Verbrenner-Aus: Merz und Macron legen EU-Autopakt vor
Veröffentlicht am: 16.10.2026 um 12:02 Uhr | dpa, AD HOC NEWSEU-Zustimmung bleibt erforderlich
- Bundeskanzler Friedrich Merz und PrÀsident Emmanuel Macron legten gemeinsame VorschlÀge zur Automobilindustrie vor.
- Die EU-Kommission hatte im Dezember vorgeschlagen, auch nach 2035 Verbrenner-Neuwagen unter Bedingungen zuzulassen.
- Frankreich und sechs weitere EU-LĂ€nder hatten sich im Juni noch gegen eine Lockerung ausgesprochen.
Deutschland und Frankreich haben sich auf gemeinsame VorschlĂ€ge fĂŒr die europĂ€ische Automobilindustrie geeinigt. Bundeskanzler Friedrich Merz und Frankreichs PrĂ€sident Emmanuel Macron wollen damit die Verhandlungen ĂŒber die Vorgaben fĂŒr Verbrenner nach 2035 voranbringen.
Gemeinsames Paket fĂŒr die Autoindustrie
«Wir streben eine deutliche Senkung der CO?-Emissionen an und stĂ€rken zugleich Europas KapazitĂ€ten fĂŒr die Entwicklung und Fertigung der nĂ€chsten Generation von Elektrofahrzeugen», teilten Bundesregierung und ĂlysĂ©e-Palast mit. Den genauen Inhalt der VerstĂ€ndigung nannten beide Seiten zunĂ€chst nicht.
Die Regierungen schlagen ein umfassendes Paket vor, das den Ăbergang zu sauberer MobilitĂ€t mit Investitionen, Innovationen und Produktion in Deutschland, Frankreich und Europa verbinden soll. Ziel sei eine wettbewerbsfĂ€hige, innovative und dekarbonisierte europĂ€ische Automobilindustrie mit Produktion und ArbeitsplĂ€tzen in Europa.
Merz und Macron werben fĂŒr Industrie und Jobs
Merz bezeichnete die VerstĂ€ndigung auf X als Investitionssignal fĂŒr die Industrie sowie als guten Tag fĂŒr Autofahrerinnen und Autofahrer und fĂŒr ArbeitsplĂ€tze in Deutschland, Frankreich und Europa. Macron erklĂ€rte, Europa mĂŒsse innovativ sein, investieren und produzieren und zugleich das Klima schĂŒtzen und ArbeitsplĂ€tze sichern.
Zuvor hatte das Handelsblatt ĂŒber ein Positionspapier berichtet. Eine abschlieĂende VerstĂ€ndigung hatte es nach Angaben aus der Bundesregierung am Donnerstag zunĂ€chst noch nicht gegeben; diese liegt nun vor.
Verhandlungen ĂŒber Verbrenner-Regeln
Frankreich hatte sich bislang gegen eine Aufweichung des Verbrenner-Aus ausgesprochen. Die neue VerstÀndigung könnte eine Mehrheit im Rat der EU-Staaten ermöglichen.
Die EU-Kommission hatte im Dezember vorgeschlagen, auch nach 2035 in der EU Neuwagen mit Verbrennungsmotor zuzulassen. Ăber die VorschlĂ€ge beraten derzeit das Europaparlament und der Rat der EU-Mitgliedstaaten. Ohne die Zustimmung beider Institutionen treten sie nicht in Kraft.
Frankreich hatte Lockerung abgelehnt
Frankreich und sechs weitere EU-LĂ€nder hatten sich noch im Juni gegen eine Lockerung ausgesprochen und vor einem strategischen Fehler gewarnt. Der deutsch-französische Kompromiss verĂ€ndert daher die Ausgangslage fĂŒr die weiteren Beratungen ĂŒber Klimavorgaben und Industriepolitik.
Die VerstĂ€ndigung fĂ€llt in eine Phase, in der die EU ihre Klimapolitik mit der WettbewerbsfĂ€higkeit der Industrie ausbalancieren muss. Das ursprĂŒnglich beschlossene Ziel fĂŒr 2035 zielte auf eine weitgehende Abkehr von neuen Pkw mit Verbrennungsmotor. Der nun vereinbarte deutsch-französische Ansatz verbindet strengere europĂ€ische Produktionsvorgaben mit mehr Spielraum bei der ErfĂŒllung der CO?-Ziele.
FĂŒr Deutschland ist die Autoindustrie besonders bedeutsam, weil Hersteller, Zulieferer und Dienstleister eng miteinander verflochten sind. Frankreich verfolgt ebenfalls industriepolitische Interessen, hatte eine Lockerung des Verbrenner-Aus bislang jedoch abgelehnt. Der gemeinsame VorstoĂ kann deshalb die Abstimmung zwischen den beiden gröĂten Volkswirtschaften der EU erleichtern und die Mehrheitsbildung im Rat beeinflussen.
Entscheidung auf EU-Ebene
Rechtswirksam wird eine Ănderung erst, wenn sich sowohl der Rat der Mitgliedstaaten als auch das Europaparlament darauf verstĂ€ndigen. FĂŒr Autofahrer bedeutet der Vorschlag zunĂ€chst keine unmittelbar verĂ€nderten Zulassungsregeln. Entscheidend ist, welche Details die EU-Institutionen ĂŒbernehmen und wie sie Vorgaben zu Emissionen, Hybridfahrzeugen und europĂ€ischer Wertschöpfung ausgestalten.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
FOCUS Online: âMerz und Macron einigen sich auf neuen EU-Autopaktâ (15.10.2026)
Der Beitrag berichtet, die gemeinsame Reform sehe unter anderem Vorgaben fĂŒr europĂ€ische Produktion sowie zusĂ€tzliche FlexibilitĂ€t bei den CO?-Zielen vor. Anders als die dpa-Meldung nennt er konkrete Eckpunkte des Positionspapiers, darunter Anforderungen an den Anteil europĂ€ischer Komponenten.
tagesschau.de: âFrankreich und Deutschland wollen Verbrenner-Aus aufweichenâ (16.10.2026)
Der Beitrag ordnet die VerstĂ€ndigung als weitere Lockerung der Vorgaben fĂŒr 2035 ein und beschreibt den Austausch zwischen mehr Spielraum fĂŒr Verbrenner und strengeren Regeln fĂŒr europĂ€ische Wertschöpfung. Er verweist zudem auf Kritik von Umwelt- und Oppositionsvertretern, wĂ€hrend die Zustimmung des Europaparlaments und des Rates offen bleibt.
Beide BeitrĂ€ge bestĂ€tigen den gemeinsamen deutsch-französischen VorstoĂ und die mögliche Lockerung der Regeln nach 2035. Unterschiede liegen vor allem in der Detailtiefe und in der Darstellung der industriepolitischen Gegenleistungen; die endgĂŒltige Entscheidung der EU-Institutionen steht noch aus.
