Karlspreis, Oberrabbiner

Karlspreis fĂŒr Oberrabbiner Goldschmidt

09.05.2024 - 17:02:32 | dpa.de

Viele StaatsmĂ€nner haben den Karlspreis schon bekommen. Am Donnerstag wurde der PrĂ€sident der EuropĂ€ischen Rabbiner-Konferenz geehrt. Er ĂŒberraschte damit, dass er Spross einer Familie aus NRW ist.

Oberrabbiner Pinchas Goldschmidt ist mit dem  Internationalen Karlspreis zu Aachen ausgezeichnet worden. - Foto: Henning Kaiser/dpa
Oberrabbiner Pinchas Goldschmidt ist mit dem Internationalen Karlspreis zu Aachen ausgezeichnet worden. - Foto: Henning Kaiser/dpa

Der PrĂ€sident der EuropĂ€ischen Rabbiner-Konferenz, Pinchas Goldschmidt, hat in Aachen den Internationalen Karlspreis 2024 erhalten. Damit sei das Signal verbunden, «dass jĂŒdisches Leben selbstverstĂ€ndlich zu Europa gehört und in Europa kein Platz fĂŒr Antisemitismus sein darf», erklĂ€rte das Karlspreis-Direktorium.

Der 60 Jahre alte Oberrabbiner wurde fĂŒr sein Eintreten fĂŒr europĂ€ische Werte, VerstĂ€ndigung und den interreligiösen Dialog geehrt. Zusammen mit Goldschmidt wurden die jĂŒdischen Gemeinden in Europa ausgezeichnet. Der Karlspreis besteht aus einer Urkunde und einer Medaille und wird fĂŒr Verdienste fĂŒr die VerstĂ€ndigung in Europa verliehen.

Zeichen gegen Antisemitismus

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (GrĂŒne) sagte in seiner Festrede, mit der Preisvergabe setze die Jury des Karlspreises ein Zeichen gegen Antisemitismus, der in diesen Jahren ausgeprĂ€gter als seit langem sei. Er wĂŒrdigte den von Goldschmidt mitgetragenen interreligiösen Dialog auch zwischen Muslimen und Juden - Goldschmidt ist MitgrĂŒnder des europĂ€ischen Muslim-Jewish Leadership Council. Weiterer Redner war der albanische Regierungschef Edi Rama.

Der orthodoxe Rabbiner Goldschmidt wies in seiner Rede auf die Zunahme antisemitischer Straftaten hin. Er sagte, es werde viel geleistet, um Antisemitismus zu bekĂ€mpfen und den jĂŒdischen Menschen Sicherheit zu geben. Doch was getan werde, reiche nicht. «JĂŒdische Menschen trauten sich nicht, als jĂŒdisch erkennbar zu sein», sagte er eindringlich. Sie Ă€nderten ihre Namen bei Paket- und Lieferdiensten aus Angst vor Gewalt.

Die Schutzausstattung vieler Gemeinden benötige ein Update staatlicher UnterstĂŒtzung ĂŒberall in Europa. Die Anstrengungen zur Ermittlung und Verurteilung von Urhebern antijĂŒdischer Straftaten sollten intensiviert werden, forderte er. Es gebe in Europa starke Analysen und Werkzeuge, um Antisemitismus zu bekĂ€mpfen. «Ich bitte sie, setzen sie sie um, konsequent, national, international», sagte er mit Nachdruck.

Jahrzehnte in Moskau

Der 60 Jahre alte jĂŒdische Geistliche ist seit 2011 PrĂ€sident der Konferenz der europĂ€ischen Rabbiner, in der mehr als 700 Rabbiner vertreten sind. Der in ZĂŒrich geborene Rabbiner lebte mehr als 30 Jahre in Moskau. Nachdem er sich geweigert hatte, den russischen Angriff auf die Ukraine zu unterstĂŒtzen, verließ er 2022 mit seiner Familie das Land.

Goldschmidt sagte, er wĂŒnsche sich mehr SolidaritĂ€t mit dem jĂŒdischen Staat. Auch er habe Probleme mit der heutigen israelischen Regierung, mit den «rechtsextremen Ministern». Mit Blick auf den Gaza-Krieg sagte er, die Hamas habe den Krieg begonnen und könnte ihn sofort beenden, indem sie die Geiseln freilasse und die Waffen strecke.

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) erklĂ€rte auf der Plattform X anlĂ€sslich der Verleihung, die jĂŒdischen Gemeinden hĂ€tten einen festen Platz in Europa und in Deutschland. Ihr Wirken mĂŒsse selbstverstĂ€ndlich sein. «Dass der Aachener Karlspreis an sie und Oberrabbiner Pinchas Goldschmidt geht, ist ein wichtiges Zeichen fĂŒr Toleranz und gegen Antisemitismus», erklĂ€rte der Kanzler.

Auch BundesprĂ€sident Frank-Walter Steinmeier gratulierte. Er hob die Konsequenz hervor, mit der Goldschmidt nach dem Beginn des Angriffskrieges Russlands gegen die Ukraine sein Amt als Oberrabbiner von Moskau niedergelegt und Russland den RĂŒcken gekehrt habe. «Sie haben nie gezögert, Differenzen klar aufzuzeigen und fĂŒr Ihre Haltung einzustehen», erklĂ€rte Steinmeier. Er sei dankbar, dass die EuropĂ€ische Rabbinerkonferenz seit dem vergangenen Jahr ihren Sitz in MĂŒnchen habe.

Wurzeln in Nordrhein-Westfalen

Der von seiner Familie begleitete Goldschmidt ĂŒberraschte das Publikum in Aachen mit der Bemerkung, er sei Spross einer nordrhein-westfĂ€lischen Familie, die vor 250 Jahren in einem heutigen Ortsteil von Olsberg im Sauerland lebte. Er könne dort die GrĂ€ber seiner Vorfahren besuchen.

Mit dem Karlspreis wurden seit 1950 viele StaatsmÀnner und Persönlichkeiten geehrt, darunter Emmanuel Macron, Helmut Kohl, Tony Blair, Bill Clinton und Papst Franziskus. 2023 bekam der ukrainische PrÀsident Wolodymyr Selenskyj den Preis.

Am Rande der Verleihung gab es mehrere Demonstrationen. Bei einer Kundgebung wurde ein Transparent mit antisemitischem Inhalt gezeigt. Insgesamt seien die Veranstaltungen friedlich verlaufen, erklÀrte die Polizei.

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