BĂŒndnis fordert Ausbau von Hitzeschutz
05.06.2024 - 16:55:17Mit dem Klimawandel steigen die Risiken. Zum bundesweiten Hitzeaktionstag fordern Vertreter aus dem Gesundheitswesen daher, Hitzeschutz in Deutschland konsequenter umzusetzen. "Die Gefahr wird schnell gröĂer und wir sind insgesamt immer noch zu schlecht aufgestellt", sagte der Vorsitzende der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG), Martin Herrmann, am Mittwoch bei einer Pressekonferenz im Berliner Unfallkrankenhaus.
Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) sagte: "Jedes Jahr sterben Menschen an Hitzewellen. Das Problem wird an Bedeutung gewinnen." Europa sei besonders von Hitzewellen betroffen. Zum einen sei die Bevölkerung sehr alt, zum anderen erwĂ€rme sich der Kontinent doppelt so schnell wie der weltweite Durchschnitt. "Das fĂŒhrt dazu, dass wir mit mehr und mehr Toten rechnen mĂŒssen." In Deutschland starben 2023 laut SchĂ€tzungen des Robert Koch-Instituts (RKI) etwa 3200 Menschen an Hitze.
Bundesweit Veranstaltungen zu Hitzeaktionstag
Der bundesweite Hitzeaktionstag, eine Initiative von BundesĂ€rztekammer, Deutscher Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG), AWO Bundesverband, Deutscher Krankenhausgesellschaft, Deutschem Pflegerat, GKV-Spitzenverband und HausĂ€rztinnen- und HausĂ€rzteverband, fand am Mittwoch zum zweiten Mal statt. Ziel ist es, Bewusstsein fĂŒr die Gefahren von Hitze zu schaffen und MaĂnahmen zum Schutz der Bevölkerung zu stĂ€rken. Dem BĂŒndnis zufolge haben sich mehr als 50 Institutionen und VerbĂ€nde angeschlossen. Deutschlandweit gab es Veranstaltungen.
Das BĂŒndnis erwarte von allen BundeslĂ€ndern, gesundheitsbezogene HitzeschutzplĂ€ne zu entwickeln, die bis in die Kommunen wirkten, sagte Herrmann. Denn vor allem dort gebe es noch Nachholbedarf. "Es kann nicht sein, dass es in den nĂ€chsten Jahren noch KrankenhĂ€user, Pflegeeinrichtungen oder Arbeitgeber gibt, die sich mit Hitzeschutz nicht beschĂ€ftigt haben."
In einem gemeinsamen Forderungskatalog fordern die BĂŒndnisteilnehmer daher einen gesetzlichen Rahmen fĂŒr gesundheitlichen Hitzeschutz, in dem Hitzeschutz als Pflichtaufgabe verankert und von Bundes- und Landesebene ausreichend finanziell unterstĂŒtzt wird. Die Gefahren von Hitze seien so groĂ, dass es nicht reiche, auf Freiwilligkeit zu setzen, sagte Herrmann. "Es braucht Gesetze."
Bis zu vier oder sechs Hitzewellen pro Jahr möglich
Einem RKI-Bericht aus dem Jahr 2023 zufolge gibt es in Deutschland derzeit jĂ€hrlich zwei bis drei Hitzewellen. Je nach Fortschreiten der ErderwĂ€rmung könnte es zum Ende des Jahrhunderts bis zu vier oder sogar sechs Hitzewellen pro Jahr geben. Von einer Hitzewelle spricht man, wenn mehrere Tage mit hohen Temperaturen aufeinanderfolgen. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) spricht von einer Hitzewelle, sobald die Temperatur an mindestens drei aufeinanderfolgenden Tagen ĂŒber 28
°
C liegt.
Am Berliner Unfallkrankenhaus wird bereits vorgesorgt. An der Klinik gibt es seit vier Jahren ein Klimateam. Die zustĂ€ndigen Mitarbeiter haben ein Hitzeschutzkonzept entwickelt, das die Klinik gegen Folgen des Klimawandels wappnen soll und verschiedene Warnstufen vorsieht. Wichtig sei zunĂ€chst zu erkennen, welche Patienten und Angestellten bei Hitze besonders gefĂ€hrdet sind, sagte AnĂ€sthesistin und Klimamanagerin Andrea Nakoinz. In einem nĂ€chsten Schritt könne man etwa Medikamente, die bei Hitze anders wirken können, anpassen oder Patienten in kĂŒhlere RĂ€ume verlegen. Krankenpflegerin Ulrike Krol aus dem Klimateam hat dafĂŒr eine Karte erstellt, die zeigt, in welchen RĂ€umen es bei Hitze besonders heiĂ wird. Im Zweifel könnten auch nicht notfallmĂ€Ăige Operationen verschoben werden. Ausprobiert werden soll das neue Konzept dieses Jahr zunĂ€chst auf einer Station.

