Demonstrationen. Die von der Hamas kontrollierte Gesundheitsbehörde hatte dafĂŒr am Dienstagabend umgehend Israel verantwortlich gemacht, arabische Nachbarstaaten schlossen sich dem an. Israel wies dies entschieden zurĂŒck und sprach vom Einschlag einer verirrten Rakete der militanten PalĂ€stinenserorganisation Islamischer Dschihad. Auch die US-Regierung hĂ€lt Israel nach «derzeitiger EinschĂ€tzung» nicht fĂŒr verantwortlich.





