ROUNDUP, Pistorius

Pistorius 'noch optimistisch' bei zusÀtzlicher Ukraine-Hilfe

14.01.2025 - 16:30:06

Verteidigungsminister Boris Pistorius hat dem ukrainischen PrĂ€sidenten Wolodymyr Selenskyj die UnterstĂŒtzung Deutschlands auch ĂŒber die Bundestagswahl am 23.

Februar hinaus zugesichert. UnabhĂ€ngig von der Regierungskonstellation werde diese UnterstĂŒtzung standfest, verlĂ€sslich und entschlossen bleiben, sagte der SPD-Politiker bei einem Besuch in Kiew.

Pistorius Ă€ußerte die Erwartung, dass es in laufenden Verhandlungen in Deutschland ĂŒber weitere Hilfen fĂŒr die Ukraine in Höhe von drei Milliarden Euro eine Lösung geben werde. Er verwies darauf, dass es fĂŒr 2025 nach dem Bruch der Ampel-Koalition aber keinen Haushalt gebe.

"Das ist ein fiskalisches Problem, und wir mĂŒssen es lösen. Daran arbeiten wir", sagte er. Und: "Ich bin noch optimistisch, dass wir eine Lösung finden." Auch der GrĂŒnen-Kanzlerkandidat Robert Habeck hĂ€lt zusĂ€tzliche Milliardenhilfen fĂŒr die Ukraine fĂŒr notwendig. Das sagte Habeck vor einer Sitzung des erweiterten GrĂŒnen-Fraktionsvorstands in Berlin. Kanzler Olaf Scholz (SPD) ist Berichten zufolge dagegen.

Selenskyj dankte Deutschland einmal mehr fĂŒr die geleistete MilitĂ€rhilfe. Deutschland allein habe der Ukraine etwa 16 Prozent der gesamten Hilfe gegeben, die sein Land erhalten habe. "16 Prozent - das sind sehr ernst zu nehmende Zahlen", sagte er und nannte insbesondere die Lieferung von Luftverteidigungssystemen.

Pistorius: Zusammenarbeit zwischen Europa und USA nötig

FĂŒr einen erfolgreichen Abwehrkampf gegen Russland ist die Ukraine nach EinschĂ€tzung von Pistorius darauf angewiesen, dass Europa und die neue US-Regierung unter Donald Trump weiter eng zusammenarbeiten. Dann habe das Land eine reelle Chance, mit UnterstĂŒtzung des Westens auf Augenhöhe "zu vernĂŒnftigen Verhandlungen irgendwann im Laufe des Jahres zu kommen", sagte der SPD-Politiker. Zum Kriegsverlauf und den ukrainischen StreitkrĂ€ften sagte er: "Sie kĂ€mpfen enorm mutig. Und die Materiallieferungen reißen Gott sei Dank auch nicht ab."

Deutschland hatte am Vortag in Warschau mit vier europĂ€ischen Nato-Partnern ("FĂŒnfer-Gruppe") vereinbart, zusammen RĂŒstungskooperationen mit der Ukraine auszubauen. Dies soll ein zusĂ€tzlicher Weg sein, den Verteidigungskampf zu stĂ€rken. Auf seinem Programm in Kiew standen GesprĂ€che mit Vertretern der ukrainischen Regierung und der Industrie darĂŒber.

LĂ€sst Trump die Ukraine fallen?

Vor dem am 20. Januar geplanten Amtsantritt Trumps in den USA herrscht Unklarheit, wie es mit der westlichen UnterstĂŒtzung fĂŒr die Ukraine weitergeht. Trump hatte wiederholt ein GesprĂ€ch mit dem russischen PrĂ€sidenten Wladimir Putin zur schnellen Beendigung des Kriegs in der Ukraine in Aussicht gestellt, ohne aber dass die europĂ€ischen VerbĂŒndeten genau ĂŒber seine VorschlĂ€ge im Bild sind - jedenfalls soweit öffentlich bekannt. In der Ukraine gibt es die BefĂŒrchtung, dass Trump die US-Hilfe drastisch zurĂŒckfahren und Kiew so eine Niederlage bescheren könnte.

Er wolle "eine Woche vor dem vor der Übernahme der AmtsgeschĂ€fte durch den amerikanischen PrĂ€sidenten Trump, noch mal das deutliche Signal zu setzen, dass wir in Europa, dass die Nato-Partner an der Seite der Ukraine stehen, gerade auch jetzt in der besonders angespannten Situation", sagte Pistorius.

Deutschland steht an der Seite der Ukraine

Die Gefahr einer Niederlage der Ukraine sei "nicht wesentlich grĂ¶ĂŸer als vor einem Jahr", sagte Pistorius. "Der entscheidende Unterschied ist, dass natĂŒrlich Putin gerade versucht, auch vor dem 20. Januar in der möglichen Erwartung von ihm aufgezwungenen Waffenstillstandsverhandlungen möglichst viel Boden gut zu machen."

Deutschland stehe weiter an der Seite der Ukraine. Dass es in Deutschland jetzt noch sechs Wochen Wahlkampf gebe, Ă€ndere nichts daran, "dass hier ein großes europĂ€isches Land um sein Überleben, um seine Freiheit kĂ€mpft". Russische Truppen waren im Februar 2022 in das Nachbarland einmarschiert.

Die Nöte im Kampf der Ukraine werden immer grĂ¶ĂŸer

Zu Jahresbeginn war in Kiew berichtet worden, dass Russland im vergangenen Jahr fast 3.600 Quadratkilometer ukrainischen Gebietes erobert habe - eine FlĂ€che fast 1,5-mal so groß wie das Saarland. Die höchsten Gebietsverluste habe die Ukraine mit 610 Quadratkilometern im November erlitten, als die Russen tĂ€glich etwa 20 Quadratkilometer besetzten. Die Verluste des Jahres 2024 sind ein Vielfaches des Vorjahres. AuffĂ€llig ist demnach, dass die Gebietsverluste fĂŒr Kiew nach der eigenen Sommeroffensive und den Eroberungen im westrussischen Gebiet Kursk deutlich zugenommen haben.

Zugleich macht sich KriegsmĂŒdigkeit breit und die Zahl ukrainischer FahnenflĂŒchtigen steigt schnell. Statistiken der ukrainischen Generalstaatsanwaltschaft zufolge wurden 2024 ĂŒber 22.000 FĂ€lle von Desertion registriert. Hinzu kommen noch mehr als 62.000 FĂ€lle von unerlaubtem Fernbleiben von der Truppe. GegenĂŒber dem Vorjahr stellt dies bei Deserteuren fast eine Verdreifachung und beim unerlaubten Fernbleiben beinahe eine Vervierfachung dar. In Summe wurden seit Kriegsausbruch fast 120.000 FĂ€lle von Fahnenflucht registriert. Beobachter gehen von einer hohen Dunkelziffer aus.

@ dpa.de