Berlin, Hamburg

Generalbundesanwalt ermittelt zu Brandstiftungen bei Bahn

14.09.2023 - 08:35:31 | dpa.de

Vergangene Woche brennen des Nachts KabelschĂ€chte an Bahnstrecken in Hamburg. Zahlreiche FernverkehrszĂŒge fallen aus. Wegen der besonderen Bedeutung des Falls schaltet sich nun die Bundesanwaltschaft ein.

Polizisten sichern am 8. September einen möglichen Tatort an einem Bahndamm im Hamburger Stadtteil Lokstedt. - Foto: Bodo Marks/dpa

Der Generalbundesanwalt hat die Ermittlungen zu den mutmaßlich politisch motivierten Brandstiftungen an Bahnanlagen in Hamburg ĂŒbernommen. Die Karlsruher Behörde ermittle seit Mittwoch wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung, sagte ein Sprecher am Donnerstag. Zuerst hatte die «Bild» online darĂŒber berichtet.

An drei Orten an Bahnstrecken in Hamburg hatten in der Nacht zu vergangenen Freitag KabelschĂ€chte gebrannt. Die Feuer wurden zwischen 2.30 Uhr und 3.40 Uhr entdeckt. Die Hamburger Polizei geht nach eigenen Angaben davon aus, dass die BrĂ€nde vorsĂ€tzlich gelegt wurden. Als Hintergrund dafĂŒr sehen die Ermittler ein politisches Motiv.

Auf der linken Plattform Indymedia war ein Bekennerschreiben aufgetaucht. «In der Nacht des 7. September haben wir in Hamburg Verkehrsadern der kapitalistischen Infrastruktur sabotiert», hieß es dort. «Einige Liter Benzin in den KabelschĂ€chten an den Schienen sollten zu möglichst langfristigen AusfĂ€llen oder EinschrĂ€nkungen beim Transport von zum Beispiel im Zuge neokolonialer Ausbeutung und erdzerstörendem Extraktivismus beschafften Rohstoffen fĂŒhren.»

Die Sicherheitsbehörden gehen nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur inzwischen davon aus, dass das Schreiben authentisch ist. Aufgrund der Vorgehensweise wird angenommen, dass fĂŒr die AnschlĂ€ge eine umfangreiche Koordinierung und Vorbereitung notwendig war und dass mehrere TĂ€ter an den Angriffen beteiligt waren.

Bundesinnenministerin Nancy Faeser hatte versichert, die TĂ€ter zu ermitteln und Bahntrassen besser zu schĂŒtzen. Der «Bild am Sonntag» sagte die SPD-Politikerin, klar sei nicht erst seit dieser Tat: «Wir mĂŒssen unsere Bahn-Infrastruktur noch besser schĂŒtzen. Daher verstĂ€rken wir die VideoĂŒberwachung: Bis nĂ€chstes Jahr erhöhen wir die Zahl der Kameras an Bahnanlagen von 9000 auf 11.000.»

Wissing: «Eine Form von Terrorismus»

Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) forderte ein konsequentes Durchgreifen des Rechtsstaats. «Solche AnschlĂ€ge sind eine Form von Terrorismus», sagte Wissing. «Wir können nur von GlĂŒck sprechen, dass kein Mensch körperlichen Schaden erlitten hat.»

Infolge der BrĂ€nde waren zahlreiche FernverkehrszĂŒge zwischen Hamburg und Berlin ausgefallen. Nach Angaben der Deutschen Bahn waren auch Nahverkehrsverbindungen betroffen. Insgesamt seien 27 ZĂŒge komplett, 65 ZĂŒge teilweise ausgefallen, 70 ZĂŒge mussten laut Bahn ĂŒber Uelzen und Hannover umgeleitet werden und verspĂ€teten sich um rund eine Stunde. Das große Chaos an den Hauptbahnhöfen in Hamburg und Berlin blieb allerdings aus. Bis zum Sonntagmorgen normalisierte der Bahnverkehr zwischen den beiden StĂ€dten wieder.

Die Bundesanwaltschaft kann staatsschutzrelevante Straftaten verfolgen, wenn sie von einer sogenannten besonderen Bedeutung sind. Aus diesem Grund hatte die Karlsruher Behörde beispielsweise auch die Ermittlungen zu den mutmaßlichen Bahn-Sabotagen in Berlin und Nordrhein-Westfalen im vergangenen Oktober ĂŒbernommen. Diese laufen noch, wie der Sprecher der Deutschen Presse-Agentur sagte.

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