Bewegung im Zollstreit: EU bietet USA Freihandelsdeal an
07.04.2025 - 15:34:38 | dpa.deIm Zollstreit mit den USA bemĂŒht sich die EuropĂ€ische Union um Deeskalation: Die EU bietet den USA eine Vereinbarung zur gegenseitigen Aufhebung aller Zölle auf IndustriegĂŒter an. Trotz der Zollentscheidungen von US-PrĂ€sident Donald Trump sei die EuropĂ€ische Union bereit zu verhandeln, sagte EU-KommissionsprĂ€sident Ursula von der Leyen in BrĂŒssel.
Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur wurde das Angebot bereits vor Trumps Zollentscheidungen unterbreitet und zuletzt am Freitag erneuert. Auf Nachfrage ergĂ€nzte von der Leyen, vor allem das Thema Freihandel fĂŒr Autos sei bereits mehrfach auf dem Tisch gewesen, es habe allerdings keine adĂ€quate Antwort gegeben.
Vorbereitungen fĂŒr GegenmaĂnahmen
Von der Leyen machte deutlich, dass die EU neben ihren BemĂŒhungen um Verhandlungen mit den USA weiterhin mögliche GegenmaĂnahmen fĂŒr den Fall eines Scheiterns von Verhandlungen vorbereitet.
Dies war auch Gegenstand von Beratungen der EU-Handelsminister in Luxemburg. Der geschĂ€ftsfĂŒhrende Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck warnte dort vor ĂŒberhasteten Reaktionen, sprach sich zugleich aber fĂŒr die Vorbereitung von umfangreichen GegenmaĂnahmen aus.Â
Wichtig sei, dass Europa sich nicht spalten lasse, betonte der GrĂŒnen-Politiker. Auch eine Eskalation sollte aus Sicht seiner Sicht möglichst verhindert werden. «Es geht aus meiner Sicht darum zu vermeiden, dass wir in einen Zollkrieg, Zollwettlauf einsteigen», sagte Habeck.
Verluste an den Börsen
Als Reaktion auf das von Trump in der vergangenen Woche vorgelegte XXL-Paket von Importzöllen gingen die Börsen weltweit auf Talfahrt. Der deutsche Leitindex Dax stĂŒrzte in den ersten Minuten am ersten Handelstag der neuen Woche um rund zehn Prozent ab.
Der Zollstreit ĂŒberlagert auch die positive Februar-Bilanz der deutschen Exporteure. Der Aufwind dĂŒrfe nicht tĂ€uschen, sagt Dirk Jandura, PrĂ€sident des Bundesverbandes GroĂhandel, AuĂenhandel, Dienstleistungen (BGA): «Der Handelskrieg ist entfacht.»
Gerade fĂŒr die Exportnation Deutschland sind steigende Zölle Gift. «Sollten Verhandlungen wider Erwarten ĂŒberhaupt nichts bringen, droht fĂŒr dieses Jahr erneut eine Rezession», warnt Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg KrĂ€mer. Es wĂ€re fĂŒr Europas gröĂte Volkswirtschaft das dritte Jahr in Folge ohne Wirtschaftswachstum.
«Deutschland und die EU mĂŒssen in der neuen Weltordnung rasch ihre Rolle finden», mahnt BGA-PrĂ€sident Jandura. «Nicht nur die asiatischen, sondern auch die afrikanischen MĂ€rkte bieten erhebliches Potenzial fĂŒr Wachstum und GeschĂ€fte in der Zukunft.»
US-Regierung bereit zu Deals?
Trump signalisierte zwar Bereitschaft, unter bestimmten Bedingungen mit Handelspartnern ĂŒber eine Lockerung der neuen Zölle zu reden. Sein Handelsminister Howard Lutnick hatte zuvor aber angekĂŒndigt, dass die US-Regierung ihren harten Kurs mit hohen EinfuhrgebĂŒhren auf Waren aus fast allen Staaten der Erde durchziehen wolle.
Auf der von Trump prĂ€sentierten Liste stehen 185 Handelspartner, fĂŒr die deutlich höhere Importzölle gelten sollen. Einfuhren aus LĂ€ndern der EuropĂ€ischen Union will die USA mit 20 Prozent Zoll belegen.Â
Trump will mit Zöllen angebliche Handelsungleichgewichte korrigieren und Produktion in die USA verlagern. Zugleich sollen die Zolleinnahmen dazu dienen, sein teures Wahlversprechen groĂer Steuersenkungen zumindest teilweise gegenzufinanzieren.
Bessere GeschĂ€fte fĂŒr Deutschlands Exporteure im Februar
Der Februar brachte aus deutscher Sicht zumindest bei den Exportzahlen einen Hoffnungsschimmer: Waren «Made in Germany» im Gesamtwert von 131,6 Milliarden Euro wurden ins Ausland geliefert. Das waren nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 1,8 Prozent mehr als im Januar 2025 und 0,1 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Im Januar und Februar zusammengenommen lagen die Ausfuhren mit 260,8 Milliarden Euro unverÀndert auf Vorjahresniveau.
Die meisten deutschen Exporte gingen im Februar 2025 in die Vereinigten Staaten: Waren im Wert von 14,2 Milliarden Euro lieferten deutsche Hersteller in die USA und damit kalender- und saisonbereinigt 8,5 Prozent mehr als im Januar. Die Importe aus den Vereinigten Staaten sanken indes um 3,9 Prozent auf 7,6 Milliarden Euro. Deutsche Ausfuhren in die EU-PartnerlÀnder legten binnen Monatsfrist um 0,5 Prozent auf 70,2 Milliarden Euro zu.
JĂŒngste Stimmungsumfragen hatten Hoffnung gemacht
Trumps Zollpaket hat in der deutschen Exportwirtschaft die aufkeimende Hoffnung auf bessere Zeiten im Keim erstickt. Noch Ende MĂ€rz hatte das Ifo-Institut anhand seiner regelmĂ€Ăigen Befragungen von wachsender Zuversicht in der deutschen Exportwirtschaft berichtet: Die Anzahl der Branchen, die mit steigenden AuslandsumsĂ€tzen rechnen, habe deutlich zugenommen.
Seit Trump sein XXL-Zollpaket verkĂŒndet hat, ist die Handelswelt eine andere. «Der Welthandel befindet sich in einem grundlegenden Umbruch, der sich spĂŒrbar auf deutsche Unternehmen auswirken wird», sagt Volker Treier, AuĂenwirtschaftschef der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK). 70 Prozent der Unternehmen erwarten nach DIHK-Angaben negative Auswirkungen der US-Handelspolitik auf ihre GeschĂ€fte. Ein möglicher Aufschwung werde «komplett ausgebremst», sagt Treier.
Exportwirtschaft in der «AbwÀrtsspirale»
Das Gesamtjahr 2024 hatten Deutschlands Exporteure trotz ZuwĂ€chsen im Dezember mit einem Minus abgeschlossen. Insgesamt exportierte Deutschland im vergangenen Jahr Waren im Gesamtwert von 1.556 Milliarden Euro und damit 1,2 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Zehn Prozent der deutschen Ausfuhren (161,4 Mrd Euro) gingen 2024 in die USA. BGA-PrĂ€sident Jandura sieht die Exportwirtschaft, die in guten Zeiten ein Wachstumsmotor fĂŒr die deutsche Wirtschaft ist, schon seit lĂ€ngerem in einer «AbwĂ€rtsspirale».
So schÀtzen die Börsenprofis Aktien ein!
FĂŒr. Immer. Kostenlos.

