Hilfen, Hindernisse

Mehr Hilfen und Hindernisse zum Schutz vor Suiziden

02.05.2024 - 20:22:56

Um die Zahl der Suizide zu senken, soll die PrĂ€vention verstĂ€rkt werden. Im Fokus stehen etwa eine mögliche neue Telefon-Hotline – und mehr ZĂ€une.

Es geht um Hilfe fĂŒr Menschen in besonders verzweifelter Lage: Um Selbsttötungen stĂ€rker vorzubeugen, sollen Anlaufstellen und Beratung ausgebaut werden. Darauf zielt eine PrĂ€ventionsstrategie, die Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach vorgestellt hat. Seit gut 20 Jahren nehme die Zahl der Suizide mit rund 10.000 betroffenen Menschen pro Jahr nicht ab, sagte der SPD-Politiker in Berlin. «Es sind oft Kurzschlussentscheidungen, und es sind oft Tragödien, auch fĂŒr die Familien.» Daher gelte es, die Suizidrate zu senken. Im Blick stehen unter anderem eine neue Telefon-Hotline und mehr Sicherungen an BrĂŒcken.

«Das Schicksal der Betroffenen, der Angehörigen und HilfskrĂ€fte darf uns nicht egal sein», sagte Lauterbach. GrĂ¶ĂŸtenteils gehe es bei Suiziden um MĂ€nner, hĂ€ufig Ältere, die zuvor psychische Probleme gehabt hĂ€tten. Insgesamt mĂŒsse eine systematische Betreuung dieser Menschen gewĂ€hrleistet werden. Vorgesehen ist dafĂŒr nun auch ein gesetzlicher Rahmen. 

Viele Hilfsangebote nur befristet finanziert

Die Chefin der Deutschen Gesellschaft fĂŒr SuizidprĂ€vention, Ute Lewitzka, verwies darauf, dass durch Suizide jedes Jahr mehr Menschen ums Leben kommen als bei VerkehrsunfĂ€llen. NatĂŒrlich werde alles versucht, Unfalltote zu verhindern. «Aber bisher war es noch nicht so offensichtlich, was wir in diesem Land tun, um die SuizidalitĂ€t zu beeinflussen.» Bestehende Angebote seien oft nur befristet finanziert. Im Blick stehen sollen jetzt verschiedene Bereiche:

  • Krisenhotline: Lauterbach sagte, denkbar sei eine nationale Rufnummer wie zum Beispiel die 113 – Ă€hnlich wie die bekannten Nummern 110 fĂŒr die Polizei und 112 fĂŒr die Feuerwehr. Dort mĂŒsste rund um die Uhr ein wissenschaftlich fundiertes Hilfsangebot vorgehalten werden. Expertin Lewitzka erlĂ€uterte, es gehe um eine ganz spezielle Beratung bei akuten Suizidgedanken auch ĂŒber die «wunderbare Arbeit der Telefonseelsorgen» hinaus.
  • Hindernisse: Als wichtiger Ansatzpunkt gilt, bekannte Risiko-Orte mit schĂŒtzenden Bauten abzusichern und abzusperren, zum Beispiel mit ZĂ€unen oder Auffangnetzen an BrĂŒcken, HochhĂ€usern oder Bahnanlagen. Denn oft fixierten sich SuizidplĂ€ne auf einen Ort, erlĂ€uterte Lauterbach. Sei der Suizid dann dort nicht möglich, werde die Absicht hĂ€ufig ganz aufgegeben.
  • Weitere Maßnahmen: Angepeilt werden auch verstĂ€rkte Schulungen etwa fĂŒr FachkrĂ€fte in Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen. Lauterbach nannte zudem kleinere PackungsgrĂ¶ĂŸen von Schmerzmitteln und ein mögliches Register mit pseudonymisierten Daten zu Suiziden.

Insgesamt sei die Entstehung von SuizidalitĂ€t komplex, sagte Expertin Lewitzka. GrĂ¶ĂŸter Risikofaktor seien psychische Erkrankungen wie etwa Depressionen. Ursachen könnten aber auch SchicksalsschlĂ€ge, Verluste, KrĂ€nkungen, schwere Erkrankungen oder Einsamkeit sein. Die Zahl der Suizide in Deutschland stieg nach Angaben des Statistischen Bundesamts 2022 auf 10.119. Das entsprach rechnerisch fast 28 FĂ€llen am Tag. Auf lĂ€ngere Sicht sank die Zahl demnach aber, so waren es 1980 rund 50 Suizide pro Tag. Generell wurden drei Viertel der Suizide von MĂ€nnern begangen – im Schnitt im Alter von rund 60 Jahren, bei Frauen mit gut 61 Jahren. 

Gesetz zur Sterbehilfe noch in dieser Wahlperiode?

Das Thema ist jetzt auf die Agenda gerĂŒckt, nachdem der Bundestag im Juli 2023 einen Ausbau der Vorbeugung eingefordert hatte. Damals waren zwei Initiativen gescheitert, fĂŒr Angebote zur Sterbehilfe einen gesetzlichen Rahmen mit Vorgaben zu Wartezeiten und Beratungen zu schaffen. Stattdessen forderte das Parlament mit großer Mehrheit mit einem Antrag, PrĂ€ventionsangebote umfassend auszubauen.

Inzwischen beschĂ€ftigen sich Abgeordnetengruppen wieder mit einem möglichen zweiten Anlauf noch in dieser Wahlperiode bis 2025. Lauterbach zeigte sich als Parlamentarier grundsĂ€tzlich offen dafĂŒr. Expertin Lewitzka sprach sich dafĂŒr aus, vor einer möglichen Regelung zur Sterbehilfe das nun angepeilte PrĂ€ventionsgesetz zu besiegeln. Die damit vorgesehenen Bremsen brauche es vorher.

Hilfsangebote:

Haben Sie suizidale Gedanken oder haben Sie diese bei einem Angehörigen/Bekannten festgestellt? Hilfe bietet die Telefonseelsorge: Anonyme Beratung erhĂ€lt man rund um die Uhr unter den kostenlosen Nummern 0800 / 111 0 111 und 0800 / 111 0 222. Auch eine Beratung ĂŒber das Internet ist möglich unter http://www.telefonseelsorge.de.

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