Deutschland, Luftverkehr

Bund lehnt LĂ€nder-Vorstoß fĂŒr Boarding-Ausweiskontrolle ab

11.01.2026 - 05:30:06

WÀhrend Ausweise von FluggÀsten in Frankreich und Spanien beim Einsteigen kontrolliert werden, blockiert die Bundesregierung eine solche Verpflichtung bisher. Was dagegen spricht, verrÀt sie nicht.

  • Andreas Roßkopf kĂŒmmert sich bei der Gewerkschaft der Polizei (GdP) um die Belange der BeschĂ€ftigten von Bundespolizei und Zoll. (Archivfoto)  - Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa

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  • Das Haus von Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) verweist auf den noch nicht abgeschlossenen Meinungsbildungsprozess innerhalb der Regierung. (Archivfoto) - Foto: Fabian Sommer/dpa

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  • SPD-Fraktionsvize Sonja Eichwede sagt, die IdentitĂ€t der Flugreisenden mĂŒsse geklĂ€rt sein. (Archivfoto) - Foto: Elisa Schu/dpa

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  • In Deutschland gibt es keinen Abgleich zwischen Bordkarte und Ausweis beim Einsteigen ins Flugzeug. (Symbolbild) - Foto: Matthias Balk/dpa

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  • Am Flughafen Barcelona werden die Namen auf Ausweisen und Bordkarten am Gate angeschaut. (Symbolbild)  - Foto: Kike RincĂłn/EUROPA PRESS/dpa

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Andreas Roßkopf kĂŒmmert sich bei der Gewerkschaft der Polizei (GdP) um die Belange der BeschĂ€ftigten von Bundespolizei und Zoll. (Archivfoto)  - Foto: Bernd von Jutrczenka/dpaDas Haus von Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) verweist auf den noch nicht abgeschlossenen Meinungsbildungsprozess innerhalb der Regierung. (Archivfoto) - Foto: Fabian Sommer/dpaSPD-Fraktionsvize Sonja Eichwede sagt, die IdentitĂ€t der Flugreisenden mĂŒsse geklĂ€rt sein. (Archivfoto) - Foto: Elisa Schu/dpaIn Deutschland gibt es keinen Abgleich zwischen Bordkarte und Ausweis beim Einsteigen ins Flugzeug. (Symbolbild) - Foto: Matthias Balk/dpaAm Flughafen Barcelona werden die Namen auf Ausweisen und Bordkarten am Gate angeschaut. (Symbolbild)  - Foto: Kike RincĂłn/EUROPA PRESS/dpa

Die Bundesregierung hat einen Vorschlag fĂŒr verpflichtende IdentitĂ€tskontrollen vor Besteigen eines Flugzeuges zurĂŒckgewiesen und damit Kritik auf sich gezogen. «Wir stehen der Initiative des Bundesrats sehr positiv gegenĂŒber», sagt der Vorsitzende des Bereichs Bundespolizei und Zoll der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Andreas Roßkopf. Es sei bedauerlich, dass das Bundeskabinett dieses Vorhaben der LĂ€nder zuletzt nicht unterstĂŒtzt habe. 

Das niedersĂ€chsische Innenministerium, das die Initiative im Bundesrat gestartet hatte, zeigt sich ebenfalls enttĂ€uscht. Mit der Pflicht zum Abgleich des Namens auf dem Ausweis und der Bordkarte solle «sichergestellt werden, dass die IdentitĂ€t der FluggĂ€ste bekannt ist und diese bei Straftaten auch fĂŒr polizeiliche Zwecke genutzt werden kann», erklĂ€rt eine Ministeriumssprecherin.

Die Pflicht zur Erhebung dieser Daten und ihre Übermittlung zwischen Abflug- und Zielstaat wĂŒrden fĂŒr die Bundespolizei eine «sehr große Erleichterung in der tĂ€glichen Arbeit» darstellen. Dass Airlines aus anderen Staaten entsprechende Daten an die Bundespolizei ĂŒbermitteln, fĂ€nde Roßkopf wĂŒnschenswert. Das sei aber unwahrscheinlich, solange es in Deutschland keine Pflicht zum Abgleich von Bordkarte und Ausweis gibt. 

Beratungen zum neuen Luftsicherheitsgesetz laufen noch

Der Bundesrat hatte in der letzten Sitzung des vergangenen Jahres am 19. Dezember eine Änderung in einem Gesetzentwurf vorgeschlagen, ĂŒber den der Bundestag aktuell berĂ€t. Konkret geht es um die geplante Reform des Luftsicherheitsgesetzes, die unter anderem auch Fragen der Drohnenabwehr betrifft. Die LĂ€nderkammer hat sich auf Initiative Niedersachsens dafĂŒr ausgesprochen, Luftfahrtunternehmen zu verpflichten, vor dem Einstieg in ein Flugzeug die Ausweisdokumente der FluggĂ€ste mit den Angaben auf der Bordkarte abzugleichen beziehungsweise mit den Buchungsdaten. 

In Frankreich, Belgien und Spanien ist das Praxis, in Deutschland nicht. Das heißt, dass jemand, der innerhalb des Schengenraums fliegt und online eingecheckt hat, auch mit einer auf einen anderen Namen ausgestellten Bordkarte fliegen könnte, da am Flughafen in der Regel zwar sein GepĂ€ck, aber nicht sein Ausweis kontrolliert wird. 

Italien hat die Verpflichtung zum Namensabgleich vor einigen Monaten wieder abgeschafft. BegrĂŒndet haben dies die italienischen Behörden mit einer Beschleunigung der AblĂ€ufe an den FlughĂ€fen und damit, dass Flugreisen genauso zu behandeln seien wie Bahnreisen. 

Bundesrat verweist auf Gefahren - auch durch Terrorismus

«In Anbetracht der unverĂ€ndert hohen abstrakten GefĂ€hrdungslage ist es nicht hinnehmbar, dass es keine gesicherten Erkenntnisse ĂŒber die IdentitĂ€t der FluggĂ€ste auf Flugreisen gibt», mahnt dagegen der Bundesrat. Doch die Bundesregierung geht da nicht mit. Am vergangenen Mittwoch entschied das Kabinett, sich ohne inhaltliche BegrĂŒndung gegen das Vorhaben des Bundesrats zu positionieren. 

Ministerien sind unterschiedlicher Auffassung

«Zu dem vorgelegten Gesetzentwurf gibt es unterschiedliche Positionen im Ressortkreis und noch einige offene PrĂŒffragen», teilt ein Sprecher des Innenministeriums auf Anfrage mit. Die Luftsicherheit selbst sei aufgrund der bestehenden Sicherheitschecks und den damit verbundenen Personen- und GepĂ€ckkontrollen in jedem Fall gewĂ€hrleistet und von dieser Frage unberĂŒhrt. Das Bundesverkehrsministerium verweist lediglich darauf, dass «die Meinungsbildung innerhalb der Bundesregierung noch nicht abgeschlossen ist».

Im Bundestag ist zu hören, die Lobbyarbeit der Flughafenbetreiber und Fluggesellschaften zu dieser Frage sei wohl nicht ohne Wirkung geblieben. Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) prĂ€sentiert eine ganze Phalanx von Argumenten, die aus Sicht der Branche gegen eine Verpflichtung zum Namensabgleich am Gate sprechen. Staatliche Aufgaben können nicht ohne weiteres an private Unternehmen delegiert werden, heißt es da unter anderem. «Die PĂŒnktlichkeit von FlĂŒgen stĂ€nde auf dem Spiel und damit letztlich die ohnehin geschwĂ€chte WettbewerbsfĂ€higkeit des deutschen Luftverkehrs», erklĂ€rt eine BDL-Sprecherin. 

Flughafenverband sieht kein Mehr an Sicherheit

Der Flughafenverband ADV fĂŒhrt an, ein zusĂ€tzlicher Sicherheitsgewinn durch den Namensabgleich sei nicht erkennbar. Weniger personalintensive automatisierte biometrische Verfahren seien zwar technisch grundsĂ€tzlich möglich. Diese setzten jedoch eine rechtlich zulĂ€ssige Nutzung von Passdaten durch die Luftverkehrswirtschaft voraus, was bislang nicht vorgesehen sei.

Die stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion Sonja Eichwede stellt sich zwar nicht gegen die vorsichtige Herangehensweise der Bundesregierung. Handlungsbedarf sieht sie aber schon. «Sicherheit im Luftverkehr ist außerordentlich wichtig», sagt die Abgeordnete, die im Fraktionsvorstand unter anderem die Bereiche Innen- und Rechtspolitik verantwortet. TĂ€glich nutzten Millionen das Flugzeug, dafĂŒr mĂŒsse die IdentitĂ€t der Reisenden geklĂ€rt sein, sagt Eichwede und verspricht: «Wir prĂŒfen alle Möglichkeiten, wie das noch besser gelingen kann.» 

VorschlÀge sind hinlÀnglich bekannt

Das niedersĂ€chsische Innenministerium, das sich seit 2018 fĂŒr eine entsprechende Änderung einsetzt, kann nicht nachvollziehen, dass die Bundesregierung auf noch offene Fragen verweist. «Die Initiative wurde von Niedersachsen zum dritten Mal in den Bundesrat eingebracht und sollte daher in den beteiligten HĂ€usern auf Bundesebene hinlĂ€nglich bekannt sein», sagt eine Sprecherin.

Die GrĂŒnen sind dagegen froh, dass aus dem Vorhaben erst einmal nichts wird. «Private Fluggesellschaften sollten nicht als Ersatzpolizei herhalten mĂŒssen», sagt der Innenpolitiker Lukas Benner. Der GrĂŒnen-Bundestagsabgeordnete sagt, er finde die VorschlĂ€ge insgesamt «unausgewogen und nicht zielfĂŒhrend».

@ dpa.de