Esken, VW-Spitze

Esken wirft VW-Spitze Blockade im Tarifstreit vor

09.12.2024 - 01:00:00

Vor der nÀchsten Tarifrunde bei VW am Montag hat SPD-Chefin Saskia Esken die Unternehmensleitung zu ZugestÀndnissen aufgefordert.

"Es muss gelingen, wertvolle IndustriearbeitsplĂ€tze zu erhalten und zukunftssicher zu machen", sagte Esken der "Neuen OsnabrĂŒcker Zeitung". "Der Gesamtbetriebsrat hat einen substanziellen Beitrag angeboten. Die Arbeitnehmer zeigen sich - nicht zum ersten Mal - kompromissbereit. Die harsche Reaktion der KonzernfĂŒhrung und die brutalen Maßnahmen, die weithin angedroht werden, sind so nicht hinnehmbar." Noch vor wenigen Monaten habe es die VW-Spitze fĂŒr angebracht gehalten, 4,5 Milliarden Euro an Dividenden auszuschĂŒtten.

"Und jetzt sollen alle Probleme auf dem RĂŒcken der BeschĂ€ftigten gelöst werden? Da ist die Wut der Betroffenen sehr gut zu verstehen", sagte Esken mit Blick auf den Streik der Belegschaft und ergĂ€nzte: "Die Arbeitnehmervertreter machen schon seit Langem konstruktive KonsolidierungsvorschlĂ€ge. Wer blockiert, ist das Management. Die AnkĂŒndigung von Standortschließungen ohne Absprache mit den Arbeitnehmervertretern war eine Provokation." Die SPD-Chefin sieht nun auch die AktionĂ€re in der Pflicht: "Es braucht auch Bereitschaft der AktionĂ€re, sich durch Dividendenverzicht an der VW-Sanierung und am Erhalt aller Standorte zu beteiligen." Das Land Niedersachsen mache das, obwohl dadurch Geld fĂŒr den Haushalt fehle, sagte Esken der NOZ. "Aber die Rettung der Industrie hat Vorrang. Nicht nur wegen der unmittelbar betroffenen Arbeiter: An Volkswagen hĂ€ngt extrem viel Wertschöpfung, die wir nicht aufgeben dĂŒrfen." Forderungen von Niedersachsens MinisterprĂ€sident Stephan Weil (SPD) nach einer neuen KaufprĂ€mie lehnte Esken aber ab. Es werde an sozial gestaffelten Kaufanreizen gearbeitet. "Eine pauschale neue KaufprĂ€mie ist dem Steuerzahler aber aktuell nicht zu vermitteln, weil damit vor allem chinesische Hersteller unterstĂŒtzt wĂŒrden, die schon preiswertere E-Autos im Angebot haben als die hiesige Konkurrenz", so Esken. Auch VW, BMW und Mercedes mĂŒssten in deutschen Werken erschwingliche Einstiegsmodelle im Elektro-Segment bauen. "Wenn es solche Modelle gibt, ist auch eine neue KaufprĂ€mie sinnvoll und denkbar." Dass auch Markus Söder (CSU) nun laut nach Kaufanreizen fĂŒr E-Autos rufe, finde sie "schrĂ€g", so Esken weiter. "Erst kĂ€mpft er gegen das Verbrennerverbot, damit Diesel und Benziner ĂŒberleben, und am nĂ€chsten Tag verlangt er die StĂŒtzung der ElektromobilitĂ€t? Da kann ich nur eine kognitive Dissonanz erkennen, aber keine seriöse Politik."

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