Fragen, Magdeburger

Fragen zu Magdeburger Todesfahrt sollen beantwortet werden

30.12.2024 - 03:30:37

WĂ€re der TĂ€ter von Magdeburg zu stoppen gewesen? Und was tun Behörden und Bundesinnenministerin, um fĂŒr Sicherheit zu sorgen - auch zu Silvester? Darum dreht es sich zum Wochenstart im Bundestag.

  • Nancy Faeser will sich den Fragen zu Magdeburg und den Folgen stellen (Foto:Archiv). - Foto: Kay Nietfeld/dpa

    Kay Nietfeld/dpa

  •  FĂŒnf Menschen starben in Magdeburg, mehr als 200 wurden verletzt. - Foto: Heiko Rebsch/dpa

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Nancy Faeser will sich den Fragen zu Magdeburg und den Folgen stellen (Foto:Archiv). - Foto: Kay Nietfeld/dpa FĂŒnf Menschen starben in Magdeburg, mehr als 200 wurden verletzt. - Foto: Heiko Rebsch/dpa

Nach dem tödlichen Anschlag von Magdeburg sollen die Innenpolitikerinnen und -politiker im Bundestag ĂŒber mögliche Behörden-VersĂ€umnisse aufgeklĂ€rt werden. Im Innenausschuss werden dazu heute unter anderem Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD), der Chef des Bundeskriminalamts, Holger MĂŒnch, Verfassungsschutz-VizeprĂ€sident Sinan Selen sowie die Magdeburger OberbĂŒrgermeisterin Simone Borris erwartet.

TĂ€ter war vorher aufgefallen

Bereits vor seiner Todesfahrt war der AttentĂ€ter von Magdeburg, Taleb A., im Visier von Sicherheitsbehörden. Nun soll geklĂ€rt werden, wie der 50 Jahre alte Mann mit einem Auto ĂŒber den Weihnachtsmarkt rasen und fĂŒnf Menschen töten und rund 230 verletzen konnte. Der Mann, der in Untersuchungshaft sitzt, war zwischen einer FußgĂ€ngerampel und einer Betonsperre durchgefahren.

Im Fokus der Abgeordneten stehen aber nicht nur mögliche Pannen der Behörden bei der Sicherung des Markts. Es geht auch darum, ob angesichts frĂŒherer AuffĂ€lligkeiten des TĂ€ters etwas versĂ€umt wurde. Im Fokus dabei steht der Informationsaustausch zwischen verschiedenen staatlichen Stellen.

Sorge um Sicherheit an Silvester 

Zuvor kommt das Parlamentarische Kontrollgremium zusammen. Das Gremium ist fĂŒr die Kontrolle der Nachrichtendienste des Bunds zustĂ€ndig. Es tagt im Geheimen in einem speziellen Raum eines der BundestagsgebĂ€ude. Mitunter geben die Parlamentarier nach einer Sitzung kurze Statements ab.

Kurz vor Silvester bleibt auch die Sicherheit der BĂŒrgerinnen und BĂŒrger im Fokus. Faeser sagte der Deutschen Presse-Agentur in Berlin: «Unsere Sicherheitsbehörden beobachten die Lage mit großer Wachsamkeit.» Das gelte gerade nach dem Anschlag. Bayerns MinisterprĂ€sident Markus Söder (CSU) hatte eine «Zeitenwende» fĂŒr mehr inneren Sicherheit gefordert. 

Aufarbeitung und AufklÀrung

SPD-Chef Lars Klingbeil verlangte eine konsequente und schonungslose Aufarbeitung des Anschlags. Alles mĂŒsse auf den Tisch kommen, sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Klingbeil bot an, noch vor der Bundestagswahl schĂ€rfere Sicherheitsgesetze zu beschließen. Polizei und Sicherheitsbehörden brĂ€uchten alle Möglichkeiten, fĂŒr Sicherheit zu sorgen.

Die GrĂŒnen erwarten Aufschluss ĂŒber die HintergrĂŒnde. Die genauen GeschehensablĂ€ufe vor, wĂ€hrend und nach der Tat, die InformationsflĂŒsse und Verantwortlichkeiten mĂŒssten genauestens dargestellt werden, sagte die Parlamentarische GeschĂ€ftsfĂŒhrerin, Irene Mihalic, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Aufarbeitung sei fĂŒr die Angehörigen und Verletzten und fĂŒr die Öffentlichkeit wichtig. DafĂŒr braucht es nach EinschĂ€tzung der Politikerin mehr als eine Ausschusssitzung.

Auch der GrĂŒnen-Innenexperte Konstantin von Notz forderte entsprechende AufklĂ€rung. Dies sei wichtig, «bevor man die hundertste Debatte um StrafverschĂ€rfungen und Befugniserweiterungen startet», sagte er der «Rheinischen Post». GrĂŒnen-Chefin Franziska Brantner hatte in der «Welt» bereits besseren Informationsaustausch unter anderem zwischen Verfassungsschutz und Polizei sowie zwischen den LĂ€ndern gefordert.

Migrationspolitik und Sorge bei Migranten

Auch die Migrationspolitik ist weiter Thema. Taleb A. ist ein Arzt aus Bernburg sĂŒdlich von Magdeburg, stammt aus Saudi-Arabien und lebt seit 2006 in Deutschland. 2016 erhielt er Asyl als politisch Verfolgter. Er war in den vergangenen Jahren durch Drohungen aufgefallen. Klngbeil sagte: «Wer mit TerroranschlĂ€gen droht, verliert das Recht, in Deutschland zu bleiben.» Zugleich warnte der SPD-Chef davor, Sicherheits- und Migrationsfragen zu vermengen. 

In Sachsen-Anhalt haben Menschen mit Migrationshintergrund nach mehreren tĂ€tlichen Angriffen Sorge vor weiteren Übergriffen. Kirchenvertreter beklagten, Migrantinnen und Migranten hĂ€tten Angst, angegriffen zu werden. In Magdeburg zeigen auch viele Menschen weiter ihr MitgefĂŒhl. So kamen auf einem Spendenkonto der Stadt mehr als 600.000 Euro fĂŒr Opfer und Angehörige zusammen.

@ dpa.de