Löhne, EVG

Tarifkonflikt zwischen Bahn und EVG schwelt weiter

21.06.2023 - 16:57:26

Vom Marathon zum Krimi: Nach fĂŒnf Verhandlungstagen in Folge lĂ€sst die EVG die Bahn-Vertreter nun wegen interner Beratungen zunĂ€chst lange warten. Auch Bahnfahrer bleiben vor den Ferien im Ungewissen.

Der Tarifkonflikt bei der Deutschen Bahn dauert an. Die Gewerkschaft EVG hat heute innerhalb ihrer Tarifkommission stundenlang ĂŒber das weitere Vorgehen beraten. Der Verhandlungsbeginn mit den DB-Vertretern im GebĂ€ude der IG Metall in Berlin-Kreuzberg verzögerte sich dadurch immer weiter.

EVG-Chef Martin Burkert betonte im Interview mit «t-online», dass der Bundesvorstand der Gewerkschaft diese Woche ebenfalls ein Wort mitreden wolle. Dieses «oberste Gremium» werde morgen Â«ĂŒber das weitere Vorgehen inklusive etwaiger Streiks» entscheiden. «Der schwierigste Punkt ist nach wie vor die Laufzeit, also in welchem zeitlichen Rahmen Gehaltserhöhungen erfolgen sollen», sagte er.

Bis zum spĂ€ten Nachmittag blieb somit völlig offen, ob der Konflikt beigelegt werden kann oder weitere Arbeitsniederlegungen bei der Bahn im Sommer drohen. In Nordrhein-Westfalen beginnen morgen die Sommerferien - ZugausfĂ€lle durch womöglich unbefristete Streiks wĂŒrden also nun besonders viele Urlauber treffen, Pendler sowieso.

Tarifkonflikt seit Ende Februar

Der Tarifkonflikt dauert seit Ende Februar an. Die EVG ging mit dem Ziel einer Festbetragserhöhung von mindestens 650 Euro im Monat oder zwölf Prozent bei den oberen Lohngruppen in die GesprÀche. Die Laufzeit soll nach ihren Vorstellungen ein Jahr betragen. Verhandelt wurde parallel mit Dutzenden Bahnunternehmen, die Forderungen waren dabei im Kern stets gleich.

Die Deutsche Bahn (DB) hatte Ende Mai bei einer Laufzeit von zwei Jahren zwölf Prozent mehr in mehreren Stufen bei den unteren Lohngruppen in Aussicht gestellt. Insgesamt zehn Prozent mehr sollen die mittleren Gruppen bekommen und acht Prozent die oberen. Die erste Erhöhungsstufe soll demnach noch in diesem Jahr anstehen. Hinzu kÀme eine InflationsausgleichsprÀmie in mehreren Zahlungen von insgesamt 2850 Euro, die steuer- und abgabenfrei ausfÀllt.

Die Gewerkschaft kĂ€mpfte seit Beginn der Verhandlungen im Februar mit bisher zwei Warnstreiks fĂŒr ihre Ziele. Im MĂ€rz legte sie so den Zugverkehr fĂŒr 24 Stunden quasi komplett lahm, im April an einem Freitagvormittag fĂŒr acht Stunden. Gewerkschaftschef Burkert sagte «t-online», der Tarifkonflikt und die Warnstreiks hĂ€tten die Gewerkschaft wachsen lassen: «Wir haben aktuell bereits 6500 neue Mitglieder gewonnen, das sind 2500 mehr als im vergangenen Jahr.»

Verhandlungen bis in die frĂŒhen Morgenstunden

In der vergangenen Woche verhandelten die Vertreter von DB und EVG an fĂŒnf Tagen in Folge - teils bis in die frĂŒhen Morgenstunden ĂŒber eine Lösung. Am spĂ€ten Freitagabend vertagten sie sich dann auf die nun laufende Woche, weil sich die EVG mit ihren Entscheidergremien beraten wollte. Gemeint war damit vor allem die große Tarifkommission mit Dutzenden Ehrenamtlichen, die am vergangenen Freitag nicht mehr bei den Verhandlungen dabei waren. Die EVG verhandelt seit Beginn der GesprĂ€che meist mit einem Kernteam von etwas mehr als zehn Leuten, fĂŒr finale BeschlĂŒsse wird aber die große Tarifkommission benötigt.

Zu Beginn der laufenden Woche ĂŒberraschte die EVG mit AbschlĂŒssen bei den Privatbahnen, bei denen Lohnerhöhungen von 420 Euro in mehreren Stufen, eine Laufzeit von meist 21 Monaten und 1000 bis 1400 Euro InflationsausgleichsprĂ€mie im Mittelpunkt stehen. Damit seien MaßstĂ€be auch fĂŒr die GesprĂ€che mit der DB gesetzt worden, hieß es. In der Branche war zuletzt davon ausgegangen worden, dass die privaten Bahnen auf den Abschluss beim MarktfĂŒhrer DB warten wĂŒrden.

Ob 420 Euro Festbetragserhöhung und 21 Monate Laufzeit auch bei dem bundeseigenen Konzern denkbar sind, blieb offen - die Deutsche Bahn reagierte öffentlich nicht auf die AbschlĂŒsse bei der Konkurrenz.

@ dpa.de