Wie sich Jugendliche durch Computerspiele radikalisieren
12.06.2025 - 04:00:56 | dpa.deWenn junge Zocker zur Zielscheibe werden: Extremisten nutzen immer hĂ€ufiger Gaming-Plattformen, um Kinder und Jugendliche anzusprechen. Die digitale Radikalisierung von Kindern stelle eine zunehmende Bedrohung dar, teilte das baden-wĂŒrttembergische Innenministerium der dpa mit. Das Land will sich deshalb auf der Innenministerkonferenz in Bremerhaven fĂŒr mehrere MaĂnahmen im Kampf gegen die Radikalisierung auf Gaming-Plattformen einsetzen.Â
Extremistische Gruppen, besonders Rechtsextremisten, Islamisten und Verschwörungsideologen â nutzen nach Angaben des Ministeriums gezielt Online- und Gaming-Plattformen, um junge Menschen niedrigschwellig anzusprechen und ideologisch zu beeinflussen. «Der Kontakt erfolgt oft â unbemerkt von Eltern oder pĂ€dagogischen FachkrĂ€ften â ĂŒber Voice-Chats, private Gruppen oder getarnte Inhalte», teilte das Landesministerium mit. Bestimmte Gaming-Foren dienten als RĂŒckzugsrĂ€ume fĂŒr extremistische Akteure, die dort ungehindert Ideologien verbreiten könnten. AnonymitĂ€t und technische Barrieren erschwerten die Intervention durch die Sicherheitsbehörden.Â
Im Kampf gegen die Radikalisierung stehen die Behörden noch relativ am Anfang. Die Innenminister sollen deshalb auf Initiative des SĂŒdwestens beschlieĂen, dass extremistische Rekrutierungsstrategien in sozialen Medien, Online-Foren und Gaming-Plattformen umfassend analysiert werden. Auch sollen HandlungsvorschlĂ€ge fĂŒr eine verbesserte Zusammenarbeit zwischen Sicherheitsbehörden, Plattformbetreibern und Institutionen des Jugend- und Medienschutzes erarbeitet werden.
Strobl spricht von «gefÀhrlichem Sog»
«Kinder und Jugendliche verbringen heute ganz selbstverstĂ€ndlich einen erheblichen Teil ihrer Zeit online â in sozialen Netzwerken, auf Video-Plattformen, in Foren oder auf Gamingplattformen», sagt Baden-WĂŒrttembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU). «Freilich geraten sie dabei zunehmend auch in den Fokus extremistischer Akteure.» Die Entwicklung in der Gaming-Szene sei alarmierend.
«In Voice-Chats, Foren und sogar direkt in Spielen selbst nutzen extremistische Gruppen die NĂ€he zu jungen Menschen, um Vertrauen aufzubauen, ihre Ideologie zu verankern â und sie damit, oft schleichend, oft unbemerkt, zu manipulieren», betonte Strobl. Gerade in sozialen Medien wirkten Algorithmen als VerstĂ€rker. «Wer einmal auf extremistische Inhalte stöĂt, bekommt stĂ€ndig auch ungefragt immer mehr davon. Dieser RĂŒckzug aus der demokratischen in eine ideologische Welt wird dann schnell zum gefĂ€hrlichen Sog.»
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