EU-Reform könnte Fluggastrechte deutlich schwÀchen
25.05.2025 - 14:17:45Die EU-Staaten beraten derzeit ĂŒber eine Reform der Fluggastrechteverordnung. Angesichts der möglichen Neuerungen schlagen VerbraucherschĂŒtzer Alarm - sie fĂŒrchten, dass kĂŒnftig ein GroĂteil der betroffenen FluggĂ€ste keinen Anspruch mehr auf EntschĂ€digung haben könnte. Auch aus der Bundesregierung kommt Gegenwind.
Was plant die EU?
Der Ursprung der Reform reicht Jahre zurĂŒck: 2013 machte die EuropĂ€ische Kommission den Vorschlag, die wichtigste Fluggastrechteverordnung aus dem Jahr 2004 (EG 261) zu reformieren. Darin enthalten sind Ănderungen bezĂŒglich der EntschĂ€digungsansprĂŒche im Falle von verspĂ€teten FlĂŒgen. Ein Jahr spĂ€ter veröffentlichte das EuropĂ€ische Parlament seinen Bericht dazu. Doch jahrelang kam es zu keiner Einigung. Jetzt gibt es wieder Bewegung bei dem Thema: Das Vorhaben wird derzeit unter den EU-Staaten diskutiert.
Welche EntschÀdigungen stehen FluggÀsten aktuell zu?
Laut geltender Fluggastrechteverordnung besteht fĂŒr FluggĂ€ste pauschal ab drei Stunden VerspĂ€tung Anspruch auf EntschĂ€digung, sofern die Airline diese verschuldet:
* 250 Euro fĂŒr FlĂŒge bis 1.500 km
* 400 Euro fĂŒr FlĂŒge bis 3.500 km
* 600 Euro fĂŒr LangstreckenflĂŒge mit mehr als 3.500 km
Was wĂŒrde sich Ă€ndern?
Der Reformvorschlag der Kommission sieht unter anderem vor, die EntschÀdigungshöhe an verschiedenen Zeiten und Strecken festzumachen:
* 250 Euro erst ab fĂŒnf Stunden VerspĂ€tung (bis 3.500 km)
* 400 Euro ab neun Stunden VerspÀtung (mit mehr als 3.500 km innerhalb der EU)
* 400 Euro ab neun Stunden VerspĂ€tung (mit mehr als 6.000 km bei FlĂŒgen auĂerhalb der EU)
* 600 Euro ab zwölf Stunden VerspÀtung (mit mehr als 6.000 km)
Welche Konsequenzen hĂ€tte die Reform fĂŒr Reisende und Airlines?
Nach Erhebungen von Flugdaten-Analysten wĂŒrde im Falle der Reform, wie sie die Kommission vorschlĂ€gt, der GroĂteil der betroffenen Passagiere nicht mehr entschĂ€digt werden. VerbraucherschĂŒtzer sprechen von rund 80 Prozent.
Die EntschĂ€digungspflicht sei ein zentraler Anreiz fĂŒr Fluggesellschaften, planmĂ€Ăig und pĂŒnktlich zu operieren, sagte Tomasz Pawliszyn, CEO des Fluggastrechteportals AirHelp. "Sollte die Ănderung angenommen werden, werden deutlich mehr und wesentlich lĂ€ngere VerspĂ€tungen zur neuen NormalitĂ€t im europĂ€ischen Luftverkehr werden".
Diese Anpassung wĂ€re ein gravierender RĂŒckschritt, sagte auch die Co-Leiterin des EuropĂ€ischen Verbraucherzentrums Deutschland (EVZ), Karolina Wojtal. Die meisten VerspĂ€tungen im Luftverkehr lĂ€gen zwischen zwei und vier Stunden, die Fluggesellschaften wĂŒrden daher viel Geld sparen. "Airlines könnten dazu verleitet werden, FlĂŒge gezielt zu verspĂ€ten, anstatt sie zu annullieren, um EntschĂ€digungen zu umgehen."
Um die PĂŒnktlichkeit ist es hierzulande ohnehin nicht gut bestellt: Nach Erhebungen von AirHelp war Deutschland im vergangenen Jahr eines der LĂ€nder in Europa mit den meisten BeeintrĂ€chtigungen im Flugverkehr. Mehr Störungen gab es demnach nur in Portugal und Griechenland.
Wie steht Deutschland zu dem Reformvorschlag?
Bundesjustizministerin Stefanie Hubig hat sich deutlich gegen die diskutierte Ănderung der EntschĂ€digungsvorschriften ausgesprochen. "Stundenlange FlugverspĂ€tungen sind ein echtes Ărgernis", sagte die SPD-Politikerin, die in der Bundesregierung fĂŒr den Verbraucherschutz verantwortlich ist.
Solche VerspĂ€tungen könnten wichtige PlĂ€ne durcheinanderbringen oder den Start in den verdienten Urlaub vermiesen. Das koste wertvolle Lebenszeit, sagte die Ministerin. Sie werde sich deshalb dafĂŒr einsetzen, dass Flugreisende auch weiterhin ab einer VerspĂ€tung von drei Stunden entschĂ€digt werden.
Wie schĂ€tzen VerbraucherschĂŒtzer die potenzielle Reform ein?
Auch VerbraucherschĂŒtzer kritisieren die geplante Reform: Zwar könnten AnsprĂŒche kĂŒnftig leichter geltend gemacht werden - etwa durch digitalere Prozesse, sagte Wojtal. "Doch gehen die wesentlichen geplanten Ănderungen zu Lasten der Verbraucher." Eine Reform dĂŒrfe nicht die aktuellen AnsprĂŒche der Verbraucher beschneiden.
Die Airlines wiederum nĂŒtzten die Gunst der Stunde und das wirtschaftlich herausfordernde Umfeld, um all ihre Lobby-Anstrengungen dahingehend auszurichten, dass die Reform ihre Pflichten und finanziellen Belastungen möglichst reduziert, fĂŒhrte Wojtal aus.
Was sagen Airline-Vertreter?
Die europĂ€ische Lobbyorganisation "Airlines for Europe" (A4E) befĂŒrwortet eine Reform mit verlĂ€ngerten Zeitschwellen. "Wenn etwas schiefgeht, braucht es Zeit, um ein Ersatzflugzeug oder eine Ersatzcrew zu finden", schreibt A4E auf der eigenen Website. Durch die VerlĂ€ngerung der Schwellenwerte hĂ€tten die Airlines gute Chancen, eine Lösung zu finden, die den Flugplan wiederherstelle und Passagiere ans Ziel bringe. Es kĂ€me zu weniger FlugausfĂ€llen, teilte A4E mit.
Wie geht es weiter?
Die Reform ist bisher nicht beschlossen. Noch steht nicht fest, ob es unter den EU-Staaten eine Mehrheit fĂŒr die Ănderungen gibt. Das Thema steht vermutlich bei einem Treffen der EU-Verkehrsminister in zwei Wochen auf der Tagesordnung. Zudem muss auch das EU-Parlament zustimmen.

