Erste BundeslÀnder scheren nach MPK-Beschluss zu AsylantrÀgen aus
10.11.2023 - 22:33:43Die "Welt am Sonntag" wird in ihrer Ausgabe aus dem Papier zitieren. Weiter heiĂt es dort, es lasse sich "angesichts der angespannten Gesamtlage nicht vermeiden, die wöchentlichen Verteilzahlen weiter zu erhöhen". Auch andere BundeslĂ€nder leiten Asylbewerber schon frĂŒh an die Kommunen weiter - zum Teil, bevor das Asylverfahren mit der Anhörung beim Bamf richtig beginnt. So teilt das zustĂ€ndige Innenministerium in Niedersachsen auf Anfrage mit, dass es "aufgrund der hohen Auslastung" der Einrichtungen derzeit möglich sei, "dass Personen vor ihrem Anhörungstermin verteilt werden". Das Integrationsministerium in Nordrhein-Westfalen erklĂ€rt, dass man derzeit "von der bewĂ€hrten und richtigen Praxis der Zuweisung erst nach erfolgter Anhörung in Teilen abweichen muss". Ăhnliches ist aus Sachsen-Anhalt zu hören. Die Praxis steht nicht nur im Widerspruch zum MPK-Beschluss - sondern auch zu bereits existierenden gesetzlichen Regeln. "Dass Asylbewerber verstĂ€rkt an die Kommunen weitergereicht werden, ist nicht neu. Aber es hat eine völlig neue Dimension, wenn sich die MinisterprĂ€sidentenkonferenz mit dem Kanzler explizit darauf festlegt, dass die Menschen zumindest bis zum Abschluss des Verfahrens vor allem in den Ernstaufnahmezentren der LĂ€nder versorgt werden sollen, und kurz darauf mitgeteilt wird, dass es munter so weitergeht wie bisher und die Kommunen das Gros der Asylbewerber betreuen mĂŒssen", sagte Reinhard Sager (CDU), PrĂ€sident des Deutschen Landkreistages, der "Welt am Sonntag". "Das geht so nicht, dafĂŒr haben auch wir keine KapazitĂ€ten mehr. Die LĂ€nder mĂŒssen das, was mit dem Kanzler vereinbart wurde, jetzt auch durchhalten. Sie mĂŒssen die notwendigen ErstaufnahmeplĂ€tze schaffen. Der Bund muss beim zustĂ€ndigen Bundesamt fĂŒr Migration dringend personell weiter aufrĂŒsten." Der HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer des StĂ€dte- und Gemeindebunds, Gerd Landsberg, kritisierte: "Wenn Bund und LĂ€ndern einen entsprechenden Beschluss zu den Asylverfahren treffen, muss es dafĂŒr einen Handlungsplan geben - und genau den gibt es nicht. Wir fordern seit Jahren mir PlĂ€tze in den Erstaufnahmeeinrichtungen der LĂ€nder. Und wir werden noch mehr KapazitĂ€ten brauchen, weil noch mehr Menschen zu uns kommen." Andreas Göbel, hauptgeschĂ€ftsfĂŒhrender Direktor des Landkreistages Rheinland-Pfalz, verteidigte das Vorgehen des Bundeslandes: "In der MinisterprĂ€sidentenkonferenz wurde mit dem Beschluss, möglichst viele Menschen in den Erstaufnahmeeinrichtungen zu betreuen, ein Ziel formuliert, das kurzfristig nicht umsetzbar ist. Der Druck ist einfach zu groĂ, es kommen zu viele Menschen. Die PlĂ€tze in den Erstaufnahmeeinrichtungen reichen nicht aus. Obwohl das Land sich bemĂŒht hat, mehr Platz zu schaffen. FĂŒr eine Entlastung wĂ€re eine Begrenzung der Zuwandererzahlen nötig. Ob die BeschlĂŒsse der MPK in dieser Richtung wirken, bezweifle ich."


