Pistorius zu Taurus-Leck: «Individueller Anwendungsfehler»
05.03.2024 - 10:42:05 | dpa.de
Das Verteidigungsministerium macht einen «individuellen Anwendungsfehler» verantwortlich dafĂŒr, dass das GesprĂ€ch hochrangiger Bundeswehr-Offiziere ĂŒber das Waffensystem Taurus von Russland abgehört werden konnte. Dieses Zwischenergebnis der Untersuchungen gab Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) in Berlin bekannt.
Der Fehler gehe auf den Teilnehmer zurĂŒck, der von Singapur aus an dem GesprĂ€ch teilgenommen habe. Er habe sich ĂŒber eine «nicht sichere Datenleitung» eingewĂ€hlt, also Mobilfunk oder WLAN. Â
Dass ein russischer Spion an dem GesprĂ€ch teilgenommen hat, ohne bemerkt worden zu sein, schloss Pistorius aus. «Unsere Kommunikationssysteme wurden nicht kompromittiert», betonte er.Â
Personelle Konsequenzen nicht auf der Tagesordnung
Der Verteidigungsminister sagte, dass disziplinarische Vorermittlungen gegen alle vier Teilnehmer des GesprĂ€chs eingeleitet worden seien. Er betonte aber auch, dass personelle Konsequenzen «derzeit nicht auf der Agenda» stĂŒnden. Wenn nicht noch etwas Schlimmeres herauskomme, «werde ich niemanden meiner besten Offiziere Putins Spielen opfern», betonte Pistorius.Â
Am Freitag hatte Russland eine mitgeschnittene Schaltkonferenz von vier hohen Offizieren, darunter Luftwaffen-Chef Ingo Gerhartz, veröffentlicht. Darin erörterten diese Einsatzszenarien fĂŒr den deutschen Marschflugkörper Taurus, falls dieser doch noch an die Ukraine geliefert werden sollte. Kanzler Olaf Scholz (SPD) hat das zum jetzigen Zeitpunkt ausgeschlossen und sein Nein damit begrĂŒndet, dass Deutschland dann in den Krieg hineingezogen werden könnte. Taurus hat eine Reichweite von 500 Kilometern und kann damit von der Ukraine aus auch Ziele in Moskau treffen.
Singapur-Konferenz «gefundenes Fressen» fĂŒr die Russen
Laut Pistorius hat das GesprĂ€ch der vier Offiziere vorschriftsgemĂ€Ă ĂŒber die Internetplattform Webex stattgefunden, die von der Bundeswehr in unterschiedlich geschĂŒtzten Versionen fĂŒr solche GesprĂ€che genutzt werde. Dass es trotzdem abgehört werden konnte, gehe darauf zurĂŒck, dass sich der Teilnehmer in Singapur nicht an das sichere Einwahlverfahren gehalten habe.
In dem sĂŒdostasiatischen Stadtstaat fand zur Zeit des GesprĂ€chs die Singapur Air Show statt, an der viele hochrangige europĂ€ische MilitĂ€rs teilnahmen. «FĂŒr russische Geheimdienste nachvollziehbar ein gefundenes Fressen so eine Veranstaltung in diesem Umfeld», sagte Pistorius. In den genutzten Hotels hĂ€tten flĂ€chendeckend Abhöraktionen stattgefunden. Â
Der Zugriff auf die Webex-Konferenz der Bundeswehr-Offiziere sei ein «Zufallstreffer, im Rahmen einer breit angelegten, gestreuten Vorgehensweise» gewesen.Â
«Wir mĂŒssen unsere Systeme weiter hĂ€rten»
Pistorius betonte, dass die Kommunikationssysteme der Bundeswehr weiterhin laufend ĂŒberprĂŒft und verbessert werden mĂŒssten. «Wir mĂŒssen unsere Systeme weiter hĂ€rten», sagte er. Dies sei ein laufender Prozess. Die «Breite der Angriffe» auf die Kommunikationssysteme nehme massiv zu. Kenntnis von einem weiteren Abhörfall habe er nicht. «Das schlieĂt aber nicht aus, dass es einen weiteren gibt.» Â
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