Wirtschaftsnobelpreis, Wohlstandsforscher

Wirtschaftsnobelpreis fĂŒr Wohlstandsforscher

14.10.2024 - 14:39:46

Warum sind manche LĂ€nder arm und andere reich? Diese Frage spielt eine zentrale Rolle in der Forschung der Ökonomen Daron Acemoglu, Simon Johnson und James Robinson. DafĂŒr gibt es nun den Nobelpreis.

  • Diese prestigetrĂ€chtige Medaille ist mit dem Wirtschaftsnobelpreis verbunden. - Foto: Lovisa Engblom/The Nobel Foundation/dpa

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  • Einer der PreistrĂ€ger ist Daron Acemoglu. - Foto: Frank Molter/dpa

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  • Die Ökonomen Daron Acemoglu, Simon Johnson und James A. Robinson erhalten den diesjĂ€hrigen Wirtschaftsnobelpreis. - Foto: Christine Olsson/TT News Agency/AP

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Diese prestigetrĂ€chtige Medaille ist mit dem Wirtschaftsnobelpreis verbunden. - Foto: Lovisa Engblom/The Nobel Foundation/dpaEiner der PreistrĂ€ger ist Daron Acemoglu. - Foto: Frank Molter/dpaDie Ökonomen Daron Acemoglu, Simon Johnson und James A. Robinson erhalten den diesjĂ€hrigen Wirtschaftsnobelpreis. - Foto: Christine Olsson/TT News Agency/AP

FĂŒr ihre Forschungen zum WohlstandsgefĂ€lle zwischen Nationen werden drei in den USA tĂ€tige Ökonomen in diesem Jahr mit dem Nobelpreis fĂŒr Wirtschaftswissenschaften ausgezeichnet. Die prestigetrĂ€chtige Auszeichnung geht an Daron Acemoglu, Simon Johnson und James A. Robinson, wie die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften in Stockholm bekannt gab.

Die drei PreistrĂ€ger hĂ€tten anhand ihrer Forschung zum Aufbau von politischen und wirtschaftlichen Systemen in der Kolonialzeit demonstriert, wie wichtig gesellschaftliche Institutionen fĂŒr den Wohlstand eines Landes seien, wĂŒrdigte die Akademie. Gesellschaften mit einem schwachen Rechtsstaat und ausbeuterischen Institutionen erzeugten weder Wirtschaftswachstum noch einen Wandel zum Besseren. 

WĂ€hrend die EinfĂŒhrung von durch Mitbestimmung geprĂ€gten Institutionen langfristig allen zugutekomme, brĂ€chten ausbeuterische Institutionen lediglich kurzfristige Vorteile fĂŒr die Machthabenden, erklĂ€rte die Akademie. Die Forschung von Acemoglu, Johnson und Robinson helfe dabei, die HintergrĂŒnde dazu besser zu verstehen.

«Die Verringerung der riesigen Einkommensunterschiede zwischen LĂ€ndern ist eine der grĂ¶ĂŸten Herausforderungen unserer Zeit», sagte der Vorsitzende des zustĂ€ndigen Preiskomitees, Jakob Svensson. Dank der bahnbrechenden Erkenntnisse der PreistrĂ€ger habe man ein viel tieferes VerstĂ€ndnis fĂŒr die Grundursachen entwickeln können, warum manche LĂ€nder erfolgreich seien und andere scheiterten.

«Echter Schock und großartige Nachricht»

Der in der TĂŒrkei geborene Acemoglu und der aus Großbritannien stammende Johnson sind Professoren am Massachusetts Institute of Technology (MIT), Robinson, ebenfalls Professor mit britischen Wurzeln, an der UniversitĂ€t von Chicago. Alle drei haben auch die StaatsbĂŒrgerschaft der USA inne, wo sie seit lĂ€ngerem leben. 

Acemoglu war vorab von mehreren Ökonomen zum Favoritenkreis fĂŒr den diesjĂ€hrigen Nobelpreis gezĂ€hlt worden - ĂŒberrascht ĂŒber seine Auszeichnung war er dennoch. «Das ist einfach ein echter Schock und eine großartige Nachricht. Danke!», sagte der 57-JĂ€hrige, als er zu der Preisbekanntgabe in Stockholm zugeschaltet wurde. 

HĂ€ufig werden PreistrĂ€ger in den USA wegen der Zeitverschiebung aus dem Schlaf gerissen, wenn ihnen die Nobel-Institutionen kurz vor der offiziellen Bekanntgabe telefonisch mitteilen, dass sie einen Nobelpreis erhalten. Acemoglu hatte in dieser Hinsicht GlĂŒck: Er befand sich nicht daheim in den USA, sondern in Griechenland. «Es ist ein wirklich guter Zufall, dass ich gerade in Athen bin. Es ist fĂŒr mich also nicht 5.00 Uhr am Morgen», sagte er. Das habe es auch einfacher gemacht, die Nachricht von seinem Nobelpreis aufzunehmen.

Lob fĂŒr die Auswahl der NobelpreistrĂ€ger kam unter anderem vom Kiel Institut fĂŒr Weltwirtschaft. «Die Auszeichnung ist hochverdient und passt exzellent in die gegenwĂ€rtige Zeit», erklĂ€rte der PrĂ€sident des Instituts, Moritz Schularick. Acemoglu, Johnson und Robinson hĂ€tten mit ihrer Forschung unter anderem gezeigt, wie eng Demokratie und Wachstum miteinander verknĂŒpft seien. «Ihre Arbeit macht somit auch klar, wie sehr der Populismus Europa und der Welt auch wirtschaftlich schadet, wenn demokratische Institutionen dadurch Schaden nehmen, oftmals dauerhaft», so Schularick.

Alle NobelpreistrĂ€ger dieses Jahres gekĂŒrt

Die Preisbekanntgabe in der Kategorie Wirtschaftswissenschaften stellt traditionell den Abschluss der alljĂ€hrlichen Nobelpreis-VerkĂŒndungen dar, nachdem in der vergangenen Woche alle anderen PreistrĂ€ger gekĂŒrt worden waren. WĂ€hrend bereits die Auszeichnungen in den Kategorien Medizin, Physik und Chemie diesmal allesamt mĂ€nnlichen Forschern aus Nordamerika und Großbritannien zugesprochen wurden, gingen die Literatur- und Friedensnobelpreise jeweils nach Asien: Mit ihnen werden in diesem Jahr die sĂŒdkoreanische Schriftstellerin Han Kang und die japanische Anti-Atomwaffen-Organisation Nihon Hidankyo ausgezeichnet.

Im Gegensatz zu diesen fĂŒnf Kategorien geht der Nobelpreis fĂŒr Wirtschaftswissenschaften nicht auf das Testament des Dynamit-Erfinders Alfred Nobel (1833-1896) zurĂŒck. Er wird seit Ende der 1960er Jahre von der schwedischen Zentralbank gestiftet. Er wird dennoch ebenso wie die weiteren Preise an Nobels Todestag am 10. Dezember feierlich ĂŒberreicht und ist auch mit demselben Preisgeld wie die anderen Auszeichnungen verbunden - in diesem Jahr sind das elf Millionen schwedische Kronen (knapp 970.000 Euro) pro Kategorie.

Im vergangenen Jahr war die US-Ökonomin Claudia Goldin mit dem Wirtschaftsnobelpreis ausgezeichnet worden. Die Professorin der Elite-UniversitĂ€t Harvard wurde fĂŒr ihre Forschung zur Rolle von Frauen auf dem Arbeitsmarkt geehrt. Nach Elinor Ostrom 2009 und Esther Duflo 2019 war Goldin damit erst die dritte Frau unter den bislang mehr als 90 ausgezeichneten WirtschaftsnobelpreistrĂ€gern.

@ dpa.de