Bahn, Schieflage

Deutsche Bahn in Schieflage - Konzern muss sparen

25.07.2024 - 14:32:31

UnpĂŒnktliche ZĂŒge, weniger FahrgĂ€ste und ein erneuter Milliardenverlust: FĂŒr die Deutsche Bahn lĂ€uft es derzeit alles andere als gut. Wenigstens eine Sache soll nun besser werden.

  • Weniger FahrgĂ€ste im Fernverkehr, mangelnde ZuverlĂ€ssigkeit: Das erste Halbjahr lief fĂŒr die Deutsche Bahn nicht rund. - Foto: Christoph Soeder/dpa

    Christoph Soeder/dpa

  • Zu alt, zu knapp, zu störanfĂ€llig: Die Sanierung des Schienennetzes steht nach Ansicht von Bahnchef Richard Lutz aktuell im Mittelpunkt. - Foto: Hannes P Albert/dpa

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  • Im Fernverkehr verzeichnete die Bahn im ersten Halbjahr 2024 weniger FahrgĂ€ste als im Vorjahreszeitraum. - Foto: Andreas Arnold/dpa

    Andreas Arnold/dpa

Weniger FahrgĂ€ste im Fernverkehr, mangelnde ZuverlĂ€ssigkeit: Das erste Halbjahr lief fĂŒr die Deutsche Bahn nicht rund. - Foto: Christoph Soeder/dpaZu alt, zu knapp, zu störanfĂ€llig: Die Sanierung des Schienennetzes steht nach Ansicht von Bahnchef Richard Lutz aktuell im Mittelpunkt. - Foto: Hannes P Albert/dpaIm Fernverkehr verzeichnete die Bahn im ersten Halbjahr 2024 weniger FahrgĂ€ste als im Vorjahreszeitraum. - Foto: Andreas Arnold/dpa

Streiks, Extremwetter, Baustellen, miese PĂŒnktlichkeit - die Probleme der Deutschen Bahn haben sich im ersten Halbjahr auch in der Zahl der Reisenden widergespiegelt. Im Fernverkehr verzeichnete der bundeseigene Konzern ein Minus an FahrgĂ€sten von sechs Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, wie aus der Halbjahresbilanz hervorgeht. Die PĂŒnktlichkeit im Fernverkehr lag im ersten Halbjahr bei nur noch 62,7 Prozent - rund sieben Prozentpunkte weniger als im ersten Halbjahr 2023.

Auch finanziell lief das erste Halbjahr fĂŒr den bundeseigenen Konzern nicht gut: Nach Zinsen und Ertragssteuern steht ein Verlust von 1,2 Milliarden Euro. Das Unternehmen muss deshalb sparen. Finanzvorstand Levin Holle betonte: «Wir mĂŒssen in Zukunft mehr Bahn mit weniger Menschen schaffen.» 

Der Konzern werde daher insbesondere in der Verwaltung Tausende Stellen streichen. «Wir wollen in den nĂ€chsten fĂŒnf Jahren den Personalbedarf um etwa 30.000 Vollzeitpersonale reduzieren», sagte Holle. Bahnchef Lutz betonte aber: Dort, wo Personal gebraucht werde, werde auch weiterhin in hohem Umfang eingestellt. 

Spekulationen ĂŒber eine AusdĂŒnnung des Fernverkehrs erteilte Lutz eine Absage. «Es gibt weder konkrete noch andere PlĂ€ne, im Fernverkehr irgendwelche Verbindungen strukturell und nachhaltig auszudĂŒnnen», sagte er. FĂŒr das kommende Jahr habe der Konzern «alles angemeldet, was wir gerade auch fahren». Lutz sagte aber, dass derzeit aufgrund des hohen Baugeschehens der Verkehr an einigen Stellen reduziert worden sei. 

Infrastruktur bremst ZĂŒge aus

Das kaputte Schienennetz ist wohl das grĂ¶ĂŸte Problem der Bahn. Die Infrastruktur sei «einfach zu alt, zu knapp, zu störanfĂ€llig», sagte Lutz. «Wir mĂŒssen die Infrastruktur wieder so herrichten, dass sie auf Wachstum und Verkehrsverlagerung ausgerichtet ist.»

Viel Hoffnung steckt der Konzern in das Konzept der Generalsanierungen: WĂ€hrend einer monatelangen Vollsperrung soll dabei eine Strecke grundlegend modernisiert werden. Seit eineinhalb Wochen lĂ€uft auf der Strecke zwischen Frankfurt und Mannheim die erste von 41 Generalsanierungen. Bis diese Großbaustellen Wirkung zeigen, wird es aber noch dauern: Die 41 Bauvorhaben sollen 2031 abgeschlossen sein. 

Unwetter nehmen zu

Zu zusĂ€tzlichen Baumaßnahmen wird absehbar das Klima fĂŒhren. Lutz sprach fĂŒr das erste Halbjahr von einer «nicht gekannten HĂ€ufung von Extremwettereignissen», die den Bahnverkehr beeintrĂ€chtigt hĂ€tten. «Wir werden uns darauf einstellen und bauliche Vorkehrungen treffen mĂŒssen, um die Folgen abzufedern», sagte Lutz. 

PĂŒnktlichkeitsquote sinkt

Die marode Infrastruktur und die Unwetterfolgen belasteten die PĂŒnktlichkeit der Bahn deutlich. «An Tagen mit Extremwetter haben wir bis zu 26 Prozentpunkte bei der PĂŒnktlichkeit verloren», sagte Lutz. Besonders schwierig war die Lage dem Konzern zufolge im Juni. In gleich mehreren Regionen kam es zu Überflutungen, DammschĂ€den und Hangrutschen, die sich auch auf den Bahnverkehr auswirkten. Fast jeder zweite Zug war verspĂ€tet, hatte also eine Verzögerung von mindestens sechs Minuten. Die PĂŒnktlichkeitsquote im Juni lag bei 52,9 Prozent. Ausgerechnet in diesem Monat begann dann auch noch die Fußball-Europameisterschaft

In der zweiten JahreshĂ€lfte soll es nun etwas besser werden. Konkret sollen bis zum Jahresende insgesamt zwischen 63 und 67 Prozent der FernzĂŒge ohne grĂ¶ĂŸere Verzögerungen unterwegs gewesen sein. DafĂŒr muss sich die ZuverlĂ€ssigkeit in den kommenden Monaten deutlich verbessern.

Nachfrage wackelt

Die FahrgĂ€ste reagieren offensichtlich auf die Probleme der Bahn, auf UnpĂŒnktlichkeit, drohende ZugausfĂ€lle wegen Streiks und Baustellen: 64,2 Millionen Reisende im Fernverkehr in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres bedeuten ein Minus von sechs Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das Ziel einer Verdopplung der Verkehrsleistung im Personenverkehr - also mehr gefahrene Kilometer und mehr Reisende - rĂŒckt damit in die Ferne.

Die Zuversicht ist aber groß, dass der negative Trend nicht lange anhĂ€lt. Laut Finanzvorstand Holle lief es im Juni mit Blick auf die UmsĂ€tze im Fernverkehr schon wieder deutlich besser als in den Monaten davor, im Regionalverkehr wurden auch aufgrund der Deutschlandtickets im ersten Halbjahr sechs Prozent mehr FahrgĂ€ste gezĂ€hlt als im Vorjahreszeitraum. Vor allem auf den zentralen Strecken sei die Nachfrage da, sagte Lutz.

Die Verdopplung der Verkehrsleistung ist ĂŒbrigens nicht allein das Ziel der Bahn - mehr Menschen und mehr GĂŒter auf der Schiene will auch die Bundesregierung. Das hat sie im Koalitionsvertrag festgeschrieben.

Wirtschaftliche Lage spannt sich weiter an

Nahezu sĂ€mtliche GeschĂ€ftsfelder machten operativ ein Minus. Lediglich die zum Verkauf stehende Logistiktochter DB Schenker erwirtschaftete einen operativen Gewinn (Ebit) von 520 Millionen Euro. «Die Bahn muss wirtschaftlicher und wettbewerbsfĂ€higer werden und die AnsprĂŒche, die die Menschen und Unternehmen zurecht an sie haben, erfĂŒllen», forderte Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP). 

Ein Großteil der Verluste geht darauf zurĂŒck, dass die Bahn bei Investitionen in die Infrastruktur auch in diesem Jahr in Vorleistung gegangen ist. FĂŒr 2024 rechnet sie deshalb mit erheblichen RĂŒckzahlungen des Bundes. Bahnchef Lutz hĂ€lt deshalb am Ziel fest, dass am Ende des Jahres zumindest operativ, also vor Zinsen und Steuern, wieder ein Gewinn in Höhe von einer Milliarde Euro steht. 

Zudem konnte der Konzern seine hohen Verbindlichkeiten um rund eine Milliarde Euro auf nunmehr 33 Milliarden Euro im Vergleich zum Jahresende reduzieren. Das lag zum einen am Verkauf der Auslandstochter Arriva und zum anderen an der Auszahlung eines ersten Teils einer milliardenschweren Eigenkapitalerhöhung des Bundes.

@ dpa.de