Schnellstart â Union und SPD beginnen Sondierungen
28.02.2025 - 05:00:45FĂŒnf Tage nach der Bundestagswahl nehmen Union und SPD heute Sondierungen fĂŒr eine schwarz-rote Bundesregierung auf. Bei dem Treffen dĂŒrfte es vor allem darum gehen, erste grobe Linien und einen Zeitplan fĂŒr die Koalitionsverhandlungen abzustecken. Wann diese beginnen, ist noch offen. CDU-Chef Friedrich Merz hat wiederholt deutlich gemacht, dass er angesichts der groĂen Herausforderungen keine Zeit verlieren und bis Ostern eine Regierung bilden möchte.Â
Die saarlĂ€ndische MinisterprĂ€sidentin Anke Rehlinger, die zum Sondierungsteam der SPD zĂ€hlt, forderte vorab ZugestĂ€ndnisse von der Union. «Friedrich Merz muss uns entgegenkommen, er erweckt bislang den Eindruck, als hĂ€tte er eine absolute Mehrheit», sagte Rehlinger dem Berliner «Tagesspiegel». Mit dem Motto «Vogel, friss oder stirb» werde der CDU-Chef die SPD nicht fĂŒr sich gewinnen.Â
Die Union war bei der Bundestagswahl am Sonntag mit 28,5 Prozent klar stĂ€rkste Kraft geworden, die SPD mit 16,4 Prozent auf ein historisches Tief gestĂŒrzt. Alles lĂ€uft nun auf ein BĂŒndnis von CDU/CSU und SPD hinaus. Merz hatte bereits am Dienstag im Kanzleramt mit Amtsinhaber Olaf Scholz (SPD) gesprochen. Dabei dĂŒrfte es um die Gestaltung der Ăbergangsphase bis zur Bildung einer neuen Regierung gegangen sein.Â
Je neun Verhandler auf beiden SeitenÂ
Zu den SondierungsgesprĂ€chen entsenden beide Seiten je neun Verhandler. FĂŒr die Union sitzen nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur neben CDU-Chef Merz der CSU-Vorsitzende Markus Söder sowie die GeneralsekretĂ€re Carsten Linnemann (CDU) und Martin Huber (CSU) am Tisch. Hinzu kommen Unions-FraktionsgeschĂ€ftsfĂŒhrer Thorsten Frei, CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt, Sachsens MinisterprĂ€sident Michael Kretschmer, die stellvertretende CDU-Vorsitzende Karin Prien und CSU-Vize Dorothee BĂ€r.Â
FĂŒr die SPD sondieren die Parteivorsitzenden Lars Klingbeil und Saskia Esken, auĂerdem Verteidigungsminister Boris Pistorius und Arbeitsminister Hubertus Heil. Ebenfalls im Verhandlungsteam: GeneralsekretĂ€r Matthias Miersch, BundestagsprĂ€sidentin BĂ€rbel Bas, die beiden MinisterprĂ€sidentinnen Manuela Schwesig und Anke Rehlinger sowie der Chef der NRW-SPD, Haushaltsexperte Achim Post. Zu Ort und Zeitpunkt des Treffens wollen sich die Parteien nicht offiziell Ă€uĂern.Â
Verhandlungen nach Aschermittwoch?
CDU und CSU hatten sich bereits in den vergangenen Tagen ĂŒber ihre Vorstellungen zum Ablauf der GesprĂ€che verstĂ€ndigt. Dem Vernehmen nach setzen die Unionsparteien auf einen Beginn der Verhandlungen spĂ€testens am Donnerstag nĂ€chster Woche (6. MĂ€rz).
Ein frĂŒherer Beginn wĂ€re aus TermingrĂŒnden wohl schwierig. Am Sonntag findet die BĂŒrgerschaftswahl in Hamburg statt, danach folgen die Karnevalstage und am Aschermittwoch die traditionellen Kundgebungen der Parteien.
Bei den eigentlichen Verhandlungen dĂŒrften dann - anders als 2017 bei den gescheiterten Jamaika-Sondierungen zwischen Union, GrĂŒnen und FDP - die schwierigsten Themen erst in möglichst kleinen Runden zur Sprache kommen. Zur Erarbeitung der Sachthemen soll es auch kleine Arbeitsgruppen geben.
Merz setzt auf Einigung bis OsternÂ
Wenn Merz die Verhandlungen bis Ostern abschlieĂen will, bleiben gerade einmal sieben Wochen Zeit. Dabei werden schwierige Verhandlungen erwartet - bei Themen wie Migration, Schuldenbremse und Ukraine-Politik gibt es deutliche Differenzen.Â
AuĂerdem wurde im Wahlkampf viel Vertrauen zwischen den Parteien zerstört. Die SPD warf Merz einen Wort- und Tabubruch wegen einer gemeinsamen Abstimmung mit der AfD im Bundestag vor. Der CDU-Chef wetterte zuletzt scharf gegen «linke Spinner» und handelte sich dafĂŒr den Vorwurf der SPD ein, wie ein «Mini-Trump» aufzutreten.
Klingbeil hat wiederholt deutlich gemacht, dass es keinen Automatismus einer Regierungsbeteiligung gebe: «Ob es zu einer Regierungsbildung kommt, ob die SPD in eine Regierung eintritt, das steht nicht fest», sagte er. Ăber eine mögliche Regierungsbeteiligung will die SPD ihre Mitglieder entscheiden lassen.





