UEFA, Aleksander Ceferin

UEFA: Ceferin kandidiert erneut – Herausforderer für Infantino bleibt offen

Veröffentlicht am: 08.10.2026 um 17:53 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Aleksander Ceferin will weitere vier Jahre an der UEFA-Spitze bleiben. Europas Verbände suchen weiter nach einem Gegenkandidaten für FIFA-Präsident Gianni Infantino – und setzen sich dafür eine Frist bis zum 18. November.

  • Aleksander Ceferin (l) will UEFA-Präsident bleiben und fordert nicht Gianni Infantino (r) heraus.  - Bild: Robert Michael/dpa
    Aleksander Ceferin (l) will UEFA-Präsident bleiben und fordert nicht Gianni Infantino (r) heraus. - Bild: Robert Michael/dpa
  • Bernd Neuendorf (l) unterstĂĽtzt die erneute Kandidatur von Aleksander Ceferin (r) als UEFA-Präsident. (Archivbild) - Bild: Marijan Murat/dpa
    Bernd Neuendorf (l) unterstützt die erneute Kandidatur von Aleksander Ceferin (r) als UEFA-Präsident. (Archivbild) - Bild: Marijan Murat/dpa
  • DFB-Präsident Neuendorf fordert eine neue FIFA-FĂĽhrung. (Archivbild) - Bild: Florian Wiegand/dpa
    DFB-Präsident Neuendorf fordert eine neue FIFA-Führung. (Archivbild) - Bild: Florian Wiegand/dpa
Aleksander Ceferin (l) will UEFA-Präsident bleiben und fordert nicht Gianni Infantino (r) heraus.  - Bild: Robert Michael/dpa Bernd Neuendorf (l) unterstützt die erneute Kandidatur von Aleksander Ceferin (r) als UEFA-Präsident. (Archivbild) - Bild: Marijan Murat/dpa DFB-Präsident Neuendorf fordert eine neue FIFA-Führung. (Archivbild) - Bild: Florian Wiegand/dpa

Aleksander Ceferin will vier weitere Jahre Präsident der Europäischen Fußball-Union UEFA bleiben, doch Europas Verbände haben bei ihrem Treffen in Berlin weiterhin keinen Gegenkandidaten für FIFA-Chef Gianni Infantino benannt.

DFB verlangt Wechsel an der FIFA-Spitze

Statt einen Namen vorzulegen, verständigten sich die UEFA-Verbände mit Ausnahme Aserbaidschans auf Kriterien für die gesuchte Person: Sie solle eine respektierte und einigende Persönlichkeit sein und tief im Fußball verwurzelt bleiben.

DFB-Präsident Bernd Neuendorf bekräftigte den Wunsch nach einer neuen Führung des Weltverbandes. Die deutsche Delegation sei nicht davon überzeugt, dass mit der aktuellen FIFA-Führung ein glaubhafter Reformprozess möglich sei, sagte der 65-Jährige.

Ceferin nimmt Kandidatur fĂĽr UEFA an

Ceferin erklärte, er habe die Bitte der Verbände angenommen und werde beim UEFA-Kongress am 22. April im kasachischen Astana für eine weitere Amtszeit kandidieren. Der DFB unterstützt den Slowenen und bezeichnete ihn als starke, integre und mutige Führungspersönlichkeit, die europäische Interessen gegenüber der FIFA wirkungsvoll vertreten könne.

Vor zweieinhalb Jahren hatte Ceferin noch angekündigt, wegen Müdigkeit nicht erneut antreten zu wollen. Diese Einschätzung revidierte er nach Angaben aus UEFA-Kreisen intern relativ schnell und machte seine erneute Kandidatur nun öffentlich.

Gegenkandidat fĂĽr Infantino bleibt offen

Mit Ceferins Entscheidung scheidet der 58-Jährige auch offiziell als möglicher Herausforderer Infantinos aus. Der FIFA-Präsident soll bei der Wahl am 18. März dennoch einen Gegenkandidaten bekommen. Ob dieser aus Europa kommt oder lediglich von den europäischen Verbänden unterstützt wird, ist offen.

Bis zum 18. November muss die Opposition einen Bewerber offiziell benennen. Zuvor soll ein weiteres Treffen der 55 UEFA-Mitgliedsverbände stattfinden. Die Zeit drängt, weil Infantino auf einer weltweiten Reise weitere Unterstützer gewinnt und die europäische Front durch Aserbaidschan bereits einen Abweichler hat.

Widerstand in Asien bröckelt

Auch in Asien ist die klare Front gegen Infantino aufgebrochen. Mehrere arabische Verbände stellten sich zuletzt auf die Seite des FIFA-Chefs; zudem schlug der Präsident des asiatischen Kontinentalverbandes AFC moderatere Töne an.

Infantino steht nach einem im Sommer letztlich gescheiterten Vorstoß zur Vermarktung der WM-Rechte durch externe Investoren unter Druck. Er bot seinen Gegnern daraufhin erstmals Gespräche über mögliche Reformen an.

Ramon Vega bringt sich erneut ins Spiel

Als möglicher Herausforderer meldete sich der frühere Schweizer Nationalspieler Ramon Vega erneut zu Wort. Der 55-Jährige versprach fundamentale Reformen, hatte bei früheren Anläufen aber nicht die erforderlichen Unterstützerschreiben von fünf FIFA-Mitgliedsverbänden gesammelt.

Ein Machtkampf mit globaler Stimmenarithmetik

Die Auseinandersetzung zwischen UEFA und FIFA ist mehr als ein europäischer Personalstreit. Bei der FIFA-Präsidentenwahl entscheidet ein Kongress mit 211 Mitgliedsverbänden; für einen Wahlsieg sind mindestens 106 Stimmen erforderlich. Europas Verbände können deshalb einen Gegenkandidaten politisch stärken, die Wahl aber nur gewinnen, wenn sie Unterstützung über Europa hinaus organisieren.

Infantino führt die FIFA seit 2016 und strebt im März 2027 in Rabat eine vierte Amtszeit an. Nach der Kritik am gescheiterten Plan, WM-Rechte mit externen Investoren zu vermarkten, bot er Reformgespräche und Auszahlungen aus FIFA-Reserven an. Damit verbindet sich ein struktureller Vorteil des Amtsinhabers: Er kann politische Zugeständnisse und finanzielle Unterstützung unmittelbar mit seiner globalen Verbandsarbeit verknüpfen.

Ceferins Doppelrolle und der Zeitdruck

Ceferins erneute Kandidatur für die UEFA stärkt zunächst die europäische Führung im Verhältnis zur FIFA. Zugleich steht die Opposition unter Zeitdruck: Bis zum 18. November muss ein Bewerber offiziell benannt werden. Für den DFB und andere europäische Verbände geht es daher nicht nur um Kritik an Infantinos Führungsstil, sondern um ein belastbares Profil, das Reformversprechen, Integrität und internationale Mehrheiten verbinden kann.

Für Fußballfans bleibt der Konflikt vor allem bei Fragen der Governance relevant: Wer kontrolliert die Macht des FIFA-Präsidenten, wie transparent werden kommerzielle Entscheidungen getroffen und welche Rolle erhalten die Mitgliedsverbände? Das Berliner Treffen hat darauf politische Leitlinien geliefert, aber noch keinen Namen für die weltweite Gegenbewegung.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

WEB.DE: „Fragen und Antworten zum FIFA-Machtkampf“ (07.10.2026)

Der Bericht ordne den Berliner Gipfel als Signal für den weiteren Wahlkampf ein und hebe hervor, dass Infantino mit Reformbereitschaft, möglichen Ausschüttungen aus FIFA-Reserven und weltweiten Gesprächen um Unterstützung werbe. Anders als die aktuelle Meldung konzentriere sich der Beitrag auf die internationale Stimmenarithmetik, mögliche Kandidaten und rechtliche Schritte; offen bleibe, ob die Opposition bis zur Nominierungsfrist eine mehrheitsfähige Alternative formiere.

Tagesspiegel: „Machtkampf im Weltfußball: Schweizer Ex-Profi will Infantino herausfordern“ (07.10.2026)

Der Artikel stelle Ramon Vega als öffentlich auftretenden möglichen Herausforderer vor und erläutere, dass er dafür erneut Unterstützerschreiben von mindestens fünf FIFA-Mitgliedsverbänden benötige. Er bestätige den Berliner Suchprozess, setze den Schwerpunkt aber auf Vegas Bewerbung und die formalen Voraussetzungen; zugleich werde berichtet, dass Ceferin und Nasser al-Khelaifi eigene Ambitionen wiederholt zurückgewiesen hätten.

Beide Berichte bestätigten damit den Zeitdruck und die Suche nach einer Alternative, unterschieden sich jedoch beim Schwerpunkt: WEB.DE beleuchte die Machtbasis und Infantinos Gegenstrategie, während der Tagesspiegel die Kandidaturvoraussetzungen und Ramon Vega hervorhebe.

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