Ukraine: Merz sagt Kiew 1,35 Milliarden Euro Hilfe zu und fordert Putin zum Kriegsende auf
Veröffentlicht am: 04.10.2026 um 17:21 Uhr | dpa, AD HOC NEWSBundeskanzler Friedrich Merz hat der Ukraine bei einem SolidaritĂ€tsbesuch in Kiew weitere UnterstĂŒtzung zugesagt und den russischen PrĂ€sidenten Wladimir Putin zum Ende des Krieges aufgefordert.
Appell an Putin wÀhrend Drohnenalarm
Vor der Ruine der Akademie der Wissenschaften sagte Merz: «Herr Putin, hören Sie diesen sinnlosen Krieg auf!» Er sei zu GesprĂ€chen bereit, doch die Angriffe auf die ukrainische Zivilbevölkerung mĂŒssten enden.
WĂ€hrend des Besuchs setzte Russland seine Luftangriffe auf Kiew und andere Teile der Ukraine fort. Auf der NordbrĂŒcke ĂŒber den Dnipro schlug erneut eine Drohne ein; nach offiziellen Angaben wurden mindestens zwei Menschen verletzt.
Mehrfach Alarm in der Hauptstadt
Der Kanzler hielt sich zu diesem Zeitpunkt in der deutschen Botschaft auf. In den ersten fĂŒnf Stunden seines Aufenthalts wurde fĂŒnfmal Drohnenalarm ausgelöst, insgesamt gab es wĂ€hrend des Besuchs sechsmal Alarm.
Merz besichtigte gemeinsam mit dem ukrainischen PrÀsidenten Wolodymyr Selenskyj die Reste der Akademie der Wissenschaften. Dort bezeichnete er die Angriffe auf die Zivilbevölkerung als tÀgliche Kriegsverbrechen.
1,35 Milliarden Euro fĂŒr Waffen und Energie
Deutschland will in KĂŒrze Tausende Abfangdrohnen liefern. Zudem soll die Produktion weitreichender Waffen vorangetrieben werden, mit denen Nachschublinien hinter der Front angegriffen werden können.
DafĂŒr soll eine Milliarde Euro aus bereits bewilligten Haushaltsmitteln freigegeben werden. Weitere 350 Millionen Euro sind fĂŒr die Reparatur und den Wiederaufbau zerstörter Kraftwerke vorgesehen.
Wirtschaftsdelegation begleitet den Kanzler
Merz wurde von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche und zehn Unternehmern aus den Bereichen RĂŒstung und Energie begleitet. WĂ€hrend des Besuchs wurden 16 Unternehmensabkommen mit einem Gesamtwert von 6,5 Milliarden Euro unterzeichnet.
Selenskyj dankte Deutschland fĂŒr die UnterstĂŒtzung und sprach von konsequenter FĂŒhrungsstĂ€rke beim Schutz der ukrainischen Bevölkerung. Der Kanzler betonte, auf deutsche Hilfe könne die Ukraine weiter zĂ€hlen.
Vierter Kanzlerbesuch seit 2022
FĂŒr Merz war es der zweite Besuch in Kiew und der vierte Besuch eines deutschen Kanzlers in der Ukraine seit Beginn der russischen Invasion im Februar 2022. Russland kĂŒndigte wĂ€hrend des Besuchs eine weitere VerschĂ€rfung seiner Angriffe an und begrĂŒndete dies mit angekĂŒndigten ukrainischen Angriffen auf militĂ€rische Ziele und RĂŒstungsbetriebe in Russland.
Wenige Stunden vor Merz' Ankunft hatte das russische AuĂenministerium auslĂ€ndische Besucher und Diplomaten vor einem Aufenthalt in Kiew gewarnt. Merz lieĂ sich davon nicht abbringen und verwies auf die Bedeutung der deutschen UnterstĂŒtzung fĂŒr die Sicherheit Europas.
Besuch im Zeichen des fĂŒnften Kriegswinters
Der Auftritt in Kiew fĂ€llt in eine Phase, in der Russland seine Angriffe auf die ukrainische Hauptstadt und die Energieversorgung verstĂ€rkt. FĂŒr die Ukraine geht es vor dem fĂŒnften Kriegswinter nicht nur um militĂ€rische Abwehr, sondern auch darum, Stromversorgung, WĂ€rme und zentrale Infrastruktur funktionsfĂ€hig zu halten.
Die angekĂŒndigten Hilfen verbinden deshalb mehrere Ebenen: Abfangdrohnen sollen den Schutz vor russischen Luftangriffen verbessern, die gemeinsame Produktion weitreichender Waffen die ukrainischen FĂ€higkeiten gegen militĂ€rische Ziele stĂ€rken. Die zusĂ€tzlichen Mittel fĂŒr Kraftwerke zielen zugleich auf die WiderstandsfĂ€higkeit der Zivilbevölkerung. FĂŒr Deutschland bedeutet das eine Fortsetzung der bisherigen UnterstĂŒtzung mit einem stĂ€rkeren Schwerpunkt auf industrieller Zusammenarbeit.
Signal an Moskau und an die deutsche Debatte
Der Besuch besitzt zudem eine politische und sicherheitspolitische Signalwirkung. Merz stellt die deutsche UnterstĂŒtzung demonstrativ auch unter unmittelbarer Bedrohung heraus und verbindet sie mit dem Appell an Russland, den Krieg zu beenden. Die Reise soll damit sowohl die ukrainische FĂŒhrung als auch europĂ€ische Partner von der deutschen VerlĂ€sslichkeit ĂŒberzeugen.
Innenpolitisch dĂŒrfte die Finanzierung weiterer Hilfen zugleich umstritten bleiben. Die GröĂenordnung von 1,35 Milliarden Euro, die bereits bewilligte Mittel und den Wiederaufbau von Energieanlagen umfasst, zeigt, dass militĂ€rische UnterstĂŒtzung und zivile Krisenvorsorge zunehmend zusammengehören. FĂŒr Menschen in Deutschland ist der Vorgang deshalb nicht nur auĂenpolitisch relevant: Er berĂŒhrt Haushaltsentscheidungen, die Sicherheitslage Europas und die Frage, wie lange der Krieg die Energie- und Verteidigungspolitik prĂ€gen wird.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
tagesschau: âKrieg gegen die Ukraine: Kanzler Merz besucht Kiewâ (04.10.2026)
Der Bericht bestÀtige den SolidaritÀtsbesuch und stelle die geplante Lieferung Tausender Abfangdrohnen sowie die gemeinsame Produktion weitreichender Waffen heraus. Als zusÀtzlichen Schwerpunkt hebe er die russische Warnung vor Reisen nach Kiew und die verschÀrfte Sicherheitslage hervor.
Deutschlandfunk: âUkraine-Krieg - Luftangriff auf Kiew wĂ€hrend Besuch von Merzâ (04.10.2026)
Der Beitrag bestĂ€tige den Drohnenangriff auf die NordbrĂŒcke wĂ€hrend des Kanzlerbesuchs und ordne ihn in die zuletzt verschĂ€rften Angriffe auf BrĂŒcken, Energieinfrastruktur und zivile Ziele ein. Anders als der Bericht der tagesschau lege er den Schwerpunkt auf die unmittelbare GefĂ€hrdung in Kiew und die EinschĂ€tzung der dortigen Lage als extrem dramatisch.
Beide Berichte stimmten darin ĂŒberein, dass Merz trotz russischer Warnungen nach Kiew gereist sei und weitere militĂ€rische sowie infrastrukturelle Hilfe zugesagt werden solle. Unterschiede ergĂ€ben sich vor allem beim Schwerpunkt: Der eine Bericht betone das politische Signal und die Hilfsplanung, der andere die konkrete Angriffslage wĂ€hrend des Besuchs.
