Experten: Trumps Forschungsfeindlichkeit hat Folgen fĂŒr Alle
14.04.2025 - 05:56:58Etliche Stellenstreichungen und BudgetkĂŒrzungen wurden fĂŒr die US-Forschung festgelegt, zudem kehrte sich Trump von der Weltgesundheitsorganisation und dem Pariser Klimaabkommen ab. "Die Auswirkungen sind nicht auf die USA begrenzt, denn Wissen und Wissenschaft sind global vernetzt", betont Sven Grimm vom German Institute of Development and Sustainability (IDOS) in Bonn.
KĂŒrzungen etwa bei den US-Gesundheitsbehörden NIH und CDC erhöhten die globalen Risiken fĂŒr die Ausbreitung von Infektionskrankheiten, erklĂ€rte Grimm. "Insbesondere im sĂŒdlichen Afrika, aber auch weit darĂŒber hinaus dĂŒrfte dies schwerwiegende Folgen fĂŒr die individuelle Gesundheit und fĂŒr Gesundheitssysteme haben - und fĂŒr die Entwicklungsmöglichkeiten von Gesellschaften."
"Gesundheit der Menschen lokal und global gefÀhrdet"
Mit den erfolgten und angekĂŒndigten MaĂnahmen werde die Aufgabe der Wissenschaft unterminiert, verlĂ€ssliches, unabhĂ€ngiges Wissen fĂŒr die Gesellschaft zur VerfĂŒgung zu stellen, sagte Katrin Böhning-Gaese vom Helmholtz-Zentrum fĂŒr Umweltforschung (UFZ) in Leipzig. "Wenn zum Beispiel die ToxizitĂ€t von Chemikalien nicht mehr bekannt ist, dann ist die Gesundheit der Menschen lokal und global gefĂ€hrdet."
Als ein weiteres Beispiel nennt Ulf Dittmer, Direktor des Instituts fĂŒr Virologie am UniversitĂ€tsklinikum Essen, das Vogelgrippe-Virus H5N1 in den USA, das dort unter anderem bei Rindern kursiert. Bei den ersten FĂ€llen in Texas habe die dortige republikanische Regierung die Untersuchungen massiv beeinflusst, indem sie etwa Analysen von Milchproben verhinderte, erklĂ€rte der Virologe. Erst seitdem das Virus in Kalifornien angekommen sei, einem von den Demokraten regierten Staat, habe die Wissenschaft wichtige Virussequenzen.
Zum Schweigen und Vertuschen angehaltene Behörden
Was in Texas passierte, sei nun auch bei der Gesundheitsbehörde CDC, die frĂŒher sehr transparent gewesen sei, zu sehen. "Nun schweigt man zum Beispiel bei den beobachteten H5N1-Infektionszirkeln zwischen Hauskatzen und Menschen", sagte Dittmer. Informationen dazu seien aufgrund eines Dekrets der Regierung aktiv von der CDC-Website entfernt worden. "So weit sind wir schon."
Klimaverhalten der USA beeinflusst alle Menschen
Inwiefern in den USA neu aufflackernde Krankheiten wie die Masern die globale Gesundheit beeintrĂ€chtigen werden, ist noch ungewiss. Definitiv Folgen fĂŒr jeden einzelnen Menschen weltweit hat das Handeln der USA im Bereich Klima. "Erste AbschĂ€tzungen gehen davon aus, dass durch Trump im Jahr 2030 vier Milliarden Tonnen an Treibhausgasen - also CO2-Ăquivalente - mehr ausgestoĂen werden als das unter Biden der Fall gewesen wĂ€re", sagte Julia Pongratz von der Ludwig-Maximilians-UniversitĂ€t MĂŒnchen (LMU). "Vier Milliarden Tonnen sind etwa so viel, wie die EU und Japan zusammen derzeit in einem Jahr emittieren."
"Extrem gefÀhrlich": Schlechtere Vorhersage von Extremwetter
Gravierende Folgen gebe es auch fĂŒr Vorhersagen und Warnungen vor Extremwetterereignissen, ergĂ€nzte Niklas Höhne, Leiter des New Climate Institute. "Wegen der KĂŒrzungen können einige Klimadaten nicht mehr erhoben werden, was zu weniger akkuraten Vorhersagen von Extremwettereignissen fĂŒhrt. Das ist extrem gefĂ€hrlich in einer Zeit, in der insbesondere die USA mit Hurrikans, Tornados und Sturmfluten zu kĂ€mpfen haben."
Die Löschung und VerĂ€nderung wissenschaftlicher DatensĂ€tze sei ein Angriff auf demokratische Wissensgesellschaften ganz allgemein, betonte die Forscherin Böhning-Gaese. "Die weitere Umsetzung der MaĂnahmen wĂ€re ein RĂŒckfall ins Mittelalter, da das Wissen fĂŒr kluge, gute Entscheidungen, wie dies seit der AufklĂ€rung propagiert und entwickelt wurde, massiv erodiert wird", sagte sie. "Forschende aus aller Welt versuchen derzeit, die Daten zu retten, die US-Behörden vom Netz nehmen." Da sei aber extrem aufwendig.
Internationaler Austausch stark eingeschrÀnkt
GekĂŒrzt oder ganz gestrichen werden in den USA vor allem Projekte, die nicht in die Ideologie der amerikanischen Regierung passen. Stark eingeschrĂ€nkt sind Experten zufolge fĂŒr US-Forschende vielfach auch die Möglichkeiten, zu Kongressen zu reisen oder allein schon via Zoom oder Mail mit Kollegen auĂerhalb der USA auszutauschen.
"Das kommt letztlich einer Zensur gleich, weil es bedeutet, dass Forschende aus von der Trump-Administration "ausgewĂ€hlten" Disziplinen sich und ihre Arbeit nicht mehr gleichwertig reprĂ€sentieren können", sagte der MĂŒnchner Mediziner Sebastian Noe, Vorstandsmitglied der Deutschen Aids-Gesellschaft.
Eine Chance fĂŒr Forscher aus aller Welt?
Lisa Schipper, Professorin fĂŒr Entwicklungsgeographie an der UniversitĂ€t Bonn, sieht die Entwicklungen in den USA als verheerend an - aber auch als Chance. Bisher habe die US-Wissenschaft die globale Forschung dominiert, zum Beispiel sei von US-Forschern durchgefĂŒhrte Klimaforschung tendenziell am hĂ€ufigsten zitiert worden. "Ein Lichtblick könnte sein, dass andere Stimmen aus aller Welt mehr Aufmerksamkeit erhalten", erklĂ€rte Schipper. "Insbesondere aus EntwicklungslĂ€ndern, in denen umfangreiches Wissen ĂŒber die Auswirkungen des Klimawandels, Anpassung und VulnerabilitĂ€t vorhanden ist, die aber von den Stimmen aus den USA und anderen LĂ€ndern des Globalen Nordens bislang ĂŒbertönt werden."

