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Massiver Stromausfall legt Spanien und Portugal lahm

28.04.2025 - 22:03:26

(weitere Details in den ersten vier AbsĂ€tzen)MADRID/LISSABON - Ausgefallene Ampeln, stehende ZĂŒge und ein unterbrochenes Tennisturnier: Ein massiver Stromausfall hat die Iberische Halbinsel am Montagmittag erfasst.

(weitere Details in den ersten vier AbsÀtzen)

MADRID/LISSABON (dpa-AFX) - Ausgefallene Ampeln, stehende ZĂŒge und ein unterbrochenes Tennisturnier: Ein massiver Stromausfall hat die Iberische Halbinsel am Montagmittag erfasst. Millionen Menschen waren in weiten Teilen Spaniens und Portugals auf dem Festland von dem Blackout betroffen. Die gute Nachricht: Die Versorgung sei inzwischen in mehreren Gebieten im Norden, SĂŒden und Westen der Halbinsel wieder gesichert, meldete der spanische Stromnetzbetreiber Red ElĂ©ctrica auf der Plattform X.

Regionen wie Katalonien, Aragonien, Baskenland, Galicien, Asturien, Navarra und Kastilien sind demnach wieder versorgt. ZusÀtzlich gebe es weitere Gebiete unter anderem in Madrid und Valencia. Bereits mehr als 20 Prozent des Strombedarfs auf der Halbinsel sei wiederhergestellt worden.

Die komplette Wiederherstellung könnte allerdings noch dauern. "Bis die Stromversorgung wiederhergestellt ist, werden wir einige kritische Stunden erleben", sagte Spaniens MinisterprÀsident Pedro Sånchez bei einer Fernsehansprache im Anschluss einer Sitzung des Nationalen Sicherheitsrates.

In Deutschland ist ein umfangreicher Stromausfall wie in Spanien und Portugal nach Angaben der Bundesnetzagentur nicht zu befĂŒrchten. "Ein großflĂ€chiger, langanhaltender Blackout ist in Deutschland unwahrscheinlich", teilte die Behörde in Bonn auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit. Das deutsche Stromnetz sei redundant ausgelegt. Konkret bedeute das, dass eine Leitung immer ausfallen könne und eine andere Leitung einspringen wĂŒrde.

EU-RatsprÀsident: Kein Hinweis auf Cyberangriff

Auf der Iberischen Halbinsel wird nach der Ursache gesucht. Spaniens nationales Institut fĂŒr Cybersicherheit hatte laut "El PaĂ­s" mitgeteilt, es untersuche, ob ein Hackerangriff hinter dem Stromausfall stecken könnte. Nach Angaben von EU-RatsprĂ€sident AntĂłnio Costa gibt es derzeit allerdings keinen Hinweis auf einen Cyberangriff. Die EU-Kommission befasste sich mit dem großflĂ€chigen Stromausfall. "Die Kommission wird die Situation weiter beobachten und dafĂŒr sorgen, dass ein reibungsloser Informationsaustausch zwischen allen Beteiligten stattfindet", teilte die Behörde in BrĂŒssel mit.

Menschen werden aus FahrstĂŒhlen gerettet

Reporterinnen und Reporter der Deutschen Presse-Agentur meldeten sowohl aus Madrid als auch aus Barcelona, dass es am Montagmittag keinen Strom gab. Im ganzen Land seien der Betrieb der Infrastruktur und des Mobilfunks sowie der Verkehr beeintrĂ€chtigt, schrieb die spanische Zeitung "El PaĂ­s": Ampeln und AufzĂŒge an Bahnhöfen, in FlughĂ€fen und in anderen GebĂ€uden seien ausgefallen. Menschen mussten aus U-Bahntunneln und FahrstĂŒhlen gerettet werden. KrankenhĂ€user waren dank des Einsatzes von Generatoren nach Angaben von Spaniens Gesundheitsministerium nicht betroffen.

Die meisten GeschĂ€fte und GaststĂ€tten in PremiĂ  de Mar bei Barcelona und anderen Orten Spaniens haben einem dpa-Reporter zufolge geschlossen. Vor allem GeschĂ€fte mit verderblichen Waren und Eisdielen warteten auf die Wiederherstellung der Stromversorgung. "Ein paar Stunden halten wir noch aus, dann wird das Eis flĂŒssig", sagte eine VerkĂ€uferin in einer Eisdiele in PremiĂ  de Mar.

Das Wort "Luz", Spanisch fĂŒr Strom, ist Teil fast jeder Unterhaltung von Menschen auf der Straße. Nachbarn rufen sich von Balkon zu Balkon die neuesten Nachrichten und GerĂŒchte zu.

"Und wie soll ich jetzt kochen", fragt eine Hausfrau in PremiĂ  de Mar. Obwohl sie und ihr Mann Solarmodule auf dem Dach haben, nĂŒtzt ihnen das nicht, denn die Anlage funktioniert nur, wenn das Netz in Betrieb ist. Eine Nachbarin lĂ€dt alle ein, bei ihr zu kochen - auf ihrem Gasherd.

Wegen des Stromausfalls musste das Masters-1000-Tennisturnier in Madrid unterbrochen werden.

ZĂŒge stehen, Ampeln ausgefallen

Der Verkehr und Transport auf der sĂŒdeuropĂ€ischen Halbinsel war in weiten Teilen gestört. Nach Angaben der spanischen Eisenbahngesellschaft Renfe war um 12.30 Uhr (Ortszeit) das "gesamte nationale Stromnetz" ausgefallen - an allen Bahnhöfen seien die ZĂŒge stehen geblieben und nicht abgefahren. Eine Wiederaufnahme des Mittel- und Fernverkehrs ist derzeit nicht absehbar, teilte der spanische Verkehrsminister Óscar Puente auf der Plattform X mit.

Auch Spaniens Flughafenbetreiber Aena meldete "ZwischenfĂ€lle" wegen des Blackouts. Notfallgeneratoren seien aktiv. Passagiere sollten sich mit Fragen an ihre jeweilige Fluggesellschaft wenden, da es möglicherweise Probleme bei der Weiterreise am Boden gebe. Fernsehbilder des Senders RTVE von den großen FlughĂ€fen des Landes zeigten gestrandete Passagiere, stillstehende Rolltreppen und LaufbĂ€nder sowie heruntergelassene Rollgitter.

Der spanischen Zeitung "El País" zufolge beschrÀnkte sich der massive Blackout auf das Festland. Demnach berichteten Reporter, dass die zum Land gehörenden Inselgruppen Kanaren und Balearen nicht betroffen seien.

Auch das Nachbarland Portugal erlebte einen weitreichenden Blackout, vom Norden bis in den SĂŒden des Landes, berichtete der Sender RTP. Portugals Verteidigungsminister Nuno Melo rief die Bevölkerung zur Ruhe auf.

Der Stromausfall in Portugal sei durch eine Störung im spanischen Stromnetz verursacht worden, die auf ein "seltenes atmosphĂ€risches PhĂ€nomen" zurĂŒckzufĂŒhren sei, berichteten unter anderem der portugiesische Sender RTP und der britische Sender Sky News unter Berufung auf den portugiesischen Stromnetzbetreiber REN. Der Betrieb werde schrittweise wiederhergestellt, wobei die Sicherheit und StabilitĂ€t des Netzes Vorrang hĂ€tten. Die vollstĂ€ndige Normalisierung des Netzes könnte "aufgrund der KomplexitĂ€t des PhĂ€nomens" bis zu einer Woche dauern.

Auch Frankreich zwischenzeitlich betroffen

Im in den PyrenÀen gelegenen Kleinstaat Andorra dauerte der Stromausfall dagegen nur wenige Sekunden, meldete dessen Energieversorger FEDA auf X. Der Ausfall sei auf spanischer Seite verursacht worden und die ElektrizitÀt dank der "automatischen Wiederverbindung mit der aus Frankreich kommenden Leitung" umgehend wiederhergestellt worden.

Auch Frankreich war zwischenzeitlich vom Blackout betroffen. Der Stromnetzbetreiber RTE schrieb, dass Haushalte im französischen Teil des Baskenlandes einige Minuten lang ohne Strom waren. Die Versorgung sei aber wiederhergestellt worden.

@ dpa.de