Viele Teilzeit-LehrkrĂ€fte wĂŒrden unter UmstĂ€nden aufstocken
20.09.2023 - 07:21:14Viele LehrkrĂ€fte in Teilzeit könnten sich nach einer neuen Umfrage durchaus vorstellen, ihre Arbeitszeit angesichts des grassierenden Lehrermangels aufzustocken. Allerdings knĂŒpfen sie diese Bereitschaft an Bedingungen, die das derzeitige System so nicht erfĂŒllt, wie aus dem sogenannten Schulbarometer der Robert Bosch Stiftung hervorgeht.
Demnach arbeiten 38 Prozent der befragten Lehrerinnen und Lehrer derzeit in Teilzeit. Zwei Drittel von ihnen wĂ€ren grundsĂ€tzlich zum Aufstocken bereit, bei den ĂŒber 40-JĂ€hrigen sind es sogar 73 Prozent.
Das ist die höchste HĂŒrde
Höchste HĂŒrde: das sogenannte Deputatsmodell, das nur abzuhaltende Unterrichtsstunden erfasst. Es mĂŒsste aus Sicht von 73 Prozent der Befragten zu einem Arbeitszeitmodell umgewandelt werden, in dem auch Aufgaben und Arbeiten auĂerhalb des Unterrichts wie Teamzeiten, Fortbildungen und Elternarbeit enthalten wĂ€ren. Viel Zeit kosteten auch Verwaltungsaufgaben, die nur pauschal und zu wenig im Deputatsmodell berĂŒcksichtigt wĂŒrden, heiĂt es im Schulbarometer. Diese Aufgaben blieben aber auch bei einem reduzierten Deputat. «Als Lösung bietet sich den LehrkrĂ€ften daher nur an, ihr Unterrichtsdeputat zu kĂŒrzen, damit sie samt ihren Ăberstunden im Arbeitszeitumfang bleiben», sagte Dagmar Wolf von der Robert Bosch Stiftung. «Das deutsche Deputatsmodell ist ein ĂŒberkommendes Modell.»
Auch die Betreuungssituation fĂŒr die eigenen Kinder (26 Prozent) und die private Sorgearbeit in der Familie - also zum Beispiel Einkaufen, Kochen, Putzen, Hausaufgabenbetreuung und Fahrdienste - (40 Prozent) hĂ€lt viele Befragte davon ab, ihre Teilzeit aufzustocken. Die Tendenz dĂŒrfte steigend sein, fĂŒhren die Studien-Betreuer aus. Sie warnen: «Es ist davon auszugehen, dass sich diese Werte aufgrund der sich zuspitzenden personellen Situation im frĂŒhkindlichen Bereich und in der Altenpflege weiter verschĂ€rfen werden.»
Muss die Teilzeitarbeit begrenzt werden?
Die StĂ€ndige Wissenschaftliche Kommission (SWK), ein Beratergremium der Kultusministerkonferenz, hatte im Januar angesichts des LehrkrĂ€ftemangels vorgeschlagen, die Möglichkeiten fĂŒr Teilzeitarbeit zu begrenzen. Die Bosch Stiftung rĂ€t allerdings davon ab, Teilzeit-Möglichkeiten fĂŒr Lehrerinnen und Lehrer einzuschrĂ€nken. «In unserem aktuellen Schulsystem wird der LehrkrĂ€ftemangel nicht dadurch behoben, dass Teilzeit-LehrkrĂ€fte mehr arbeiten», sagte Wolf. «Der Arbeitsplatz Schule muss wieder attraktiver werden. Dazu gehört, die Sorgen der LehrkrĂ€fte ernst zu nehmen und auf ihre Reformforderungen einzugehen.»
Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sieht die Kultusministerien in der Verantwortung: «TeilzeitkrĂ€fte leiden unverhĂ€ltnismĂ€Ăig stark unter den vielen zusĂ€tzlichen Aufgaben, die sie zusĂ€tzlich zum Unterricht stemmen», sagte Anja Bensinger-Stolze, GEW-Vorstandsmitglied Schule. Es sei skandalös, dass Politik keine Lehren aus den vielen Arbeitszeitstudien der vergangenen Jahre ziehe. «Dabei geht es nicht zuletzt darum, endlich aus dem Teufelskreis aus Ăberlastung durch LehrkrĂ€ftemangel und LehrkrĂ€ftemangel durch Ăberlastung herauszukommen», sagte die Gewerkschafterin.
Tausende Stellen bereits jetzt unbesetzt
Insgesamt unterrichten an allgemeinbildenden und beruflichen Schulen in Deutschland mehr als 800.000 LehrkrĂ€fte. Auf absehbare Zeit kommen nach Prognosen von Wissenschaftlern und der Kultusministerkonferenz aber deutlich weniger ausgebildete LehrkrĂ€fte nach, als angesichts der Entwicklung der SchĂŒlerzahlen und der AbgĂ€nge von Lehrern in den Ruhestand gebraucht werden. Viele Tausend Stellen sind bereits jetzt unbesetzt.
Mit dem Deutschen Schulbarometer lĂ€sst die Robert Bosch Stiftung seit 2019 regelmĂ€Ăig reprĂ€sentative Befragungen zur aktuellen Situation der Schulen in Deutschland durchfĂŒhren. FĂŒr die aktuelle Ausgabe wurden zwischen dem 13. und 23. Juni 2023 insgesamt 1032 LehrkrĂ€fte an allgemein- und berufsbildenden Schulen in Deutschland vom Meinungsforschungsinstitut forsa befragt.


