Warnstreiks, FlughÀfen

Warnstreiks an FlughÀfen - Was Reisenden Montag bevorsteht

09.03.2025 - 06:05:36

Verdi sieht sich an den Airports zum Ausstand gezwungen. Die Betreiber sprechen von einem Horrorszenario fĂŒr FluggĂ€ste. Worauf sich Betroffene bei den Warnstreiks einstellen mĂŒssen.

Mehr als 500.000 Menschen werden ihre Flugreise am Montag nicht wie geplant antreten können: Die Gewerkschaft Verdi hat zu 24 Stunden dauernden Warnstreiks an 13 deutschen FlughĂ€fen aufgerufen, darunter Deutschlands grĂ¶ĂŸte in Frankfurt am Main und MĂŒnchen. Worum es geht und was Reisende wissen sollten:

Wo und wann wird gestreikt?

Am Montag (10. MĂ€rz) von 0.00 bis 23.59 Uhr sind die BeschĂ€ftigten des öffentlichen Dienstes und der Bodenverkehrsdienste an folgenden FlughĂ€fen zum Warnstreik aufgerufen: MĂŒnchen, Stuttgart, Frankfurt, Köln/Bonn, DĂŒsseldorf, Dortmund, Hannover, Bremen, Hamburg, Berlin-Brandenburg und Leipzig-Halle. Außerdem ruft Verdi in einem anderen Tarifkonflikt zeitgleich dazu auch das Luftsicherheitspersonal zum Warnstreik auf. Dieser Aufruf gilt zusĂ€tzlich auch an den FlughĂ€fen Weeze bei DĂŒsseldorf und Karlsruhe/Baden-Baden.

Wie groß sind die Auswirkungen?

Groß: Der Flugverkehr wird in weiten Teilen des Landes zum Erliegen kommen. Nach einer ersten SchĂ€tzung des Flughafenverbands ADV fallen voraussichtlich mehr als 3.400 FlĂŒge aus, rund 510.000 Passagiere können ihre Reisen gar nicht antreten oder zumindest nicht wie geplant. ADV-HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer Ralph Beisel spricht in Bezug auf die Streiks im öffentlichen Dienst von einem Horrorszenario fĂŒr FluggĂ€ste. «Elf Standorte gleichzeitig zu bestreiken, hat eine neue Dimension». Die Warnstreiks hĂ€tten «weitreichende Folgen fĂŒr die individuelle MobilitĂ€t und die WirtschaftsablĂ€ufe».

Der grĂ¶ĂŸte deutsche Flughafen in Frankfurt am Main etwa warnt auf seiner Website: «Alle Aufgaben, die einen vollumfĂ€nglichen Flugbetrieb ermöglichen, sind aufgrund des Streiks ausgesetzt. Ein Beginn der Reise in Frankfurt wird nicht möglich sein.» Passagiere sollen am Montag gar nicht erst zum Flughafen kommen. Auch das Umsteigen von Transitpassagieren sei «mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit von den Auswirkungen betroffen» und könne nicht stattfinden. 

Wie erfahre ich, ob mein Flug betroffen ist?

Die FlughĂ€fen und Airlines informieren auf ihren Websites ĂŒber den Status aller FlĂŒge. Bereits am Wochenende waren auf den Internetseiten der FlughĂ€fen zahlreiche AbflĂŒge fĂŒr Montag als annulliert gekennzeichnet.

Welche Rechte habe ich, wenn mein Flug wegen des Warnstreiks ausfÀllt?

Bei streikbedingtem Flugausfall oder einer VerspĂ€tung von mehr als drei Stunden muss die Fluggesellschaft Reisenden eine alternative Beförderung zum Ziel anbieten. Oft werden sie automatisch auf einen anderen Flug umgebucht. Oder die Airline bietet an, das Flugticket in eine Bahnfahrkarte umzuwandeln. Das passiert vor allem bei gestrichenen FlĂŒgen innerhalb Deutschlands.

HĂ€ngen Passagiere streikbedingt lĂ€nger am Flughafen fest, mĂŒssen Fluggesellschaften Betreuungsleistungen erbringen, etwa in Form von Gastronomiegutscheinen fĂŒr GetrĂ€nke und Snacks vor Ort. 

Bekomme ich auch Geld zurĂŒck?

Die EU-Fluggastrechte-Verordnung sieht bei VerspÀtungen ab drei Stunden am Zielort sowie kurzfristigen Flugabsagen unter gewissen Voraussetzungen Ausgleichszahlungen von 250 bis 600 Euro pro Passagier vor. 

Ob Passagiere diese Gelder bei Flugproblemen infolge eines Warnstreiks einfordern können, hÀngt vereinfacht gesagt davon ab, wer konkret streikt. Sind wie am Montag Teile des Flughafenpersonals in einem Warnstreik, sind die Aussichten auf EntschÀdigungen eher schlecht. Anders kann der Fall liegen, wenn Mitarbeitende einer Airline streiken. Der Anspruch auf Ersatzbeförderung besteht in jedem Fall und unabhÀngig davon, ob Passagieren auch eine EntschÀdigungszahlung zusteht.

KrankenhĂ€user, Kitas, MĂŒllabfuhr, FlughĂ€fen - Warum wird derzeit so viel gestreikt?

Im Moment laufen Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst von Bund und Kommunen. Mit Warnstreiks erhöht die Arbeitnehmerseite den Druck auf die Arbeitgeber. Zahlreiche Berufsgruppen gehören dem öffentlichen Dienst an, viele von ihnen legten im Laufe der aktuellen Tarifrunde bereits die Arbeit nieder, zum Beispiel in Kliniken, Rettungsstellen, Pflegeheimen oder dem öffentlichen Nahverkehr. Auch FlughĂ€fen waren vereinzelt schon betroffen - aber nicht in dem nun bevorstehenden Ausmaß. 

Die nÀchste Verhandlungsrunde - die dritte - beginnt am 14. MÀrz in Potsdam. 

Warum liegt dann gleich fast der ganze Flugbetrieb lahm?

Bei den einst kommunalen Flughafenbetreibern wird noch ein grĂ¶ĂŸerer Teil des Personals nach den Tarifregeln des öffentlichen Dienstes beschĂ€ftigt. Auch fĂŒr die Bodenverkehrsdienste wird parallel ein Branchentarifvertrag verhandelt. 

Zwar sind nicht alle BeschÀftigten an FlughÀfen im öffentlichen Dienst. Allerdings ist das stark arbeitsteilige System eines Flughafens anfÀllig bei Arbeitsniederlegungen, weil sÀmtliche Einheiten nur in enger Zusammenarbeit den sicheren Betrieb gewÀhrleisten können. FÀllt eine Gruppe aus, steht der gesamte Betrieb. 

Was wollen die Streikenden?

Die Gewerkschaft fordert in den Tarifverhandlungen von Bund und Kommunen unter anderem acht Prozent mehr Lohn, mindestens aber monatlich 350 Euro mehr, sowie drei zusÀtzliche freie Tage. 

Und was will die Gegenseite?

Den kommunalen Arbeitgebern ist das zu teuer. Die Kernforderungen wĂŒrden fĂŒr die Kommunen Mehrkosten von rund elf Prozent bedeuten oder jĂ€hrlich fast 15 Milliarden Euro, sagte der HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer der Vereinigung der Kommunalen ArbeitgeberverbĂ€nde (VKA), Niklas Benrath. Das sei angesichts leerer Kassen und hoher Verschuldung nicht darstellbar. Besonders kritisch sehe man die geforderten zusĂ€tzlichen freien Tage. Sie wĂŒrden zu EinschrĂ€nkungen in den kommunalen Dienstleistungen fĂŒhren, meinte der Verbandsvertreter.

Ein konkretes Angebot haben die Arbeitgeber bisher allerdings nicht vorgelegt. Benrath begrĂŒndete dies damit, dass die Verhandlungen noch nicht so weit gediehen gewesen seien. Bei mehr als 20 Einzelforderungen mĂŒsse geprĂŒft werden, was dies koste. «Ganz grundsĂ€tzlich: Es ist ein Irrglaube, dass es fĂŒr erfolgreiche Tarifverhandlungen stets ein formelles Angebot benötigt.»

Wie geht es nach Montag weiter? Drohen mehr Streiks?

In einzelnen BundeslÀndern werden verschiedene Branchen teils auch nach Montag bestreikt. Ende der Woche verhandeln die Tarifparteien dann weiter. Nach dem Willen der Arbeitgeber soll diese Verhandlungsrunde eine «tragfÀhige Lösung» bringen. Einigen sich die Parteien, wÀre erst mal Schluss mit den Warnstreiks. Ob das gelingt, ist offen. 

Sind am Montag nur FlughÀfen betroffen?

Zwar werden bundesweit vor allem die FlughĂ€fen bestreikt, in einigen LĂ€ndern sind am Montag und teils darĂŒber hinaus aber auch andere Branchen betroffen. In DĂŒsseldorf zum Beispiel trifft es die Rheinbahn, in Hamburg unter anderem Kliniken, Kitas und die Stadtreinigung.

@ dpa.de