Wagenknecht unterstützt Anspruch der AfD auf Landtagspräsidenten
Veröffentlicht am: 08.09.2026 um 14:33 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSBSW-Gründerin Sahra Wagenknecht hat sich dafür ausgesprochen, dass die AfD den Präsidenten des Landtags von Sachsen-Anhalt stellt. Sie knüpft dies zwar an die konkrete Person, bezeichnet den Anspruch der AfD auf das Amt als stärkster Fraktion jedoch als unstrittig.
Wagenknecht verweist auf Stärke der AfD-Fraktion
„Ob wir jemanden wählen, hängt natürlich von der konkreten Kandidatur ab", sagte Wagenknecht dem Magazin „Stern" mit Blick auf die neue BSW-Fraktion im Magdeburger Parlament. Zugleich betonte sie: „Aber es ist für uns unstrittig, dass der AfD als mit Abstand stärkster Fraktion das Amt des Parlamentspräsidenten zusteht." Damit stellt sie klar, dass das BSW grundsätzlich bereit ist, einen AfD-Kandidaten für das Amt zu unterstützen.
Konstituierung des Landtags bis Anfang Oktober
Der neu gewählte Landtag von Sachsen-Anhalt muss bis zum 6. Oktober zusammentreten und einen Präsidenten oder eine Präsidentin wählen. Als größte Fraktion hat die AfD im ersten Wahlgang das alleinige Vorschlagsrecht für das Amt. Die Abstimmung findet im Rahmen der konstituierenden Sitzung des Parlaments in Magdeburg statt.
Mehrheitsverhältnisse eröffnen neue Optionen
Die AfD-Fraktion stellt im neuen Landtag 39 Abgeordnete. Zusammen mit den fünf Abgeordneten des Bündnis Sahra Wagenknecht kommen beide Fraktionen auf eine absolute Mehrheit im 83-köpfigen Parlament. Damit hätten sie rechnerisch ausreichend Stimmen, um im ersten Wahlgang einen AfD-Politiker zum Landtagspräsidenten zu wählen, sofern das BSW seine grundsätzliche Bereitschaft in der konkreten Abstimmung umsetzt.
Die Äußerung von Sahra Wagenknecht markiert einen weiteren Schritt in der politischen Neuverortung ihres Bündnisses Sahra Wagenknecht (BSW) nach den Landtagswahlen in Ostdeutschland. Indem sie der AfD als stärkster Fraktion im Landtag von Sachsen-Anhalt den Anspruch auf das Amt des Landtagspräsidenten zuspricht, stellt sie sich demonstrativ gegen die bislang gängige Praxis der anderen Parteien, die Rechtspopulisten von zentralen Parlamentsämtern fernzuhalten.
Parlamentarische Praxis und Konfliktlinien
In vielen Landesparlamenten und im Bundestag gilt seit Jahren die Linie, der AfD zwar ihren Fraktionsstatus zuzugestehen, sie aber nicht mit Spitzenfunktionen wie Präsidiumsposten oder Ausschussvorsitzen zu betrauen, wenn sich dafür Mehrheiten finden. Wagenknecht argumentiert demgegenüber mit einem formalen Demokratieverständnis, nach dem die stärkste Fraktion auch den Parlamentspräsidenten stellen soll. Damit entsteht eine neue Konfliktlinie zwischen Parteien, die eine „Brandmauer“ zur AfD betonen, und Kräften wie dem BSW, die stärker auf Proporz- und Mehrheitslogik abstellen.
Mögliche Folgen für Sachsen-Anhalt und darüber hinaus
Für Sachsen-Anhalt könnte die von Wagenknecht skizzierte Konstellation bedeuten, dass AfD und BSW gemeinsam eine absolute Mehrheit für die Wahl eines Parlamentspräsidenten haben. Dies würde die Rolle des Landtags grundlegend prägen, weil das Präsidentenamt nicht nur repräsentativ ist, sondern auch die Sitzungsleitung, Ordnung im Plenum und Teile der Außenwirkung des Parlaments bestimmt. Über den konkreten Umgang der anderen Fraktionen mit dieser Situation dürfte in den kommenden Wochen intensiv verhandelt werden. Bundesweit könnte der Schritt Debatten darüber verschärfen, wie strikt andere Parteien ihre Abgrenzung zur AfD künftig handhaben – insbesondere dort, wo die AfD zur größten Fraktion geworden ist.
