Parteien, Energie

Schneider widerspricht Reiche in Energiepolitik

05.05.2026 - 06:26:02 | dts-nachrichtenagentur.de

Umweltminister Carsten Schneider (SPD) widerspricht seiner Kabinettskollegin Katherina Reiche (CDU) in zentralen Fragen der Energiepolitik.

Carsten Schneider und Katherina Reiche (Archiv) - Foto: via dts Nachrichtenagentur
Carsten Schneider und Katherina Reiche (Archiv) - Foto: via dts Nachrichtenagentur
Die Aussage der Wirtschaftsministerin stimme zwar, dass die erneuerbaren Energien bisher nur 20 Prozent der verbrauchten Energie in Deutschland bereitstellten, schreibt der fĂŒr den Klimaschutz zustĂ€ndige Minister in einem Gastbeitrag fĂŒr die FAZ. "Dennoch fĂŒhrt die Rechnung in die Irre, denn sie bezieht sich nur auf den PrimĂ€renergiebedarf", kontert Schneider, ohne Reiche direkt beim Namen zu nennen.

Der PrimĂ€renergiebedarf umfasse auch gewaltige Umwandlungs- und Transportverluste, belehrt der Minister die Kollegin, "die nur dadurch entstehen, dass wir die ineffizienten EnergietrĂ€ger Kohle und Öl einsetzen". Ein Verbrennungsmotor setze nur 25 bis 40 Prozent der eingesetzten Energie in Bewegung um, argumentiert Schneider. "Elektrische Antriebe bringen 80 bis 90 Prozent auf die Straße."

Zuvor hatte Reiche ebenfalls in der FAZ darauf aufmerksam gemacht, dass erneuerbare Quellen inzwischen zwar mehr als die HĂ€lfte des Bedarfs an ElektrizitĂ€t deckten. Am deutschen Gesamtenergieverbrauch, also einschließlich etwa Verkehr und WĂ€rme, betrage ihr Anteil jedoch nur ein FĂŒnftel. TatsĂ€chlich ist die Aussage auch jenseits des von Schneider als irrefĂŒhrend bezeichneten PrimĂ€renergieverbrauchs korrekt. Die Internationale Energieagentur IEA, die EU und die Weltbank messen den Gesamtendenergieverbrauch TFEC oder den Bruttoendenergieverbrauch GFEC. Diese Betrachtungen blenden die Umwandlungsverluste der fossilen Erzeugung aus. Selbst so berechnet zeigen die jĂŒngsten Daten fĂŒr die Erneuerbaren in Deutschland nur einen Anteil von maximal 22,5 Prozent.

Reiche wird vorgeworfen, ihr jĂŒngster "Hattrick" von drei GesetzentwĂŒrfen bremse die Energiewende aus. Dazu gehören die Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) mit Abstrichen an der privaten Solarförderung, die Kraftwerksstrategie zum Bau neuer Gasanlagen als Erzeugungspuffer fĂŒr Dunkelflauten sowie - drittens - das Netzpaket zum Anreiz fĂŒr Solar-, Windparks und Speicher, sich dort anzusiedeln, wo ihr Strom wirklich abtransportiert werden kann.

Schneider geht Reiche nicht direkt an, doch lĂ€sst sich aus seinem Beitrag deutliche Skepsis gegen ihre PlĂ€ne herauslesen. So schreibt er: "Es wĂ€re absurd, in der Energiewende gerade jetzt zu schlingern." Die gegenwĂ€rtige Preiskrise zeige, wie verwundbar die AbhĂ€ngigkeit von auslĂ€ndischem Öl und Gas Deutschland mache. Wind und Sonne seien "Sicherheitsenergien". Die Energiewende sei "wirtschaftlich und geopolitisch rational". MobilitĂ€t und WĂ€rme zu elektrifizieren, fĂŒhre zu Investitionen in heimische Technologien und mehr Wertschöpfung, das "senkt den Verbrauch und entlastet den Geldbeutel".

Reiches BefĂŒrchtung ist eine gegenteilige: dass die zu starke Konzentration auf die Erneuerbaren sowohl die Bezahlbarkeit als auch die Versorgungssicherheit gefĂ€hrdet. Sofort aus den Fossilen auszusteigen und zugleich die Erneuerbaren stĂ€rker auszubauen - "so einfach ist das nicht", hatte sie in der FAZ geschrieben. WĂ€hrend sich Deutschland an "schöne Zahlen" klammere, "die unser schlechtes Gewissen besĂ€nftigen", darunter die KlimaneutralitĂ€t bis 2045, seien die Strompreise regelrecht explodiert, monierte Reiche: "Unsere Industrie blutet aus, die Deindustrialisierung beschleunigt sich." Das klingt ganz anders als bei Schneider, der von Entlastungen fĂŒr den Geldbeutel spricht und schreibt: "Die grĂŒne Wirtschaft ist ein Wachstumsmarkt, auch aus diesen wirtschaftspolitischen GrĂŒnden halten wir an den Klimazielen fest."

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